logo-dav-116x55px

Nicolas Lätt: Outdoor Kids

Ratgeber

04.09.2018, 13:48 Uhr

Wie wird man körperlich und mental fit für das soziale Überleben in einer Raubtier-Gesellschaft? Indem man als Kind aus „Abenteuern“ in der Natur Selbstbewusstsein entwickelt. Dieses Buch will und kann dazu Inspiration und Anleitung geben.

„Bushcraft und Abenteuer mit Kindern für jede Jahreszeit“ – der Untertitel des Buches klingt schon ein bisschen arg nach Event und Dollerei, nach professioneller Bespaßung auf Teufel komm raus und nach uns die Sintflut. Das Gegenteil ist richtig. „Was ist das Wichtigste, was Kinder für ihr Leben und ihre Zukunft lernen sollten? Probleme kreativ lösen zu können“ schreibt der Autor ziemlich zu Beginn des Buches, das er mit einem persönlichen Erlebnis beginnt: Als Lehrer war er mit seiner Schulklasse in einer Höhle, auf einen schwierigeren Abschnitt kam nur die Hälfte mit. Er war enttäuscht, doch der Guide sagte, das sei ein guter Wert; in den letzten zwanzig Jahren habe sich die Strecke, die Schulklassen in Höhlen gehen, halbiert. Die Ursachen dafür sieht der Autor in den elektronischen Medien und in der verplanten Freizeit; und daran schuld sei der „Förderwahn“ der Eltern – die Zeit zum freien Spielen fehle den Kindern.

 

„Kinder lernen am nachhaltigsten, wenn sie etwas selbst entdecken können und ihre Erfahrungen selber machen können – und wenn es ihnen Spaß macht. Beim Spiel in der Natur ist das wie bei keiner anderen Beschäftigung der Fall.“

 

Dies also ist das Credo des Autors, der als Lehrer, Erlebnispädagoge, Outdoorguide und vor allem als Vater von vier Söhnen viel Erfahrung damit hat, wie Kinder in der Natur etwas erleben und daran wachsen können. Gegliedert nach den vier Jahreszeiten, stellt er dafür eine Menge Ideen vor. Im Frühling beispielsweise Hüttenbau, Feuer machen, Baumklettern, Schnitzen oder Kanufahren. Im Sommer Bachbettwandern, Baden und Wandern. Für den Herbst Radeln, Biwakieren, Laubhüttenbau und Höhlenbegehung. Und im Winter übernachtet die Familie auf einer Berghütte, im Iglu oder in der Schneehöhle. Immer wieder berichtet er von Unternehmungen und Erfahrungen mit den vier Jungs, dann kommen praxisnahe Tipps zum Nachmachen.

 

Eigentlich ist das meiste ja nicht sehr kompliziert, und selber Ausprobieren und Rausfinden macht sowieso am meisten Spaß. Deshalb konzentrieren sich die Texte auf das, was man nicht so weiß oder kennt, was man gerne vergisst oder was schiefgehen kann. Wer weiß zum Beispiel (noch), wie man eine Weidenflöte schnitzt, einen Löffel ausbrennt oder eine Schneehöhle baut? Zusätzlich gibt es jede Menge kreative Ideen und gute Tipps: zum Beispiel nicht eine ganze Rolle Duct Tape (Reparaturklebeband) mitzunehmen, sondern einfach ein Stück davon um die Trinkflasche zu wickeln.

 

Mit Herz und Verstand in der Natur

Natürlich sind „Natur“ – soweit man in Mitteleuropa überhaupt so etwas findet – und „Draußen“ kein rechtsfreier Raum, und es gibt dort auch Gefahren. Deshalb klärt der Autor – nach einer motivierenden Einleitung – zu Beginn des Buchs einige „heikle“ Fragen. Ist draußen sein, Feuer machen und schlafen erlaubt? „Wenn Sie sich vernünftig verhalten, werden Sie kaum Probleme haben.“ Wieviel Ausrüstung ist nötig? Weniger ist mehr, und „vergessen Sie nicht, dass es um das Erlebnis geht und nicht darum, wer die teuerste Jacke trägt.“ Ist das nicht gefährlich? Kaum – wenn man selber die Situation im Griff hat; gut plant, offen erklärt und klare Grenzen setzt. Und die Kinder an Gefahren wachsen lässt:

 

„Wenn ich mit einer Schulklasse Holz schnitze, schneiden sich genau die Kinder, die zuhause kein Taschenmesser haben und nie gelernt haben, damit umzugehen. Kinder können nur lernen, mit Gefahren umzugehen, wenn sie sich Gefahren aussetzen dürfen.“ Ein Satz, der in seiner Banalität eigentlich allgemein bekannt sein sollte, aber dennoch von vielen Eltern nicht wirklich gelebt wird. Zu einigen tatsächlich kritischen Punkten (Erste Hilfe, Feuer machen, das „große Geschäft“, Zecken, Gewitter, Unterkühlung,…) gibt der Autor konkrete Tipps.

