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Klimafreundlicher Bergsport: Ihr CO2-Fußabdruck

Ergänzend zur Reportage in DAV Panorama 5/14 zum Thema „Mobilität/Anreise“ finden Sie hier Informationen zu Treibhausgasen, unsere Rechenmethode und Tipps, wie Sie selbst umweltschonend zum Bergsport anreisen können.

 

 

Woher kommt der Klimawandel?

Der Weltlimarat IPCC, das Konsens-Gremium innerhalb der klimatologischen Fachwelt und Basis politischer Diskussionen über die globale Erwärmung, macht eine klare Aussage: Die globalen Durchschnittstemperaturen nehmen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zu und werden dies auch in Zukunft tun. Mit weltweit schwerwiegenden Folgen etwa für küstennahe Zivilisationen, aber auch das sensible Ökosystem der Alpen. Erwartet wird unter anderem, dass ein Großteil der Alpengletscher abschmelzen wird.

 

Natürliche Faktoren (wie etwa Schwankungen der Sonnenaktivität) haben daran nur einen geringen Anteil. Die Hauptursache ist menschlicher Natur: die Emission von Treibhausgasen durch Industrie und Zivilisation. Treibhausgase sind Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (NO2) und andere, die unterschiedlich stark auf den Treibhauseffekt wirken. Um diese in Relation zueinander setzen und ihre gesamte Wirkung beschreiben zu können, werden sie auf einen gemeinsamen Vergleichswert (CO2) bezogen. So wird das Treibhauspotenzial eines Gases in CO2-Äquivalenten ausgedrückt – das ist die Menge an CO2, die nötig wäre, um die gleiche Klimawirkung wie das jeweilige Gas zu erzeugen.

 

Ein Beispiel: 1 kg Methan (CH4) besitzt das gleiche Treibhauspotenzial wie 25 kg CO2. Das bedeutet, Methan hat eine 25-fach stärkere Treibhausgaswirkung als die gleiche Menge CO2. In CO2-Äquivalenten drückt sich dies dann wie folgt aus: 1 kg CH4 = 25 kg CO2-eq.

 

 

Was ist der CO2-Fußabdruck?

Ohne davon besondere Kenntnis zu nehmen, erstellt jeder Mensch im Laufe eines Jahres seinen eigenen CO2-Fußabdruck indem er beispielsweise heizt, kocht, zur Arbeit pendelt, mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegt, das Licht anschaltet oder sich Dinge kauft, für deren Herstellung Energie verbraucht wurde.

 

Pro Jahr stößt die Weltbevölkerung so im Durchschnitt 6,8 t CO2-eq pro Person aus. Um gravierende ökologische Schäden so gering wie möglich zu halten, muss die globale Erwärmung auf weniger als 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden, da sind sich Klimaforscher einig. Dazu müssen die CO2-Emissionen enorm reduziert werden: Für das „Zwei-Grad-Ziel“ darf der Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen im Jahr 2050 weltweit bei maximal 2-3 t CO2-eq pro Jahr liegen. Momentan verbraucht der durchschnittliche Bundesbürger aber rund 10,63 t, in den USA sind es sogar über 16 t.

 

Laut Umweltbundesamt verteilten sich die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland 2013 wie folgt:

 

2,62 t Energie, davon:

1,87 t Heizung

0,75 t Strom

2,35 t Mobilität, davon

1,37 t Privatfahrzeuge

0,13 t Ö(PN)V

0,85 t Flugverkehr

Sonstiges

1,43 t Ernährung

3,15 t Konsum

1,08 t Öffentliche Emissionen

Gesamt: 10,63 Tonnen

 

 

Welche Rolle spielt die Mobilität?

Die berechneten 2,35 t aus dem Bereich Mobilität beziehen sich auf eine durchschnittliche Fahrleistung von ca. 8.500 PKW-km (Mittelklasse Benziner), 2000 ÖPNV/Bahn-km sowie 3.600 Flug-km pro Person pro Jahr.

 

Laut der DAV-Mobilitätsumfrage (2014) legen Bergsportler allein für ihre Bergfahrten durchschnittlich jährlich

- 138,2 km pro Tagestour (bei durchschnittlich 17,3 Tagestouren im Jahr)

- 472,2 km pro Mehrtagestour (bei durchschnittlich 4,1 Mehrtagestouren im Jahr)

 

ca. 4.326 km zurück. Bei dem folgenden Verkehrsmix aus den gewichtigsten Verkehrsmitteln ergibt sich dabei eine durchschnittliche Gesamtemission von 345,8 Kg CO2.

