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Permafrost sichtbar gemacht – die alpenweite Permafrost-Karte

Permafrost ist in weiten Teilen der Alpen oberhalb von ungefähr 2500 m ein weitverbreitetes Phänomen. Sobald die Boden- bzw. Felstemperatur über mehrere Jahre hintereinander unter dem Gefrierpunkt bleibt, wird von Permafrost gesprochen. Mit dieser Definition ist Permafrost unabhängig von Eisvorkommen oder Art des Materials (Boden, Fels, Schutt) und ist nicht direkt sichtbar.

 

Für viele Fachbereiche und Interessensgruppen ist es aber von großer Bedeutung geworden, ein klares Bild darüber zu haben, wo sich genau Permafrost befindet. Dieses Wissen ist von elementarer Wichtigkeit bei vielen Bauvorhaben im Hochgebirge, wie z.B. Seilbahnstationen, Seilbahnstützen, Hütten oder etwa auch Dämme und Tunnel für Wasserkraftwerke.

 

Das Projekt PermaNET (http://www.permanet-alpinespace.eu) hat sich daher u.a. zur Aufgabe gemacht eine alpenweite Karte des Permafrostvorkommens zu erzeugen.

 

Permafrost-Karte-Oetztal
Ausschnitt aus der Permafrost-Karte: dasÖtztal

 

 

Die Permafrost-Karte ist frei verfügbar und kann unter folgendem Link für die Darstellung in GoogleEarth heruntergeladen werden:

http://www.geo.uzh.ch/microsite/cryodata/AlpinePermafrostMap.kmz

 

Die Karte zeigt die Wahrscheinlichkeit mit der man an jedem beliebigen Ort in den Alpen mit Permafrost rechnen kann. In den blauen Bereichen ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Permafrost vorhanden. In den roten Bereichen kann Permafrost vorkommen, aber nur unter sehr günstigen Bedingungen, wie in grobblöckigen Schuttfeldern. In den gelben Bereichen ist Permafrostvorkommen unwahrscheinlich.

 

 

Wissenschaftlicher Exkurs: Wie kann man das Permafrostvorkommen eigentlich flächenhaft abschätzen?

Diese Karte entstand durch einer statistischen Modellierung basierend auf folgenden Parametern: Jahresmitteltemperatur, Sonneneinstrahlung und mittlerer Jahresniederschlag. Diese Parameter entscheiden über das Vorkommen von Permafrost und repräsentieren weitere Parameter aus dem Gelände: die Jahresmitteltemperatur repräsentiert die Höhenlage, die Sonneneinstrahlung repräsentiert Hangneigung und Himmelsrichtung und der Jahresniederschlag die Bodenfeuchte.  Aufgrund der hohen Messnetzdichte in den Alpen können diese Paramter für jeden Punkt errechnet werden. Diese Parameter können in der weiteren Folge an Standorten mit Permafrostmessungen (z.B. Bohrlöcher) mit den tatsächlichen Bodentemperaturen statistisch in Beziehung gesetzt werden. Auf einem digitalen Geländemodell kann nun aufgrund dieser Beziehung für jeden Punkt im Gelände die Wahrscheinlichkeit für das Vorkommen von Permafrost berechnet werden.