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DAV-Werkstatt Entwicklung³

20.02.2019, 16:15 Uhr

Die Themen „Digitalisierung“, „Nachhaltigkeit“ und „Verbands- und Sportentwicklung“ standen auf der diesjährigen DAV-Werkstatt im Fokus. Über 200 DAVler und DAVlerinnen aus 70 Sektionen reisten dafür – zu 80 % umweltfreundlich mit der Bahn – am 15./16. Februar nach Leipzig.

Nach Würzburg (2015) und Nürnberg (2017) war die sächsische Großstadt Schauplatz der dritten DAV-Werkstatt in Folge. Leipzig, das auch Heimat der nach München zweitältesten Sektion des DAV ist, wie Staatssekretär Stefan Brangs in seiner freundlich-appellativen Eröffnungsrede feststellte. Im DAV-Jubiläumsjahr 2019 ging es um künftige Entwicklungen im DAV, konkret um das Entwickeln von Vorschlägen, wie der Verband die Top-Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Verbands- und Sportentwicklung weiter gestalten soll.

 

Digitalisierung

Dass die Digitalisierung jeden Lebensbereich unausweichlich betrifft, jede Organisation und Branche unglaublich schnell und grundlegend verändert, machte Dr. Joachim Bühler anschaulich klar. Der Geschäftsführer des Verbands der TÜV e.V. betonte in seiner Key Note, dass „wir die Digitalisierung gestalten müssen. Wobei sich die zentrale Frage stellt: Was macht die Digitalisierung mit dem, was uns im Kern ausmacht?“ Bezogen auf den DAV bedeute dies: Wie kann der Verband seinen Wertekanon ins neue Zeitalter übertragen? Das sei eine Frage der Kultur, nicht der Technik. Dass die digitale Transformation einen Kulturwandel mit sich bringt, dieser aber ebenso gestaltet werden muss, bestätigten auch die Diskussionen in den Foren „Digitalisierte Sektion“ und „Digitalisiert am Berg“.

 

Erkenntnisse

  • Risiken und Chancen offen benennen
  • Akzeptanz schaffen durch authentische Vorbilder
  • digitale Tools für starke Transparenz in der Kommunikation nutzen
  • alternative Rahmenbedingungen zulassen
  • Lust und Spaß an der Veränderung wecken
  • Klären, wie und wo wir mitspielen wollen und wie und wo nicht
  • weiterhin bewusst, intensiv, wertgebunden und „achtsam mit allen Sinnen in die Berge gehen“ – damit der Bezug zur Natur und das soziale Miteinander nicht noch mehr verloren gehen ebenso wie analoge Fähigkeiten als Voraussetzung fürs Bergsteigen (Gelände/Karten lesen, meteorologische Kenntnisse), wie Jan Mersch, Bergführer und Psychologie herausstellte.
 

Nachhaltige Entwicklung

Den notwendigen Kulturwandel forderte Andreas Huber, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, auch für die nachhaltige Entwicklung. Mit Hinweis auf die von Schülern organisierten Freitagsdemonstrationen machte er klar, dass wir „als Verantwortliche für den Klimawandel und den Raubbau an der Natur in Sachen Nachhaltigkeit durchgefallen sind. Die Mutter aller Probleme ist unser Ego. Wir tun nichts, weil unser Bezug zur Welt verloren gegangen ist.“ Ein neues Wirtschaftssystem auf Basis der „Global Goals“ der UN mit 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung sei notwendig, und hierfür könnte die digitale Transformation genutzt werden, die aber „nicht automatisch ökologisch ablaufen wird. Dafür zu sorgen ist ‚Chefaufgabe‘, die nicht an IT-Experten ausgelagert werden kann!“ Dass wir alle Teil des Problems sind und Fehler machen, aber ebenso Teil der Lösung, war auch Konsens der drei mit Nachhaltigkeit befassten Foren „Das richtige Maß im Bergsport“, „Nachhaltiger (Berg)Tourismus und „Kernproblem weite Anreise“.

