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Mit dem Auto „ökologisch“ in die Berge

Im Mai geht die Kampagne #machseinfach der Frage nach, was umwelt- und klimabewusst Autofahren heißt und wie man mit dem Auto "ökologisch" in die Berge anreisen kann.

 

Umwelt- und klimabewusst Autofahren heißt: nicht einfach der Werbung glauben und einen Elektro-(Batterie-)SUV kaufen. Sondern selber denken – und vor allem systematisch.

 

Small is beautiful

Ein typisches Oberklasse-Auto (z.B. Audi A8) wiegt 2000 kg und erzeugt 190-350 g/km CO2, ein Kleinwagen (z.B. VW up!) emittiert bei 1000 kg 130-170 g (die Erdgasvariante übrigens 102, laut Hersteller 82). Klar: Viele Bergsportler schätzen die Unabhängigkeit durch den Campingbus oder müssen gelegentlich sperriges Gepäck (Ski, MTB) transportieren. Aber muss jede Fahrt mit dem Camper gemacht werden? Wäre ein Dachträger für die gepäckaufwendigen Aktionen nicht günstiger, als immer mit einem großen Kombi rumzufahren? Und wer fährt schon echt im Gelände, wo ein SUV vielleicht zu rechtfertigen wäre? Ob tonnenschwere SUperVerbraucher (16 l /100 km) mit dem Naturbewusstsein eines DAV-Mitglieds zu vereinbaren sind, bleibt freilich fraglich.

 

2017 mahnten 15 emeritierte Professoren für Mobilität und Infrastruktur in einem offenen Brief an die Bundesregierung, „die Gesetzmäßigkeiten der Physik“ nicht außer Acht zu lassen und forderten, „dringend Größe und Gewicht von PKW zu begrenzen oder wenigstens zu besteuern“ – für eine Verkehrspolitik, die nicht völlig bescheuert ist, gäbe es eine Menge zu tun.

 

Nimm mich mit, Kapitän

Ein Auto braucht eine bestimmte Menge Treibstoff – je mehr Menschen drin sitzen, desto niedriger ist deren Pro-Kopf-Verbrauch. Auf der Autofahrt von München Garmisch werden beispielsweise 26 kg CO2 ausgestoßen. Wer noch vier Freund mitnimmt, senkt den Pro-Kopf-Ausstoß auf 5,2 kg und ist damit sogar umweltfreundliche unterwegs als mit der Bahn. Zumindest was den CO2-Ausstoß betrifft. Wie gut, dass man am Berg ohnehin eher selten alleine unterwegs ist. Wenn man noch Platz übrig hat oder doch mal alleine loswill, helfen Mitfahr-Plattformen, Fahrgäste oder Chauffeure zu finden. Das braucht die Bereitschaft, etwas mehr Zeit und vielleicht einen kleinen Umweg zu investieren, und man muss Zeiten absprechen, so wie man bei der Bahnfahrt an den Fahrplan denken muss. Aber anders als bei den „Öffentlichen“ kommt man direkt zum Ausgangspunkt, auch wenn er etwas abgelegen ist – das Hauptproblem, das viele von der Anfahrt mit Bus und Bahn abhält.

 

Fahren mit Köpfchen statt Gasfuß – Tipps zum Spritsparen

Mit ein paar einfachen Tipps und etwas Übung lassen sich beim Autofahren Reduktionen um 20% erreichen.

  • Bewusst, vorausschauend und gleichmäßig fahren, keine abrupten Gas-/Brems-Wechsel; „Mitschwimmen“ und mehr Abstand hilft dabei (erst mal Fuß vom Gas statt gleich bremsen).
  • Vor roten Ampeln kein Gas mehr geben, sondern ausrollen lassen, evtl. im Leerlauf. Bergab sowieso.
  • Beim Rollen lassen mit Gang wirkt die Schubabschaltung, der Motor verbraucht null, die Motorbremse macht das Auto langsamer. Rollen lassen im Leerlauf ein bisschen Standgas, aber das Auto rollt wesentlich weiter als mit Gang. Situativ entscheiden.
  • Sanft und gleichmäßig beschleunigen.
  • Früh hochschalten: fahren mit 1400-1800 Umdrehungen; zurückschalten nur wenn’s ruckelt. Faustformel: ab 30 km/h im 3. Gang, ab 40 km/h im 4. Gang, ab 50 km/h im 5. Gang.
  • Im Stand (Ampel, Stau) Motor abschalten.
  • Tempo 120 braucht ca. 20% weniger Sprit als 150, das gleiche gilt für Tempo 90 statt 110.
  • Zusatzverbraucher (Heizung, Sitzheizung, Klimaanlage) nur wenn nötig – sie verursachen jeweils 10-20% Mehrverbrauch.
  • Keinen unnötigen Ballast oder Dachträger spazierenfahren.
  • Reifen mit niedrigem Rollwiderstand verwenden, Luftdruck regelmäßig kontrollieren.

