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V. Borkmann, S. Rief, S. Strunck: Der Alpentourismus der Zukunft

Sachbuch

04.03.2019, 11:35 Uhr

Alpenhotelvisionen 2030: Szenarien für eine künftige Alpenvermarktung aus dem Tourismuslabor. Mehr Chichi statt Ski, mehr Individualität statt Interrrail-Mentalität?

Wenn die Bank für Tirol und die Explorer Hotels Entwicklungs GmbH eine Studie in Auftrag geben, dann stellen verständlicherweise Hotelkonzepte das Ergebnis der Untersuchung dar, nicht Zeltplätze. Es bringt aber nichts, solche Partnerschaften zu bejammern. Vielmehr sollten sie und ihre Resultate kritisch zur Kenntnis genommen werden.

 

In den vorgestellten Szenarien ist glücklicherweise nicht von berggroßen neuen Hotelkomplexen die Rede. Die neuen Hotels heißen "Y", offenbar in Anlehnung an die Zielgruppe, die Generation Y, das bezeichnet die Geburtsjahrgänge 1980 bis 2000, aber auch Menschen, die den Begriff "offline" mit "scheintot" gleichsetzen.

 

Agile Alps: Kalkgipfel und Kare als Kulissen

Die Szenario-Hotels heißen etwa Alpen-Matrix Y, Alpenauszeit Y oder Alpenextra Y. Verkürzt ausgedrückt gibt es in ihnen mehr Persönlichkeits-Fitness, mehr Fun, mehr Feuer, mehr Freunde oder mehr Familie – aber jeweils spezialisiert auf eine der Zielgruppen. Das lässt einerseits aufhorchen und ist gar nicht so weit entfernt von Werner Bätzings Forderungen in seiner Streitschrift "Zwischen Wildnis und Freizeitpark" (2015). Andererseits bleibt bei diesen New-Age-Hotelvorschlägen für deren Gäste eben kaum etwas offen, unkalkuliert oder wirklich gefährlich. Ein Ausschlusskriterium für das ebenfalls postulierte authentische Erlebnis?

 

Ob diese Szenarien nun faszinieren oder beängstigen, unrealistisch sind sie nicht. Vor 20 Jahren war es undenkbar, dass Bergsteiger vor ihrer Tour drei Wetterportale befragen und vier Routenportale oder dass sie die Hangsteilheit in einer Onlinekarte auf ihrem Jackentaschen-Bildschirm angezeigt erhalten.

 

Im Talnebel verborgen bleibt bei den formulierten Szenarien jedoch: Gehen die überspannten Städter – sie werden in der Studie vor allem angesprochen – nun in die Berge, um endlich kein WLAN und keinen Mobilfunkempfang mehr zu haben? Oder möchten sie ihr Erlebnis gerade mittels dieser Techniken so intensiv, variabel und individuell wie möglich gestalten? Außerdem werden fünf Tage Yoga bereits als "Auszeit" bezeichnet. Dass die für häufigere und kürzere Urlaube notwendigen Transporte genau jene Kulisse zerstören, die gleichzeitig vermarktet wird, floss in die Überlegungen nicht ein.

 

Tatsächlich gehört auch die Übernachtung im Zelt zu einem der vorgestellten Hotelkonzepte. Doch es wirkt an dieser Stelle attraktiv inszeniert, etwas aseptisch und arm an Überraschungen.

 

Kurzcheck

Botschaft
Anstoß zum Nachdenken
Info

Info

Besonders geeignet für … Tourismusinteressierte, einerlei, ob nun von der angesprochen Vision abgestoßen oder begeistert.