 

 

Erkenntnisse

  • Viele spüren ein Grundunwohlsein angesichts der Folgen des Klimawandels und des eigenen Verhaltens auch am Berg, wo die eigene Aktivität zum (gefühlten) „Overmountaineering“ beitragen kann.
  • Wir müssen Gewohnheiten durchbrechen, einen Wandel herbeiführen, Veränderer werden und mit gutem Beispiel als Vorbilder vorangehen – in einem achtsam-wahrgenommenen dialogischen Prozess.
  • Der Verband tut bislang zu wenig, muss selbst nachhaltiges Handeln dauerhaft und strukturell verankern, sollte „noch viel präsenter sein und Leute mitreißen“, wie Bundesjugendleiterin/Vizepräsidentin Sunnyi Mews forderte (die JDAV erarbeitet gerade eine Nachhaltigkeitsstrategie).
  • Als „Meister des Spagats“ sollte der DAV die Heterogenität der Bergsportler und der Sektionen als Chance begreifen und lokal wie regional an Konzepten mit Signalwirkung mitarbeiten bzw. sie gemeinsam entwickeln.
  • Der DAV sollte die Lobbyarbeit stärken, auf Politik einwirken und sich nach außen klar positionieren für Nachhaltigkeit und das Gemeinwohl, auf Basis von Werten wie Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, Transparenz, Mitentscheidung/Partizipation.
 

Sport- und Verbandsentwicklung

Für das Thema „Sport- und Verbandsentwicklung“ konstatierte Veronika Rücker, Vorstandsvorsitzende des DOSB, die Notwendigkeit eines Kulturwandels für ihre eigene Organisation, um die Anforderungen der Digitalisierung umsetzen zu können. Unternehmerischer denken, proaktiver vorgehen, flexibler werden waren die Stichworte. Im Hinblick auf den boomenden E-Sport sah sie auch neue Aufgaben auf den DAV zukommen, den Alpenverein unter den über hundert Mitgliedsverbänden im DOSB generell aber gut aufgestellt. Die drei weiteren Foren, „Betriebsführung Kletterhalle – eine große Herausforderung“, „Mitglied von heute – Ehrenamt von Morgen“ und „Partizipation: Mitbestimmen statt Einschlafen“ beschäftigten sich mit diesen verbandsinternen Fragestellungen.

 

 

Erkenntnisse

  • Kletterhallen verlangen professionelle Führung und Orientierung an den Kundenbedürfnissen, sind als urbane Aushängeschilder der Sektionen aber auch Orte der Begegnung übers Klettern hinaus; hier können DAV-Werte platziert, Menschen für Themen sensibilisiert und zum Engagement inspiriert werden.
  • Eine professionelle Führung in Verbindung mit dem Gemeinnutz bildet das Alleinstellungsmerkmal von DAV-Hallen, in denen generationenübergreifend, inklusiv, gesundheits- und kulturorientiert gearbeitet werden kann. Viel Potenzial liegt in Kooperationen mit anderen Vereinen, um erweiterte Angebote machen und gemeinsam stärker werden zu können.
  • Das Ehrenamt als DAV-Kern braucht Hege und Pflege, eine Lobby, Geld, mediale Präsenz und eine zielgruppengerechte Ansprache, um es künftig sichern zu können; hier spielt die persönliche Ansprache trotz aller digitalen Tools eine wichtige Rolle.
  • Partizipation setzt Akzeptanz auf Basis eines Wertekanons voraus, muss alle Zielgruppen ansprechen und transparent nachverfolgt werden können.
  • Mitbestimmung will gelernt sein, einheitliche Leitlinien ebenso wie Schulungen sind notwendig (für Vorstände, in Ausbildungskursen, mit Hilfe von digitalen Plattformen, die horizontal wie vertikal funktionieren).
 

Zeit für große Schritte

Die Diskussionen auf der DAV-Werkstatt in Leipzig wurden sehr engagiert, lebhaft und zielgerichtet geführt. Trotz teilweise gegensätzlicher Vorstellungen wurde klar, dass der Entwicklungsprozess, in dem sich der DAV befindet, nur gemeinschaftlich weitergetrieben werden kann, in transparenter Kommunikation unter den Beteiligten. Dann wird dieser Prozess wirklich nachhaltig sein. Jetzt ist es Zeit, große Schritte zu gehen.