 

Kurse zum spritsparenden Fahren gibt’s beim ADAC, VCD, DVR oder Herstellern.

 

Welcher Antrieb ist der beste?

Batterie-E-Auto

+ Bei 100% Ökostrom entstehen null Schadstoffe und fast kein CO2

+ Elektromotoren haben weniger Wartungsaufwand als Verbrenner

+ Der Motor ist sehr leise und trotzdem leistungsstark; gute Beschleunigung hilft beim Überholen am Berg

- Beim derzeitigen deutschen Strommix erzeugt ein typisches E-Auto ca. 100 g/km CO2 – nicht nennenswert weniger als sparsame Verbrennungsmotoren (Erdgas, Diesel)

- Für die Entwicklung von Motoren, Akkus und Akkurecycling und für Ökostromerzeugung und Leitungen sind noch viel Engagement und Investitionen nötig

- Die Akkus machen das Auto schwerer und sind ernergieaufwendig in der Herstellung: Pro 100 km Reichweite entstehen ungefähr 1,5 Tonnen CO2

- Die Rohstoffe für die Akkus sind (bei hoher Recyclingquote) für die Zukunft ausreichend, kommen aber teils aus politisch brisanten Regionen oder werden unter sozialen Missständen abgebaut

- Für längere Strecken sind derzeitige E-Autos wegen begrenzter Reichweite und langer Ladezeiten unpraktisch

- Die schnelle Beschleunigung kann mehr Reifenabrieb, also mehr Feinstaub bedeuten

- E-Autos sind (noch) meist wesentlich teurer als Verbrenner

- Zusatzverbraucher wie Heizung, Licht und Klimaanlage können den Verbrauch um bis zu 70% erhöhen.

 

-> Derzeit vor allem für kürzere Strecken mit Ökostrom-Anschluss geeignet, für Bergsport-Anforderungen eher ungünstig. Wenn die großen Aufgaben Ökostrom und Akkuherstellung Riesenfortschritte gemacht haben, eine Vision für die Zukunft – vor allem in einem „smart grid“ oder für eine gesellschaftlich genutzte Flotte autonomer Sammeltaxis.

 

Erdgasauto

+ Hat unter den Verbrennungsmotoren die günstigsten Verbrauchswerte wegen der hohen Energiedichte von Methan (Erdgas)

+ Sehr schadstoffarm (90% weniger Stickoxide, 99% weniger Partikel, 25% weniger CO2 als Diesel)

+ Mit 100% Biomethan fährt man ähnlich klimaneutral wie mit Ökostrom

+ Methan als E-Fuel ist eine einfache und praxistaugliche Speichermöglichkeit für überschüssigen (unplanbar entstehenden) Ökostrom

+ Akzeptabel rasches Tanken, praxistaugliches Tankstellennetz in Deutschland und den Alpen, nur in Frankreich schlechtere Netzabdeckung – Information durch Apps und www

+ Kein großer Preisunterschied zu Benzinern und Dieseln, bewährte und sichere Technologie

- Die Konsequenz, mit der die Technologie totgeschwiegen wird, lässt befürchten, dass Erdgasautos ein Nischenprodukt bleiben und nicht weiter entwickelt werden

- Etwas längere Wartezeiten beim Tanken (wenige Säulen, Tankvorgang langsamer), die Konstruktionen einiger Zapfanlagen brauchen etwas Gewöhnung

- Wenn in ländlichen Regionen keine Gas-Tankstelle am Weg liegt, können Pendler das Konzept nicht optimal nutzen.

 

-> Voll praxistauglich auch für längere Strecken, mit Biomethan oder E-Fuel eine mindestens vollwertige Alternative zum Batterie-Elektroauto. Zumindest als Übergangstechnologie, bis ausreichend Ökostrom und effiziente Akkus zur Verfügung stehen.