 

„Wenn Kinder regelmäßig mit einer Situation konfrontiert werden und man ihnen das Gefühl gibt, dass das alles normal ist, gewöhnen sie sich daran. Wichtig ist, dass man im Kleinen anfängt und die Kinder nicht überfordert.“ Das ist so ziemlich das Gegenteil von schnellebiger Event-Unkultur. Das ist echte Förderung von Kindern zu Menschen, die selbstbewusst mit „Abenteuern“ umzugehen gelernt haben, und mehr wert als ein Mandarin- oder HTML-Kurs im Vorschulalter. So wünscht man dem Autor Glück zu seinem Buch, das sich an Familien und Verwandte richtet, in der Hoffnung: „Mein größter Erfolg wäre es, wenn ich Sie dazu animieren könnte, mit den Kindern hinauszugehen und das eine oder andere Projekt aus diesem Buch selber umzusetzen.“

 

Kurzcheck

Anregung
Nutzwert
Fotos

Info

Besonders geeignet für … Menschen, die die Natur als partnerschaftliche Lehrmeisterin umarmen. 

 

Link zum Verlag

 

Nicolas Lätt: Outdoor Kids, AT Verlag 2018, 136 S., Euro 20,-

 

ISBN: 978-3-03800-080-8

Thaller/Schulz: Outdoor against Cancer

Ratgeber

Mehr erfahren
„Sport ist die beste Medizin.“ Ein banaler Satz? Nie war er so wichtig wie heute. Wie wertvoll Bewegung im Freien sein kann, um sogar mit der Diagnose „Krebs“ fertig zu werden, belegt dieses Buch – eine gelungene Mischung aus Emotion und Information. „Sport ist Mord – an vielen Krankheitsursachen“. Dieses Zitat des Krebsforschers Gerhard Uhlenbruck steht als Motto vor diesem Buch. Einem Buch, dem man eine große Leserschaft wünscht – nicht nur von akuten Krebspatienten. Denn Bewegung, zumal in der Natur, tut jedem Menschen gut. Und so banal dieser Satz klingt, so wichtig wäre ein Mehr an Bewegung in unserer zunehmend sitzenden Gesellschaft. Das ist die Hauptbotschaft dieses Buches, auch wenn es sehr konsequent auf das Thema Krebs fokussiert.   Es beginnt mit einer persönlichen Geschichte: derjenigen der Autorin Petra Thaller, die überraschend mit der Diagnose „Brustkrebs“ konfrontiert wurde. Ungeschminkt und in schlichten, aber eindringlichen Worten erzählt sie ihre Geschichte. Vergleicht die Zehn-Monats-Periode von Diagnose, Operation, Chemotherapien und Bestrahlungen mit ihren zwei Schwangerschaften. Schildert, wie regelmäßiger Sport mit der Familie ihrem Alltag Struktur und ihrer Seele Halt gegeben hat. Und wie parallel zur Therapie die Idee entstand, andere Menschen in ähnlicher Situation zu motivieren, selbst von Bewegung im Freien zu profitieren. Thaller gründete die Initiative „Outdoor against Cancer“; mittlerweile sind schon vierzig Trainer ausgebildet, die in vielen Orten Sportangebote für Krebspatienten organisieren.   In einem zweiten Teil liefert das Buch Wissen und Hintergründe: zur Biologie und Medizin von Krebs und zur Wirkung von Bewegung auf Körper und Seele. Ein Part, der von der Expertise des Kooautors Thorsten Schulz profitiert, Sportbiologe und Dozent an der TU München. Die komplexen Zusammenhänge sind verständlich aufgedröselt, und immer wieder gibt es praxisnahe und lebensgerechte Tipps, wie man auf dieser Basis den eigenen Alltag „gesünder“ gestalten kann. Denn, wie die Autoren klar sagen: „Wer sportlich aktiv ist, hat ein deutlich geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken; und wenn es einmal doch zur Diagnose kommt, ist der Sportler perfekt in Schuss für die bevorstehende Therapie.“ 

Ludwig Lau: Spirituelle Auszeit in den Bergen

Ratgeber

Mehr erfahren
„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ – die Grenzwelt zwischen Erde und Himmel lädt ein zu spirituellen Erfahrungen. Dieses sorgsam gemachte Büchlein gibt Anleitung dazu. „Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die Berge“ – wer kennt das Zitat nicht? Auch wenn Spötter ergänzen mögen „ein falscher Schritt genügt“: Tatsache ist, dass man sich auf Bergen dem Himmel ein gutes Stück näher fühlen kann, dass die Begegnung mit Weite und Natur die Seele öffnen kann und dass das Unterwegssein in den Bergen eine Fülle an Metaphern für den Weg durchs Leben bietet. Nicht zufällig haben kirchliche und private Anbieter Erfolg mit Bergexerzitien.