 

Link zum Verlag

 

Vanessa Borkmann, Stefan Rief, Stefan Strunck: Der Alpentourismus der Zukunft. Trends - Ideen - Chancen. Haymon-Verlag, 2016, 143 S., € 39,00

 

ISBN: 978-3-709-97267-0

David Wallace-Wells: Die unbewohnbare Erde

Sachbuch

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"Armageddon kommt, oder ist in vollem Gange…" Akribisch recherchiert und drastisch geschildert macht dieses Buch klar, warum es täglich höhere Zeit wird, endlich weltweit und energisch gegen den Klimawandel aktiv zu werden. "Es ist schlimmer, viel schlimmer, als Sie denken."   David Wallace-Wells, stellvertretender Chefredakteur des New York Magazine, erreichte 2017 mit einer Titelgeschichte über die Folgen des Klimawandels Millionen Leser. Denn er scheut sich nicht, nach gründlicher Recherche die Fakten schonungslos zu präsentieren und dafür markige Worte zu wählen, wie etwa, wir seien "eine Zivilisation, die sich in eine selbstmörderische Gaswolke hüllt, ähnlich einem laufenden Motor in einer verschlossenen Garage."   In diesem Buch breitet er seine Erkenntnisse ausführlicher aus, mit fast 700 Fußnoten geradezu wissenschaftlich exakt dokumentiert. Er belegt die "Elemente des Chaos", die verschiedenen Auswirkungen der Klimakatastrophe: Hitze, Hunger, Ertrinken, Flächenbrand, Wassermangel, sterbende Meere, Seuchen und ähnliches – eine apokalyptisch-bedrohliche Auflistung. Man mag ihm vorwerfen, dass in der Anhäufung von Zahlen und journalistisch geschilderten Schicksalen der Gesamtzusammenhang verlorenzugehen droht. Wenn sein Ziel ist, seine Leser spüren zu lassen, wie vielfältig, umfassend und massiv die Konsequenzen unseres Verhaltens sein werden, erreicht er es gerade dadurch. 

Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit

Sachbuch

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"Die Welt ist mir stumm und taub." Depression und Burnout, die Seelenkrankheiten unserer Zeit, drohen ausgerechnet dann, wenn alles erreichbar, beherrschbar, nutzbar ist. Unverfügbarkeit ist der Schlüssel zu heilsamer "Resonanz" – diese These entfaltet der Soziologe Hartmut Rosa in diesem Buch. "Unablässig versucht der moderne Mensch, die Welt in Reichweite zu bringen: Dabei droht sie uns jedoch stumm und fremd zu werden: Lebendigkeit entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverfügten." Hartmut Rosa ist einer der inspirierendsten Denker unserer Zeit. Sein Konzept der "Resonanz", des Einswerdens mit einem größeren Ganzen, ist ein heilsames Gegenmodell zum "immer mehr" der Wachstumsgesellschaft.   In diesem "Versuch", wie er das dünne, aber mit Ideen vollgepackte Taschenbuch nennt, analysiert er eine weitere Kehrseite unserer kapitalistischen Gesellschaft: ihre aggressive Grundhaltung zur Welt. "Alles, was erscheint, muss gewusst, beherrscht, erobert, nutzbar gemacht werden." Der Körper muss optimiert funktionieren, die Karriere muss passen, selbst Freizeit und Liebe werden (oft digital) gesteuert, kontrolliert und maximiert. Als Maxime der Wachstumsgesellschaft führt dieser Drang der "Verfügbarmachung" zu den Bedrohungen und Katastrophen, denen wir uns derzeit gegenübersehen.   Den Prozess des Verfügbarmachens unterteilt Rosa in vier "Dimensionen", man könnte auch Schritte sagen: sichtbar machen – zugänglich machen – beherrschbar machen – nutzbar machen. Ziel dieser ständigen Umwandlung von Dingen und Wissen in Mittel zum Zweck sei eine ständig zu steigernde "Weltreichweite". Doch dieses Programm mache uns nicht glücklich, formuliert er dann als Hauptthese – im Gegenteil: "Die … verfügbar gemachte Welt scheint sich uns auf geheimnisvolle Weise zu entziehen und zu versperren … erweist sich als bedroht und bedrohlich gleichermaßen." Frustration und Daseinsangst seien Folgen dieses "Weltverlustes". 

