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Wie baue ich einen Skischlitten?

Verletzt, kein Flugwetter, kein Handyempfang – in solchen Situationen ist ein selbst gebauter Skischlitten oft die letzte Rettung. Wir zeigen Ihnen, wie Sie vorgehen müssen.

1. Das braucht man zum Schlittenbau

  • 2x Ski mit Loch an Schaufel und Ende
  • 4x Stöcke (Verletzter und Retter)
  • 2x Schaufelblatt (Verletzter und Retter) mit Löchern an den 4 Ecken (noch im flachen Bereich!)
  • 1x Schaufelstiel mit Löchern an den Enden
  • 4x Flügelschraube (5x40mm)
  • 1x 4m Reepschnur (5mm)
  • 1x 10m Reepschnur (5mm)
  • (oder 2x 5m / 3x 3,5m)
  • 2x Skiclip
  • 2x Felle
  • 1x Rucksack
  • 1x Leatherman
  • 4x lange Kabelbinder
 

2. Löcher bohren

Nicht alle Ski und Lawinenschaufeln haben die für diesen Skischlitten benötigten Löcher. Die Ski brauchen je ein Loch vorne und hinten, das Schaufelblatt 4 Löcher im Bereich der Ecken (aber noch auf dem flachen Teil des Schaufelblatts). Der Schaufelstiel (am besten ohne Griff) braucht Löcher an beiden Enden. Bei 5mm Schrauben und Reepschnur ist ein 6mm-Bohrer optimal. Bzgl. Position des Lochs und Skimaterial muss je nach Modell überlegt werden - je leichter die Skier sind, desto fraglicher ist ihre Eignung für diesen Zweck.

 

3. Mastwurf-Knoten

Für den Bau des Skischlittens ist der Mastwurf der wichtigste Knoten. Alpinkletterer kennen ihn von der Selbstsicherung am Stand, Skitourengeher und Freerider müssen ihn lernern. Um guten Halt zu gewährleisten, wird der Mastwurf über den kreuzenden Strang verkürzt und am freien Ende festgezogen. So wird sichergestellt, dass sich nichts lockert. Der Mastwurf sollte gesteckt und gelegt beherrscht werden.

 

4. Vorbereitung

Die Ski auf eine ebene Arbeitsfäche im Schnee legen, vor Wegrutschen sichern und die Skistopper verriegeln oder nach oben binden (damit der Schlitten dann auch gut rutscht). Die 4-m-Reepschnur mittig zwischen die Skispitzen legen.

 

5. Reepschnur durch Stockteller fädeln

Die halbe Reepschnur von der Stockspitze durch einen der beiden Stockteller fädeln und oberhalb um den Stock einen Mastwurf stecken. Nun die Reepschnur Richtung Stockspitze zurück durch den Teller fädeln und unterhalb des Tellers um die Stockspitze einen Mastwurf machen. Eine Schraube von unten nach oben durch das Loch stecken, so dass das Gewinde nach oben zeigt. Die Reepschnurhälfte von oberhalb des Stocktellers hinter die Schraube legen.

 

6. Schaufel fixieren

Die Reepschnurhälfte vom Stockspitzenmastwurf möglichst kurz mit Mastwurf an der Schraube fixieren und dann die Schaufel mit der Mutter darüber befestigen. Mit der Reepschnurhälfte von oberhalb des ersten Tellers den zweiten Stock analog zum ersten befestigen (Mastwurf unterhalb und oberhalb des Tellers, Schnur hinter die Schraube legen). Zum Schluss wieder die Reepschnur aus dem Stockspitzenmastwurf mit Mastwurf auf der Schraube fixieren und mit der Flügelmutter die Schaufel darüber befestigen.

 

7. Zweites Paar Stöcke

Das zweite Paar Stöcke über den Skiern kreuzen und die Länge so einstellen, dass die Stockteller direkt hinter der Bindung liegen. Mit dem Rest der Reepschur, der unter den Skispitzen herausschaut, werden nun die Griffe der auf den Skiern gekreuzten Stöcke mit Mastwurf fixiert. Mit dem Schaufelstiel und den restlichen Schrauben die Ski-Enden verbinden.

 

8. Zweites Schaufelblatt

Dann das 2. Schaufelblatt mittig unter den gekreuzten Stöcken zwischen die Ski legen. Die 10m Reepschnur ebenfalls mittig ausmessen. 2x Kreuzschlag (Sackstich) im Abstand der Löcher des Schaufelblatts einknoten. Nun die Reepschnur von oben nach unten durch die Löcher zum Vorderbacken der Bindung fädeln, dabei die gekreuzten Stöcke mit einfassen. Die Reepschnur um den vorderen Bindungsbacken legen, bei Pin Bindungen unter den Auslösehebel.

 

9. Reepschnur fädeln

Nun die Reepschnur vom Vorderbacken durch das hintere Loch am Schaufelblatt, über den Stock, einmal Richtung Stockspitze und wieder Richtung Griff durch den Stockteller fädeln. (evtl. dazwischen Mastwurf um die Stockspitze).

 

10. Reepschnur festziehen

Nun einen Mastwurf um den Hinterbacken (bei Pinbindungen unter die Pins). Reepschnur ordentlich festziehen. Diese Schritte am zweiten Ski wiederholen.

 

11. Rucksack platzieren

Rucksack quer auf die Ski-Enden legen. Die Reepschnur-Enden von den Hinterbacken überkreuz über den Rucksack unter den Trägern durchfädeln und dann einen Mastwurf auf den Schaufelstiel am Ende der Ski legen und wie immer gut festziehen. Das Restseil sollte nun ca. 3 m lang sein und dient beim Abtransport als Bremsseil.

 

12. Ankerstich am Bremsseil

Ein Ankerstich am Ende des Bremsseils um Skistöcke oder einen Schaufelstiel erleichtert den Helfern das Zupacken. Zur Not reicht eine Sackstichschlaufe. Für die Abfahrt ist ein Bremser an jeder Seite wünschenswert.

 

13. Vorbereitung für die Fixierung des Verletzten

Die zwei Skiclips an den Stockkreuzen (auf den Ski und auf der Deichsel) fixieren. Felle inside out (Kleber weg vom Verletzten) auf einer Seite der gekreuzten Stöcke festkleben. Ggf. ein zweites Paar Felle an der Reepschnur über den Rucksack verwenden für die Fixierung des Oberkörpers.

 

14. Verletzten platzieren

Den Verletzten mit dem Gesäß auf die mittige Schaufel und mit den Füßen auf die vordere Schaufel legen (zur besseren Polsterung darf natürlich alles verwendet werden). Den Verletzten mit Fellen ordentlich fixieren (Felle über den Verletzten, auf der anderen Seite unter den Stöcken durch und festkleben). Den Helm und die Skibrille ggf. auf dem Kopf lassen. Die Bremsleinen auch zur seitlichen Stabilität beim Queren einsetzen. Langsam und vorsichtig fahren!

 

15. Option: Komplettpaket

K2/BCA bietet die Bauteile für eine Skiverschraubung als Komplettpaket zum Kauf an. Die Ski sind mit verstärkten Löchern ausgerüstet. Schaufelstiel und -blatt haben Löcher an den richtigen Stellen. Aber die Konstruktion lässt sich mit jeder soliden Tourenausrüstung basteln.