 

 

Tagestouren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verkehrsmittel

Anteil Fahrten

Häufigkeit

Gefahrene Km

CO2-Emission pro km und Person

Gesamt-verbrauch

Bahn/ÖPNV (Auslastung 21-44%)

20,2 %

17,3

138,2 Km

66,03 g

31,89 kg

Fahrgemeinschaft (3 Personen)

56,4 %

17,3

138,2 Km

71,15 g

95,94 kg

PKW (1 Person)

12,2 %

17,3

138,2 Km

213,45 g

62,26 kg

 

 

 

 

 

190,1 Kg CO2

 

 

 

 

 

 

Mehrtagestouren

 

 

 

 

 

Verkehrsmittel

Anteil Fahrten

Häufigkeit

Gefahrene Km

CO2- Emission pro km und Person

Gesamt-verbrauch

Bahn/ÖPNV(Auslastung 21-44%)

18,8 %

4,1

472,2 Km

66,03 g

24,03 kg

Fahrgemeinschaft (3 Personen)

62 %

4,1

472,2 Km

71,15 g

85,40 kg

PKW (1 Person)

8,5 %

4,1

472,2 Km

213,45 g

35,13 kg

Flugzeug

2,5 %

4,1

472,2 Km

230,7

11,17 kg

 

 

 

 

 

155,7 Kg CO2

 

 

 

 

Gesamtverbrauch

345,8 Kg CO2

 

Das sind fast 15 Prozent der durchschnittlichen Gesamtemissionen aus dem Bereich Mobilität (2,35 t), der jegliches privates Verkehrsaufkommen berücksichtigt.

 

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Die Anreise mit dem PKW wird klimaschonender, wenn man Fahrgemeinschaften bildet, Foto: Andreas Dick

 

Wie berechnen Sie Ihren Mobilitäts-Fußabdruck?

Sollten Sie selbst gerne Ihren persönlichen Mobilitäts-CO2-Abdruck berechnen wollen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Entweder können Sie anhand der zurückgelegten Kilometer und der vom Umweltbundesamt zur Verfügung gestellten Angaben (siehe Tabelle) Ihre eigene Berechnung durchführen.

 

Verkehrsmittel

CO2-Äquivalente

Auslastung

PKW

142,3 g

1,5 Personen

Nahverkehr (Linienbus)

75,0 g

21%

Nahverkehr (Eisenbahn)

77,9 g

21%

Fernverkehr (Eisenbahn)

45,2 g

44%

Reisebus

30,3 g

60%

Flugzeug

230,7 g

73%

 

Dabei werden durchschnittliche Auslastungen der Verkehrsmittel zugrunde gelegt. Wenn Sie alleine im Auto fahren, emittieren Sie „pro Person“ mehr CO2 (213,45 g pro km), mit mehr Beifahrern anteilig deutlich weniger (71,15 g pro km bei 3 Personen). Die relativ hohen Verbrauchswerte im öffentlichen Nahverkehr ergeben sich aus der unbefriedigenden Auslastung. Würden mehr Menschen Bus und Bahn nutzen, würde sich die Emission pro Person reduzieren – und vielleicht würden mittelfristig sogar mehr Strecken häufiger bedient.

 

Falls Sie Ihren genauen Verbrauch kennen (Liter pro Fahrt oder langfristige Verbrauchswerte Ihres Autos), können Sie mit den CO2-Äqivalenten pro Liter Treibstoff der Defra (Department for Environment, Food and Rural Affairs) und des JRC (Joint Research Centre – European Commission) rechnen.

 

Kraftstoff

Vorkette

Verbrauch bei der Fahrt

Verbrauch Gesamt

Benzin

0,450 kg CO2 / l

2,300 kg CO2 / l

2,75 kg CO2 / l

Diesel

0,578 kg CO2 / l

2,669 kg CO2 / l

3,25 kg CO2 / l

 

In beiden CO2-Äquivalentangaben sind auch die indirekten Emissionen berücksichtigt, die bei der Erzeugung der Energieträger (Strom, Kerosin, Benzin, Diesel) anfallen.

 

 

Wie haben wir die Daten für die Panorama-Reportage berechnet?

Mit den Werten aus den oben stehenden Tabellen haben wir den CO2-Ausstoß für die Reportage in DAV-Panorama wie folgt berechnet:

 

* Mit Bahn und Bus zum Untersberg:

- 333 km Bahn (im Nahverkehr 77,9 g CO2/km pro Person) -> 25,94 kg CO2

- 18 km Regionalbus (75 g CO2/km pro Person) -> 1,35 kg CO2

-> gesamt: 27,29 kg CO2 pro Person

jeder Mitfahrer verbraucht gleichviel. Wenn die Bahn besser ausgelastet wäre, würde sich die Emission verringern.

 

* Mit dem Auto in die Dolomiten:

- 603 km, realer Verbrauch 32,2 Liter Normalbenzin -> 88,5 kg CO2 für zwei Personen

-> pro Person 44,25 kg CO2 (entspricht 73 g CO2/km pro Person)

 

* Mit dem Camper ins Karwendel:

- 213 km, realer Verbrauch 18,3 Liter Diesel -> 59,64 kg CO2 für zwei Personen

-> pro Person 29,82 kg CO2 (entspricht 140 g CO2/km pro Person)

 

 

Was gehört sonst zu Ihrem ökologischen Fußabdruck?