Manfred Folkers, Niko Paech: All you need is less

Sachbuch

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Eine Kultur des „Genug“ – das bedeutet nicht Verzicht, sondern Gewinn an Entspanntheit und Lebensqualität. Und eine Überlebenschance für die überheizte Menschheit. Ein Buddhist und ein Ökonomieprofessor beleuchten diese Vision aus zwei Perspektiven. „Es entspräche einem überfälligen Verständnis von Gerechtigkeit, nicht die Armen durch eine ökologisch ruinöse Aufholjagd an die Reichen heranzuführen, sondern umgekehrt die Reichen auf ein verantwortbares Maß zurückzuführen.“ Niko Paech, Professor an der Uni Siegen, liebt provokante Formulierungen. Mit seiner „Postwachstumsökonomie“ hat er viele begeisterte Anhänger gefunden. Für sein neues Buch hat er sich mit dem Dharma-Lehrer Manfred Folkers zusammengetan – gemeinsam zeichnen sie eine Utopie, die nicht nur als Chance gegen die Klimakatastrophe zu verstehen ist, sondern vor allem als Hoffnung auf ein gelingendes Leben.   „Für Niko ist Suffizienz eine ökonomische Theorie der Genügsamkeit. Für mich besteht das praktische Ergebnis eines achtsamen Lebens in einer Kultur des Genug, die gekennzeichnet ist von Mitgefühl, Zufriedenheit, Integrität und Engagement. Auch in der Betonung der Wichtigkeit des einzelnen Menschen stimmen wir überein, ebenso in der Analyse, dass die Lage der Menschheit brisant ist.“ So skizziert Manfred Folkers in einem einleitenden, moderierten Gespräch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu seinem langjährigen Freund und Weggefährten. In seinem Beitrag zum Buch macht er klar, dass es ihm vor allem um den Menschen geht – der natürlich in einer überlebensfähigen Welt stehen sollte. „Die Suche nach behutsamen Formen des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Miteinanders sollte allerdings nicht aus Furcht vor dem Crash, sondern aus der Attraktivität der neuen Perspektive entstehen.“ Die Haltung „genug“ drückt für ihn kein Nein aus, sondern ein Ja.   Folkers verweist auf die „Drei Wege zum Leiden“, die Buddha umschrieben habe mit den Begriffen Gier, Hass und Täuschung. In unserer kapitalistisch-konkurrenzbasierten Wirtschaft findet er diese Phänomene wieder als Wachstum, Wettbewerb und Folgenleugnung. Gegen diese „drei Peitschen des Mehrungssystems“ skizziert er seine Strategien.   Gier macht nicht glücklich, sondern hält gefangen im Hamsterrad des immer-mehr-Wollens. Eine Haltung des „genug“ befreit von diesen gesellschaftlichen Zwängen; der Weg dazu ist vor allem Suffizienz. Konkurrenz sieht den Mitmenschen als Gegner und verhindert Gemeinschaft. Wer in grundsätzlicher Zufriedenheit mit seiner Situation leben kann, hat die Chance, durch Kooperation in Solidarität und Toleranz gute Beziehungen mit seinen Mitmenschen zu genießen. Verblendung entsteht durch Werbung und medialen Druck und entfremdet den Menschen von seinen eigenen Bedürfnissen; durch Achtsamkeit dagegen könne man ein gutes Leben in Bewusstheit und Integrität erreichen.   Für den Weg zum Glück benannte Buddha vier wertvolle Eigenschaften: liebende Güte, Mitgefühl, Freude und Gleichmut. Sie helfen zu einer „persönlichen Balance des Strebens nach Glück und der Einsicht, Teil des Ganzen zu sein“. Und daraus ergibt sich die Antwort auf die Frage nach der Suffizienz: Wer ein „genug“ findet, befreit sich aus Druck und Getriebenheit. 

