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Funktionskleidung imprägnieren – eine Wissenschaft für sich?

Nachgefragt bei Vaude

Verschiedenste Membrane und Imprägnierungen sorgen dafür, dass wir heute bei so gut wie jedem Wetter draußen sporteln können. Egal ob Hardshell, Softshell, ob Regenjacke oder Fahrradhose – fast alle Funktionskleidungsstücke kommen bereits „ab Werk“ mit einer sogenannten DWR-Imprägnierung (durable water repellent = wasserabweisend, nicht wasserdicht).

Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem die Jacke durch häufiges Tragen nicht nur etwas „unansehnlich“ wird; sondern man sich auch fragt, wann wohl die Imprägnierung nachlassen wird? Oder man sogar schon spürt, dass die Jacke nicht mehr so wasserabweisend ist. Dann ist nicht die Membran kaputt, sondern der Abperleffekt lässt nach – das, was die Imprägnierung ausmacht. Passiert durch häufiges Tragen, Schmutz und Waschen ohne Nachimprägnierung.

 

Wir wollten wissen, wie wir es in Zukunft besser machen können und haben bei Bettina Roth, Leiterin Qualitätsmanagement bei Vaude, nachgefragt. 

 

DAV: Grundsätzliche Frage vorab: Warum muss ich Funktionskleidung eigentlich extra imprägnieren?

Bettina Roth: Grundsätzlich ist natürlich die Membran für die Wasserdichtigkeit und die Atmungsaktivität zuständig. Jedoch wird das Obermaterial zusätzlich mit einer wasserabweisenden Ausrüstung (Imprägnierung, z.B. Eco Finish) versehen, so dass das Wasser abperlt und sich das Material nicht vollsaugt. Dies ist zum einen ein Komfortthema, denn eine vollgesaugte Jacke, die zwar wasserdicht aber klatschnass und schwer ist, trägt sich nicht angenehm. Zum anderen hat es aber auch Einfluss auf die Funktion der Membran, denn wenn außen eine geschlossene Wasserschicht an der Membran anliegt, dann ist die Atmungsaktivität nicht mehr gegeben und man fängt in der Jacke oder Hose an zu schwitzen. Leider lässt diese Imprägnierung je nach Gebrauch und Nutzung mit der Zeit nach und muss aufgefrischt werden.

 

Wann merke ich, dass ich ein Funktionsteil nachimprägnieren muss? Subjektives Empfinden und/oder das nachlassende Abperlen?

Wenn der Oberstoff Deiner Jacke oder Hose beginnt, sich mit Regenwasser vollzusaugen, solltest Du sie waschen und ihr bei niedriger Temperatur ein paar Minuten im Trockner gönnen. Damit sorgst Du dafür, dass der Abperleffekt wiederhergestellt wird. Wenn das nicht hilft, musst Du Dein Produkt re-imprägnieren

 

Wie gehe ich beim Waschen am besten vor, um die Funktionalität meiner Outdoorteile zu erhalten?

Zuallererst sind die Waschempfehlungen der Hersteller zu beachten. Wir empfehlen eine Wäsche bei niedrigen Temperaturen (30°C) im Schongang mit einem Flüssigwaschmittel (z.B. Nikwax Techwash). Kein Weichspüler! Wenn Du das Gefühl hast, dass der Abperleffekt nachlässt, hilft es, das Kleidungsstück für 30 bis 50 Minuten bei niedriger Temperatur in den Trockner zu geben. Dadurch kann eine „schwächelnde“ Wasserabweisung wieder reaktiviert werden.

 

Nachdem die Jacke trocken ist, kannst Du durch den Abperltest prüfen, ob das Kleidungsstück nachimprägniert werden muss. Dazu das Kleidungstück einfach mit einer Wassersprühflasche ansprühen. Die Wassertropfen sollten leicht abperlen.

 

Perlt das Wasser nicht ab, sondern verschwindet das Wasser im Material, dann muss nachimprägniert werden. Sinnvoll sind Spray-On Lösungen wie z.B. das TX-Direct Spray von Nikwax. Mit dem Spray-on die Außenseite Deines Kleidungsstückes gleichmäßig einsprühen, so kann die Innenseite weiterhin Feuchtigkeit aufnehmen und nach außen abgeben.

 

Kann ich beides in einem Waschgang erledigen? Reinigen und Imprägnieren? Und welchen Effekt hat das dann auf die Atmungsaktivität der Innenseite?

Um eine bestmögliche Funktion sicherzustellen, empfehlen wir eine separate Wäsche, um allen Schmutz und Schweiß zu entfernen und danach das saubere Kleidungsstück zu re-imprägnieren. Denn unsere Tests zeigen leider, dass je nach Imprägniermittel der Feuchtigkeitstransport von innen nach außen gestört sein kann und somit die Funktion nicht mehr gegeben ist. Daher darf auch auf keinen Fall Weichspüler eingesetzt werden, dieser setzt die Mikroporen der Membranen zu und es kann kein Feuchtigkeitsaustausch mehr stattfinden.

 

Neben Sprays gibt es auch Imprägnierung zum Einbügeln oder Einwaschen. Was ist damit?

Es gibt viele Arten von Imprägnierungen, von Wash-Ins über Sprays bis hin zu Wachsen zum Aufbügeln. Ich würde mich hier immer an die Empfehlung der Hersteller halten, denn diese haben dann die Eignung für das entsprechende Material getestet. Wichtig ist nur auf umweltfreundliche und PFC-freie Produkte zu achten.

 

PFC-frei bedeutet gleich umweltfreundlich? Oder gibt es weitere schädliche Inhaltsstoffe?

Insbesondere PFCs sind extrem umwelt- und gesundheitsschädlich. Imprägniermittel können aber noch weitere schädliche Stoffe beinhalten, wie Pestizide, Insektizide, Silikonöle und Weichmacher. Auch diese gilt es zu meiden.

 

Vaude bietet einen Wasch- und Imprägnierservice an: Was ist der Vorteil, wenn ich das theoretisch auch zu Hause machen kann?

Eine professionelle Imprägnierung hat den Vorteil, dass speziell entwickelte Maschinen zum Einsatz kommen und je nach Verschmutzungsgrad und Zustand der Textilie eine optimal auf das Textilgewicht ausgerechnete Menge an Wasch- und Imprägniermittel verwendet wird. Das kann man zu Hause mit der Haushaltswaschmaschine nicht so genau darstellen. Unser Partner Meyer und Kuhl bietet diesen Service für alle Marken und viele Produkte an.

 

Bettina Roth leitet bei Vaude die Bereiche Qualitätsmanagement & CSR Lieferkette.

Wir bedanken uns für das Interview und die hilfreichen Informationen.

 

Viele weitere Infos und Anleitungen zur Pflege eurer Outdoorbekleidung gibt es auch im Hilfebereich von Vaude.

 

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