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Wandern, beobachten und helfen

In den Pilotgebieten Allgäuer Hochalpen und Karwendel sollten 2013 möglichst viele Wanderer und Besucher motiviert werden, ihre Beobachtungen ausgewählter Alpenvögel zu melden. Zahlreiche Medien, Informationsmaterial und Aktionen kommen dabei zum Einsatz. Der DAV ist mit seiner Organisationsstruktur, den Hütten und vorhandener Infrastruktur der ideale Projektpartner. DAV-Sektionen und Hüttenwirte sind wichtige Ansprechpartner vor Ort, ebenso wie die beiden LBV-Gebietsbetreuer Henning Werth für die Allgäuer Hochalpen und Michael Schödl für das Karwendelgebirge.

 

Wie viele Vögel gibt es in den Alpen und wo kommen sie her?

Es gibt 200 Vogelarten in den Alpen. Etwa ebenso viele zusätzliche Arten nutzen die Alpen als Durchzugs- oder Rastgebiet. Mit den Bedingungen oberhalb von 2.000 m kommen noch 50 Vogelarten zurecht. An den Alpen treffen unterschiedliche Klimabereiche zusammen: das mediterrane, kontinentale und atlantische Klima. Somit können alpine Lebensräume sowohl wärmeliebende Arten neben Arten aus gemäßigten Bereichen und kälteliebende Arten integrieren, was die Alpen zu einem Hot spot der Biodiversität macht. Die Besiedlung der Alpen durch Vögel erfolgt aus verschiedenen Richtungen:

 

  • Kälteliebende Arten der Arktis/borealen Nadelwaldzone wie das Alpenschneehuhn stammen aus der Arktis. Mit den großen Vergletscherungen Nordeuropas wurde diese Art nach Süden verdrängt und fand in den Alpen als „Eiszeitrelikt“ vergleichbare Klimabedingungen. Ähnliches galt für Birkhuhn und Ringdrossel
  • Arten aus asiatischen Kältesteppen / Hochgebirgenwie Schneesperling,Mauerläufer und Alpendohle sind, ebenso wie z.B. Gämse, Steinbock, Murmeltier und Edelweiß, aus asiatischen Gebirgen eingewandert.
  • Arten aus Südeuropa wie die wärmeliebenden Arten Steinrötel und Steinhuhn haben ihr Verbreitungsgebiet nach Norden ausgeweitet und können in Zukunft vermutlich regelmäßiger in den bayerischen Alpen beobachtet werden. 
  • Endemische Arten, „echte Europäer“. Endemische Vogelarten (= die weltweit nur hier vorkommen) gibt es in den Alpen nicht. Der Zitronenzeisig jedoch ist mitteleuropäischen Ursprungs. Die mit dem Kanarienvogel verwandte Art kommt heute schwerpunktsmäßig in den Alpen vor. Somit ist unsere Verantwortung für die Erhaltung dieser Art groß.
  • Die Alpen als Rückzugsgebiet vor Verfolgung: Steinadler und Kolkrabe wurden bis zu Beginn des 20. Jahrhundert - und leider lokal noch heute - intensiv verfolgt. Sie konnten nur überleben, weil sie in den Alpen unzugängliche Rückzugsgebiete fanden, wo sie vor menschlicher Verfolgung sicher waren. 

 
Birkhuhn-Werth
Birkhuhn. Foto: Henning Werth
 

Welche Vögel sollen gemeldet werden und wo kommen diese vor?

Wer als Wanderer eine Bergtour macht, durchläuft meist mehrere Höhenstufen und Lebensräume: Von den meist intensiv genutzten Tallagen aus wird der Laubwald / Bergmischwald als erstes erreicht. Hier kommen Weißrückenspecht und Haselhuhn vor, im höher gelegenen Nadelwald Dreizehenspecht und Auerhuhn. Am der Grenze des Bergwaldes beginnt die Krummholzzone, an die sich Zwergsträucher und Gräser anschließen. In diesem strukturell eng verzahnten Lebensraumkomplex sind Birkhuhn, Zitronenzeisig, Ringdrossel und Bergpieper zu finden. Diese Offenlandarten profitieren von einer extensiven Alpwirtschaft, die auch unterhalb der natürlichen Waldgrenze geeignete Offenlandstrukturen geschaffen hat und erhält.

 

Aber auch noch lebensfeindlichere Standorte werden von Vögeln besiedelt:Steinhuhn, Steinrötel und Steinschmätzer sind wärmeliebende Arten, die Geröllfelder mit kurzrasigen Bereichen z.T. in Felsnähe bevorzugen. An steilen und schwer zugänglichen Felsbereichen können Mauerläufer und Schneesperling angetroffen werden. Der Schneesperling hält sich im Sommer als kälteliebende Art bevorzugt im Bereich der letzten Schneefelder auf. Das Alpenschneehuhn vollzieht im Laufe des Jahres eine Höhenwanderung: Im Winter werden frei gewehte Rasen und Kare nahe der Baumgrenze aufgesucht. Im Laufe des Sommers nähert sich das Schneehuhn der alpinen Gipfelregion mit Schnee und Eis. Im Bereich der Gipfel können wir Alpenbraunelle und Alpendohle beobachten, die nicht selten die Nähe des Menschen suchen. So kommen sie an Nahrung, können aber auch leicht beobachtet werden. Im Luftraum der Alpen sind Steinadler, Kolkrabe, Wanderfalke und (sehr selten) Bartgeier und Gänsegeier zu sehen.