Marcel Hänggi, Null Öl. Null Gas. Null Kohle

Sachbuch

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Um menschliches Überleben langfristig möglich zu halten, müssen die Staaten das 1,5-Grad-Klimaziel von Paris zu erreichen. Dieses Buch erklärt, warum das so ist, und wie ein politischer Weg dorthin aussehen könnte – den der Autor selber zu bahnen versucht. Viele reden vom Klimawandel (wenn Corona nicht wäre), aber wer tut wirklich etwas ausreichend Wirksames dagegen? Der Schweizer Journalist Marcel Hänggi hat sich engagiert – obwohl er damit gegen den journalistische Leitsatz verstößt, ein Journalist solle sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Mit einer einleuchtenden Begründung: „Um es pathetisch zu sagen: Wenn die Sache die Rettung der Welt ist, will ich mich mit dieser Sache nicht nicht gemein machen.“   Sein Weg ist ein Volksbegehren, für das er in der Schweiz bis Anfang 2020 schon über 110.000 Stimmen gesammelt hatte. Die Forderung: Ab 2050 wird in der Schweiz kein fossiler Kohlenstoff mehr in Verkehr gebracht, null Öl, null Gas, null Kohle verbrannt. Der Weg zu diesem Ziel ist nicht festgelegt, da haben Forschung, Technik und Sozialwesen freie Hand für kreative Lösungen. Zur Vermeidung extremer wirtschaftlicher Nachteile sollen Ausgleichsmaßnahmen bestehen.   Weltfremd? Übertrieben? Unzumutbar? Hänggi argumentiert bestens recherchiert und dokumentiert, mit vielen Fußnoten und langem Literaturverzeichnis. Und macht klar, dass die Forderung sogar noch als gemäßigt gelten könnte. Denn der WWF Schweiz hat ausgerechnet, dass die Schweiz schon bis 2038 von Öl, Gas und Kohle wegkommen müsste, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einhalten zu können. Was nichts anderes wäre, als ein völkerrechtlich verbindliches Versprechen einzuhalten.   Dass dies vielleicht nicht zur Rettung der Welt, aber zum Erhalt der menschlichen Zivilisation wie wir sie kennen, eine Mindestanforderung ist, stellt Hänggi im ersten Teil des Buches dar. Darin schildert er den Stand der Klimaforschung und die Konsequenzen von Nichtstun und Zögern. Interessant ist der Einblick in die Hintergründe: Wie etwa die Berichte des wissenschaftlichen Weltklimarates IPCC aus politischen Rücksichten sogar eher zurückhaltend formuliert wurden. Und welche politischen Machtspiele und Leugnungslobbys zu verhindern suchen, dass unsere globale Menschengemeinschaft auf einen Pfad einschwenkt, der ihr gutes Weiterleben ermöglichen würde. 

Michael Kopatz: Schluss mit der Ökomoral

Sachbuch

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Wenn die richtige Entscheidung die leichtere ist – dann öffnen sich Wege in eine enkeltaugliche Zukunft. Dieses Buch bietet dazu viele inspirierende Beispiele und macht klar: Nur politisches Engagement führt dorthin. „Arsch hoch! Du bist das Volk.“ Michael Kopatz hat keine Scheu vor klaren Worten. Der promovierte Politikwissenschaftler und Projektleiter am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie ist überzeugt: „Unpolitische Ökos werden die Welt nicht retten.“ Viele Menschen wissen, wie sie sich besser verhalten könnten/sollten, um die Menschheit vor der selbstverursachten Klimakatastrophe zu retten. Viele wären sogar bereit, es zu tun. Doch „bei sich selbst anfangen, das möchten nur wenige“. Deshalb hält er politisches Engagement für wichtiger als privaten Konsumverzicht; es gehe darum, „die Verhältnisse zu ändern, nicht das Verhalten“.   Ziel dieser Veränderung ist sein politisches Konzept der „Ökoroutine“ – in seinen Worten: „Öko wird erst dann zum Normalfall, zur Routine, wenn sich die Strukturen ändern und sich nachhaltiges Verhalten besser anfühlt, cleverer.“ Wenn etwa Städte so umgebaut werden, dass man mit Fahrrad und Bus+Bahn besser, effizienter und angenehmer zurechtkommt als mit dem Auto: dann kann sich das durchsetzen – und die zunehmende Zahl von Radfahrern bestärkt die Politiker in ihren Entscheidungen.   Kopatz‘ Ökoroutine funktioniert über Standards und Limits. Standards müssen angehoben werden: transparent kommuniziert und in einem realistischen Zeitraum. Dazu gehören auch Beschränkungen etwa für Gifteinsatz in der Landwirtschaft oder Treibhausgas-Emissionen. Und es braucht Limits: etwa keine zusätzlichen Lizenzen für Flüge, Einfrieren auf Status Quo. Oder kein weiterer Straßenausbau, womöglich Umbau zugunsten von Rad und ÖV. Die Einschränkung unbegrenzter persönlicher Freiheit zum Wohle der Gemeinschaft ist Wesen und Aufgabe des Staates. Erfolgsbeispiele gibt es zuhauf: Hühnerhaltung, Katalysator, Standbyverluste von Elektrogeräten, Rauchverbot.   Nach der Vorstellung dieser Idee analysiert der Autor gesellschaftliche Strukturen, die enkeltaugliches Handeln behindern: etwa die von der Werbung getriebene Illusion, durch Konsum Anerkennung zu finden. Die „Erzählung“ von der „Macht des Verbrauchers“. Fake News und Lobbyismus. Oder den reflexhaften Verweis auf Arbeitsplätze – die aber theoretisch auch in sinnvolle Branchen verlagert werden könnten. So verdienen in der Braunkohleindustrie noch 20.000 Menschen ihren Lebensunterhalt, mit erneuerbaren Energien dagegen schon 360.000 – und trotzdem geht der Ausstieg so langsam? 

