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Auf Langlaufski über den französischen Jura

Was tun, wenn die Mountainbikesaison vorbei ist? - Ein Bike-Guide schnallt die Rennskater an und flitzt auf schmalen Latten in 6 Etappen 180 Kilometer weit über den tief verschneiten Jura-Grenzkamm. Ein Bericht in Bildern und Infos.

Text und Fotos von Traian Grigorian

 

Die große Jura-Durchquerung ist ein echtes Abenteuer. Zumal im Winter. Der Jura, ein Mittelsgebirgszug zieht sich entlang der französisch-schweizerischen Grenze über 200 Kilometer von Basel bis Genf. Bekannt für abundante Schneemassen und eisige Temperaturen, zeigt er sich winters gerne von seiner sibirischen Seite. Eine schneidende Bise von vorn, der Schneekristalle wie eisige Nadeln auf die Haut trommelt. Wenig touristische Infrastruktur, viel Einsamkeit.

 

Am Anfang war ein Gedanke. Was im Sommer als Alpenüberquerung mit dem Bike möglich ist, sollte doch auch im Winter mit den Skiern machbar sein: Ein Gebirge aus eigener Kraft zu überqueren. Leichter gesagt als getan, denn zusammenhängende Skispuren gibt es nicht so häufig. Fündig wird man eher in Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald, dem Bayerischen Wald und dem Jura.

 

"Grande Traversée du Jura", GTJ, heißt das ausgearbeitete Angebot an sportliche Naturliebhaber. Den gesamten Jurabogen bezwingen, im Sommer zu Fuß, zu Rad oder zu Pferd und im Winter auf Langlaufskiern oder Schneeschuhen, das sind die Grundparameter. Je nach ausgewählter Sportart zwischen 180 und 400 Kilometer lang, ist das eine bis zu mehrere Wochen fordernde Aufgabe. Die Loipen ziehen sich dabei auf französischer Seite von der Freigrafschaft bis ins Ain, auf Schweizer Seite kommen zwischen den Aussichtsbalkonen des Neuenburger Landes und Genf nochmal 160 Kilometer hinzu. Wer wollte, könnte auf der einen Seite gen Süden laufen und auf der anderen Seite der Grenze zurück.

 

Wer aber glaubt, er brauche nur den Buchungsscheck unterschreiben und sich ins gemachte Pauschalbett zu strecken, irrt. Die Unternehmung erfordert einiges an Planungsaufwand. Die Marketingorganisation des GTJ offeriert zwar über Broschüren und einen informativen Internetauftritt alle nötigen Voraussetzungen, aber Vorbereitung und Umsetzung der Durchquerung muss jeder Tourist selbst leisten. Da empfehlen sich ein wenig Kenntnisse des Französischen, damit Unterkünfte, Gepäcktransporte und Rücktransfers auch klappen. In unserem Fall eine ganz besondere Herausforderung, denn wir wollten die Mehrtagestour in der sportlichen Skating-Technik ohne störendes Gepäck unternehmen. Das bedeutet nicht nur für jeden Abend eine Unterkunft zu finden, die bereit ist, einen auch nur für eine Nacht aufzunehmen, sondern auch jemanden, der einem die Taschen mit der Wechselwäsche zur nächsten Etappenstation fährt. Aber dank der großen Hilfsbereitschaft der bodenständigen Menschen im Jura ist auch das lösbar. Immerhin eine Sorge hat man unterwegs nie: Hungern muss man nicht. Die deftige, stark an den regionalen Käsereierzeugnissen orientierte Küche füllt leere Kalorienspeicher jederzeit mühelos wieder auf.

 

 

Infos zur GTJ - Grande Traversée du Jura

 

Internet: www.gtj.asso.fr

Start: in der Nähe von Morteau (Doubs), Ziel: Giron (Ain)

Strecke: 180 Kilometer durchgängig gespurte und beschilderte Langlaufstrecke.

Die Strecke kann sowohl in der klassischen, als auch in der Skating-Lauftechnik bewältigt werden. Skater finden nicht überall bestens präparierte Loipen vor. In den Verbindungspartien zwischen einzelnen Loipenzentren können Beeinträchtigungen auftreten, wenn nicht nachgespurt wird.

Wir haben die Strecke in 6 etwa 30 km lange Etappen eingeteilt. Bei guten Bedingungen ist diese Entfernung kein Problem, nach größeren Neuschneemengen hingegen kann das recht anstrengend werden, wenn die Loipenspurgeräte ihrer Aufgabe nicht rechtzeitig nachkommen. Auch sind die Höhenunterschiede nicht zu vernachlässigen. Der Jura ist recht hügelig, so dass zur Entfernung auch ein Höhenunterschied von bis zu 500 Metern pro Tag hinzukommen kann.

Immer Anfang Februar findet mit der "Transjurassienne" ein 76 km langes Langlaufrennen der "Worldloppet"-Rennserie auf einem Abschnitt der GTJ statt. Die Loipen sind in diesen Tagen hervorragend gespurt, andererseits ist man nicht mehr alleine unterwegs.

Unterkünfte müssen selbstständig und einzeln telefonisch oder per Email angefragt und gebucht werden. Es gibt keine Reservierungszentrale.

Gepäcktransporte, Transfers, Shuttles müssen über lokale Taxiunternehmen gebucht werden oder werden von Hoteliers durchgeführt.

 

Der komplette Artikel erscheint in Panorama Ausgabe 6/2014