 

Diesel + Benziner

+ Bewährte Technologie, perfektes Versorgungsnetz

+-Falls genügend Ökostrom erzeugt wird, könnten E-Fuels eine Option sein, um Verbrennungsmotoren in Zukunft noch akzeptieren zu können. E-Fuels sind Treibstoffe (Erdgas, Benzin, Diesel), die mit Ökostrom aus Wasser und CO2 hergestellt werden; das bei der Verbrennung entstehende CO2 wurde also vorher der Atmosphäre entzogen – ein klimaneutraler Kreislauf.

- Klassisch hoher CO2-Ausstoß (Benziner); Diesel ist deutlich klimaverträglicher, aber hat das Problem mit verbrecherisch manipulierten Emissionen gesundheitsgefährdender Schadstoffe

 

-> Universelle Technologie, aber mit fossilem Brennstoff nicht mehr zeitgemäß

 

Hybrid

+ Gewinnt beim Bremsen Energie zurück

+ Verbrennungs- und E-Motor gemeinsam bringen gute Fahrdynamik

+ Kurzstrecken können voll elektrisch bewältigt werden

- Schwer durch Akku und zweiten Antrieb

- Die Verbrauchsangaben der Hersteller werden in Praxistests unglaubwürdig

 

-> Sinnvoll für Pendler mit Anschluss an Ökostrom-Ladestation. Für Langstrecken (Berge) weniger, weil dann zwei Motoren + Akku doch nur mit Benzin/Diesel bewegt werden

 

Brennstoffzellen/Wasserstoff-E-Auto

+ Als Elektrolyse-Wasserstoff lässt sich Ökostrom gut speichern und transportieren (keine Stromleitungen nötig)

+ Wasserstoff treibt effiziente, quasi schadstofffreie Elektromotoren, aus dem „Auspuff“ kommt nur Wasser

- Forschung und Entwicklung wurden in Deutschland gebremst; es dauert noch, bis bezahlbare Autos serienreif werden und ein Tankstellennetz aufgebaut ist

- Wasserstoff ist flüchtig und explosiv, deshalb nicht so leicht zu transportieren wie Erdgas

- Für die Brennstoffzellen sind seltene Rohstoffe nötig

 

Vermeiden – Sparen – Kompensieren?

Warum sollte man es sich nicht zur Gewohnheit machen, für die jährlich gefahrenen Kilometer – genau so wie für die Urlaubs-Flugreise – einen Kompensations-Ablass zu zahlen? Besser wäre es natürlich, man hätte die CO2-Emissionen nicht verursacht. Aber wenn man schon nicht verzichten will, kann man so wenigstens die weltweite Bilanz ausgeglichen halten. Und gute Kompensationsprojekte wirken oft in strukturschwachen Regionen, so dass sie auch zu mehr sozialer Chancengerechtigkeit beitragen – etwa wenn Nepalis oder Afrikaner mit guten Biogaskochern kochen können statt auf rauchigem Holzfeuer.

Wer seine Emissionen kompensieren möchte, sollte darauf achten, dass der Anbieter möglichst nach dem „Goldstandard GS CER“ zertifiziert ist; das gewährleistet effiziente Projekte und transparente Verwaltung. Eine Voraussetzung ist, dass die Projekte ohne die Finanzierung aus der Kompensation nicht stattgefunden hätten. In „Finanztest“ 3/18 wurden Atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima jeweils mit sehr gut bewertet, Myclimate mit gut, Klimamanufaktur und Arktik mit ausreichend. Der übliche Preis zur Kompensation einer Tonne CO2 liegt bei ungefähr 23 Euro.

 

Achtung: Rebound-Effekt!

Dieser Begriff bezeichnet das psychologische Phänomen, dass ein gutes Gewissen Hemmschwellen lockern kann – nach dem Motto: Ich hab so ein umweltschonendes Auto, da kann ich ruhig ein bisschen mehr fahren.

 

Nicht vergessen: Die hier skizzierten Tipps dienen der Reduzierung von CO2-Emissionen. Höhere Priorität hat immer die Vermeidung; das ökologischste Auto ist das, das in der Garage bleibt.

 

Weitere Ideen, wie man nachhaltig am Berg unterwegs sein kann, werden unter natur[Klammeraffe]alpenverein[Punkt]de gesammelt.

 

Die Kampagne #machseinfach ist Teil des Projekts „Bergsport mit Zukunft“, das durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) und Globetrotter gefördert wird.

 

Unterstützt wird die Kampagne von VAUDE, dem offiziellen Ausrüster des DAV.