Christian Berg: Ist Nachhaltigkeit utopisch?

Sachbuch

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„Ein Leben im Einklang von Mensch und Natur“ – ist das fromme Märchenlyrik oder eine Vision, die wir zu Realität machen könnten? Dieses Buch zeigt auf, welche Barrieren der Utopie Nachhaltigkeit im Weg stehen, und mit welchen Handlungsprinzipien wir sie überwinden könnten. Der erste Bericht an den Club of Rome, „Die Grenzen des Wachstums“, war 1972 ein Weltbestseller: Über 12 Millionen Exemplare in über 30 Sprachen wurden verkauft. Das Buch stellte klar, dass auf dem begrenzten System Erde kein unbegrenztes Wachstum möglich ist (was viele Betriebswirtschaftler bis heute nicht kapiert haben) und kündigte an, dass die Menschheit die Grenzen des Planeten zwischen 2000 und 2100 überschreiten würde. Daraus entwickelte sich die politische Vision der „Nachhaltigkeit“, also nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als im gleichen Zeitraum neu entstehen. Der Begriff wird heute oft wahllos missbraucht zur Schönfärbung von Greenwashing und oberflächlichen Maßnahmen. Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen von 2016 wirklich weltweit umzusetzen, ist dagegen die große Aufgabe der Menschheit, gerade im Blick auf die Klimakatastrophe und daraus entstehende Kriege. Dieses Buch – ein neuer „Bericht an den Club of Rome“ – will zeigen, wie die Aufgabe gelingen könnte. Damit eine Weltordnung, die auch unseren Enkeln ein gutes Leben erlaubt, nicht Utopie bleibt, sondern Möglichkeit wird.     Der Autor Christian Berg ist Professor für Nachhaltigkeit an der TU Clausthal und Präsidiumsmitglied im deutschen Club of Rome. In einem nach seinen Worten nie dagewesenen Ansatz bringt er Sichtweisen aus vielen Wissenschaftsfeldern zusammen für einen ganzheitlichen Ansatz – mit dem Ziel, diese Transformation wirklich zu machen. Dabei geht er davon aus, dass es nicht reicht, zu wissen, was zu tun wäre (Energie sparen, regenerative Energien nutzen) – es fehle uns an Konzepten zur Umsetzung dieser Erkenntnis; an Wegen in die neue Realität. Dazu sei ein Blick auf die systemischen Strukturen nötig, die oft Barrieren für den Übergang in ein Zeitalter der Nachhaltigkeit darstellen. Mit diesen befasst er sich in der ersten Hälfte des Buches. Denn Hindernisse (oder Widersprüche zwischen den „17 Nachhaltigkeitszielen“) sind leichter zu beschreiben als Lösungen. Zu diesen Barrieren, die nachhaltigem Handeln im Weg stehen, gehören "intrisische", also menschlich bedingte wie Verständnismangel, Kluft zwischen Werten und Handeln, Egoismus und Populismus. Und "extrinsische", also institutionell oder systembedingte in Wirtschaft, Politik, Recht und Technik.