Weitere CO2-Quellen auf Ihren Bergtouren sind

  • Ver- und Entsorgung des Fahrzeugs
  • Herstellung, Pflege und Entsorgung von Ausrüstung
  • Bau, Betrieb und Unterhalt von Infrastruktur (Straßen, Hütten, Bahnen)
  • Verpflegung

 

Dazu arbeitet der DAV (Projektstelle „Klimafreundlicher Bergsport“) derzeit daran, belastbare und praxisgerechte CO2-Verbrauchsdaten zu sammeln. Sie sollen mittelfristig im Web verfügbar gemacht werden, und auch DAV Panorama wird darüber berichten.

 

Auch in Ihrem Alltag gibt es die bereits oben erwähnten Faktoren, die Ihren CO2-Fußabdruck mit bestimmen. Wenn Sie Ihre persönliche Klimabilanz selbst berechnen oder in Relation zum deutschen Durchschnittsverbrauch setzen möchten, können Sie dies mit diversen frei und kostenlos verfügbaren, web-basierten CO2-Rechnern tun. Die Webseite www.klimaktiv.de bietet einen verlässlichen, weit verbreiteten und sehr empfehlenswerten CO2-Rechner und darüber hinaus weiterführende Informationen zum Thema Klimaschutz. Die Anwendung ist selbsterklärend und unterstützt die Auflistung aller treibhausgasrelevanten Materialflüsse und Faktoren eines Jahres.

 

 

Wie können Sie Ihren Fußabdruck verkleinern?

Das Ergebnis eines solchen CO2-Rechners, Ihre persönliche CO2-Bilanz, hilft Ihnen, die eigenen Ressourcenverbräuche zu verstehen und Bereiche auszumachen, in denen Sie Ressourcen zukünftig sparsamer nutzen können. Hier ein paar Anregungen zur Verringerung Ihres Fußabdrucks:

 

  • Heizung (beinflussbar durch Dämmung, Heiztechnik und -stoff, optimale Lüftung, etc.)
  • Strom (beeinflussbar durch Verbraucher-Effizienz, Abschalten, Öko-Stromversorger)
  • Alltags- und Freizeitmobilität (beeinflussbar durch Mobilitätsbedarf und Verkehrsmittelwahl)
  • Ernährung (beeinflussbar durch Reduktion des Fleischkonsums, Kauf regionaler und saisonaler Produkte)
  • Konsum (beeinflussbar durch Bedürfnismanagement, Hinterfragen von Kauf- und Tauschverhalten)
  • öffentliche Emissionen (beeinflussbar langfristig durch Wahlen)

 

Insbesondere in den Bereichen Energie, Mobilität, Ernährung und Konsum wirken sich Veränderungen direkt auf den eigenen Fußabdruck aus. Und nicht immer ist dies mit einem Kostenmehraufwand verbunden. Ist dies, z.B. bei der Wärmedämmung des Hauses oder der Erneuerung der Heiztechnologie (Brennwertkessel, Heizpumpen), der Fall, bedenken Sie einfach: Alles was Sie sparen, kommt entweder direkt oder nach Amortisation der Investitionskosten auch Ihrem Geldbeutel zu Gute – ganz zu schweigen von der Umweltschonung für uns und die nachfolgenden Generationen.

 

Auch den Fußabdruck Ihrer Bergsportaktivitäten – wenn Sie nicht ganz darauf verzichten wollen - können Sie zum Beispiel an folgenden Punkten reduzieren:

 

  • Eine Mehrtagestour statt mehrerer Tagestouren
  • Tagestouren in nahe gelegene Regionen
  • Anreise mit der Bahn planen (besonders empfehlenswert bei Überschreitungen)
  • PKW besser auslasten: Mitfahrer oder Mitfahrgelegenheiten suchen
  • PKW-Kauf nach CO2-Emission auswählen: reicht vielleicht ein kleines, sparsames Modell?
  • PKW sparsam fahren: Organisationen wie der ADAC bieten Kurse zu kraftstoffsparender Fahrweise. Tipps kann man sich auch beim VCD holen. Ein Tempolimit von 120 km/h auf der Autobahn würde den Verbrauch bzw. CO2-Ausstoß beispielsweise um 9% reduzieren. Das Abschalten der Klimaanlage, wenn sie nicht nötig ist, macht im Stadtverkehr bis zu 1,8 Liter auf 100 km aus. Das sind, je nach Kraftstoff, umgerechnet 50-59 g CO2 pro km.
  • Konsumverhalten hinterfragen: Brauche ich die schicke neue Daunen- oder Primaloft-Jacke wirklich?

 

 

Was tut der DAV für den Klimaschutz?

In der Projektstelle „Klimafreundlicher Bergsport“ werden die DAV-Klimaschutz-Aktivitäten gebündelt und gefördert. Dazu gehören auch Publikationen wie dieser Beitrag hier. Wenn Sie sich dafür interessieren, was der DAV im Bereich Klimaschutz sonst noch alles macht, finden Sie hier nähere Informationen.