 

Melden Sie Beobachtungen in den Pilotgebieten Allgäuer Alpen und Karwendel!

Ihre Beobachtungen können dazu beitragen, unser Wissen über Vorkommen einzelner Arten zu verbessern. Wenn Sie auf der Wanderung eine der 21 wichtigsten Alpenvogelarten bestimmen können, tragen Sie die Beobachtung in einen der regionalen Meldeflyer Allgäuer Hochalpen oder Karwendel ein. Hier ist eine Karte abgebildet, in der Sie einfach Ihren Beobachtungsstandort eintragen und nummerieren. In einer Tabelle neben der Karte kann man die jeweilige Nummer mit Artname und weiteren Informationen zur jeweiligen Beobachtung ausführen. Generell gilt es, möglichst viele Informationen („trägt Nistmaterial“ oder „Jungvogel“) festzuhalten, aber Art, Anzahl und Datum allein sind schon sehr hilfreich. Die Meldeflyer sind in den ausgewählten DAV-Hütten sowie bei den Gästeinformationen Bad Hindelang, Oberstdorf, der Alpenwelt Karwendel (Krün, Mittenwald, Wallgau) und beim LBV erhältlich. Zusätzlich ist dort ein kostenloser Alpenvogelführer im Taschenformat verfügbar. Auf den DAV-Hütten wird ein Poster der ausgewählten Alpenvögel eingesetzt. Die Abgabe des Meldeflyers ist mit einem Gewinnspiel mit attraktiven Preisen verbunden. Die Datenmeldung ist auch digital über die Projekthomepage möglich.

 

Verhaltenshinweise und Beobachtungstipps:

  • Bleiben Sie bitte auf den ausgewiesenen Wanderwegen.

  • Beachten Sie generell alpine Gefahren.

  • Greifvögel lassen sich abhängig von der Thermik den ganzen Tag beobachten.

  • Balzende Birkhühner sind (je nach Windrichtung und Gelände) über mehrere Hundert Meter zu hören. Bitte in diesem Fall auf dem Wanderweg bleiben und eine Annäherung und damit mögliche Störung vermeiden.

  • Generell sollte man beim frühzeitigen Erkennen von Raufußhühnern verharren und warten, bis die Tiere ohne Flucht die Wegnähe verlassen haben.

  • Vor allem beim Übergang von Lebensraumtypen, z.B. Wald in Offenland, alpine Rasen in Felsgelände gilt es besonders, Augen und Ohren zu öffnen. Hier ist die Chance besonders groß, auf interessante Vogelarten zu treffen.

  • Auf größeren alpinen Rasenflächen lohnt es sich oft, Einzelbüsche oder Felsblöcke abzusuchen, die manchen Alpenvögeln als Singwarte dienen.

  • Murmeltiere warnen mit einem scharfen Pfiff beim Auftauchen eines Steinadlers im Luftraum

 

Zusätzliche Öffentlichkeitsarbeit in den Pilotgebieten und Projekthomepage

Im Bereich der ausgewählten DAV-Hütten werden Exkursionen, stationäre Betreuung mit Fernrohr und Vorträge angeboten. Die Termine und aktuelle Informationen sind auf der Projekthomepage unterwww.LBV.de/alpenvoegel erhältlich.

Hier können auch Meldeflyer, Alpenvogelbroschüre und ergänzende wie aktuelle Informationen abgerufen werden.

 

Kontakt: Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. Bezirksgeschäftsstelle Schwaben, Brigitte Kraft, Vogelmannstr. 6, 87700 Memmingen, schwaben[Klammeraffe]lbv[Punkt]de, Tel. 08331-901182

 

Gebietsbetreuung in Bayern

Die Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds und eine Kofinanzierung der Europäischen Union über den Europäischen Sozialfonds machen es möglich: 35 Gebietsbetreuer engagieren sich für den Erhalt schutzwürdiger Landschaften in Bayern. Die Einsatzgebiete reichen von den Allgäuer Hochalpen bis zur Rhön und die betreuten Arten vom Birkhuhn bis zum Ungarischen Enzian an der bayerisch-tschechischen Grenze. Mit den Gebietsbetreuern wird ein neuer Weg im bayerischen Naturschutz beschritten. Dabei stehen Kooperation und Beratung im Vordergrund. Gebietsbetreuer sind Anlaufstellen für alle BürgerInnen und vermitteln zwischen verschiedenen Interessensgruppen; sie verstehen sich nicht als „grüne Sheriffs“ sondern als kompetente Ansprechpartner für Bayerns Naturschätze. Weitere Informationen unter www.stmug.bayern.de/umwelt/naturschutz/baynetznatur/gebietsbetreuer.htm

Projekt Alpenvögel Partner

 

 

Das Alpenvogelprojektwird gefördert von der Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der GlücksSpirale.