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Mark Zahel: 150 Ostalpen-Highlights

Führer Wandern/Bergsteigen

29.06.2017, 13:43 Uhr

So viel Berg fürs Geld muss ein Buch erstmal bieten: 150 Gipfel stellt Mark Zahel in diesem dicken Band vor – sogar noch einige mehr, weil er teilweise dem Trend zum Zweitberg folgt und oft noch Varianten nennt. Ein Werk fürs Leben.

Mark Zahl ist einer der produktivsten Bergbuchautoren der letzten Jahre. Dahinter steckt offensichtlich eine brennende Leidenschaft für die Erlebnisse in der steilen Welt. Wer so viel unterwegs ist, darf vielleicht tatsächlich den Versuch wagen, aus dem riesigen Gebiet der Ostalpen die prägnantesten, interessantesten oder lohnendsten Gipfelziele auszuwählen. Eine nahezu vermessene Aufgabe, mag man meinen; doch der Versuch ist gut gelungen. Zahels Auswahl darf man durchaus als repräsentativ bezeichnen: Die großen „Muss“-Gipfel sind dabei, aber auch ein paar Kleinode, die im Schatten stehen. Sie hätten vielleicht mehr Besuch verdient, dafür sind sie einsamer. Vor allem in den Südalpen gibt es da reiches Potenzial für Entdecker, was Namen wie Krn, Tamer Grande oder Monte Cadria belegen, aber auch Nordalpenziele wie Scheichenspitze oder Große Schlenkerspitze.

 

Vom Bergsteiger für Bergsteiger

Doch auch die großen Namen sind zu finden unter den jeweils 50 Gipfeln in den Nördlichen Kalkalpen, Zentralalpen und Südalpen: von der Zugspitze bis zum Ortler, von Piz Buin bis Triglav. Die Anstiegsbeschreibungen sind sorgsam recherchiert und mit Verantwortungsgefühl verfasst, die Infos klar und ordentlich präsentiert; Kartenskizzen bieten eine gute Übersicht, ein Tourensteckbrief fasst alles Wesentliche zusammen. Damit ist das Buch nicht nur zum Träumen geeignet; zumindest auf Gipfel mit markierten Wegen könnte man mit den Infos und einer ordentlichen Karte fast schon losziehen. Sehr interessant ist Zahels Eigenbau-Schwierigkeitsbewertung, die den Charakter der Tour (Wandern, Fels, Klettersteig, Eis) benennt und mit einer sechsteiligen Skala die Anforderungen beschreibt – das Konzept ist verblüffend gut gelungen und macht so unterschiedliche Touren wie Jubiläumsgrat und Hochgall vergleichbar. Allerdings stehen diese an der obersten Grenze der Empfehlungen; sehr viele Touren im Buch sind schon für erfahrene Bergwanderer geeignet.

 

Zahels Sprache ist oft lebendig, bildhaft-anschaulich und mit persönlichen Anekdoten gewürzt, manchmal aber auch holprig, steif und akademisch umständlich. Doch er liefert alle nötigen Informationen – und man muss erst mal so viel schreiben. Obwohl man das Gefühl hat: Bei der Begeisterung fürs Bergsteigen, die zwischen den Zeilen geradezu greifbar ist, hätte er wahrscheinlich zu jedem Gipfel noch viel mehr zu sagen gehabt. Zusammen mit den Fotos, die teils eher informativ, gelegentlich aber auch traumhaft-lockend sind, hat der Wälzer jedenfalls das Zeug zum alpinen Klassiker: Wer diese „150 Gipfel-Highlights der Ostalpen“ abgearbeitet hat, darf auf ein reiches Bergsteigerleben zurückblicken. ad

 

Kurzcheck

Info
Fotos
Nutzwert

Info

Besonders geeignet für… Gipfelsammler und Zipfelgammler

 

Mark Zahel: 150 Gipfel-Highlights der Ostalpen, Bruckmann Verlag, 2015, 480 Seiten, 29,99 Euro

 

Link zum Verlag: www.bruckmann.de/titel-4636-150_gipfel_highlights_der_ostalpen_0.html

 

ISBN: 9783765446368

Wanderführer zu fernen Zielen

Wanderführer

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Natürlich sind die Alpen so groß, dass man nie all ihre Wandermöglichkeiten erschöpfen kann. Doch fremde Länder locken, denn dort kann man neben neuen Bergen auch andere Menschen kennenlernen. So sind diese Führer auch immer ein bisschen Kultur-Ratgeber. Von Island bis Neuseeland reicht das geographische Spektrum dieser Reise- und Wanderführer. Zwei Bücher fallen besonders auf: Die „Toptrails Nordamerika“ und „Neuseeland Live“ haben größeres Format und mehr Umfang, das Neuseeland „ComboBook“ integriert zusätzliche Bilder, Videos und GPS-Dateien auf der mitgelieferten SD-Karte. Doch auch bei den anderen Führern sind GPS-Tracks meist downloadbar; im Buch findet man für die Planung Höhenprofile und Karten, die bei Rother dank der Höhenlinien informativer wirken.   Das Format der anderen Führer ist klein und handlich, sie passen gut ins Reisegepäck. Da es in weniger bekannte Regionen als in die Alpen geht, sind die Informationen zu Land und Leuten, Infrastruktur und Besonderheiten im vorderen Teil oft besonders umfangreich. Dann folgen manchmal viele, gelegentlich auch nur zwei, drei Dutzend Tourenbeschreibungen; das sollte aber immer für einen ersten Urlaub reichen – vielleicht sogar für einen zweiten, wenn man auf den Geschmack kommt. 

DAV (Hrsg.): Jubiläums-Tourenbuch

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Das gab’s noch nie: zum 150 Jubiläum des DAV stellen Ehrenamtliche aus seinen Sektionen Lieblingstouren aus ihrer Region oder ihren Arbeitsgebieten vor. Die ganze Vielfalt des Vereins auf 350 Seiten. „Der beste Beweis für die Vielfalt und für die Lebendigkeit des Bergsports im DAV ist dieses Buch“, schreibt der DAV-Präsident Josef Klenner im Vorwort des Buches. Und wo er Recht hat, hat er Recht: Im Jubiläumstourenbuch geht es hinauf auf Dreitausender in den Ötztaler Alpen und vorbei an den schroffen Wänden des Wilden Kaisers, aber auch durch die offene Landschaft der Nordheide, auf den aussichtsreichen Harz und hinab in die Fränkischen Höhlen. Ob gemütlicher Familienausflug, anspruchsvoller Klettersteig, Mehrtagestour, Klassiker oder Geheimtipp – für jeden Geschmack ist etwas dabei. 

Bücher fürs Unterwegssein

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„So weit die Füße tragen“ könnte man als Motto auswerfen für diese jüngeren Neuerscheinungen aus der Rubrik „Trekkingführer“. Mit kleinen Unterschieden in Systematik und Aufmachung, aber alle sorgfältig und mit Sinn fürs Detail gemacht. Ob Deutschland und Alpen, Mitteleuropa, Skandinavien oder jenseits des Großen Teichs: Wer sich auf solche Reisen einlässt, hat nachher sicher was zu erzählen.

Jung/Kriz: Schweiz 3000 drüber und drunter

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Die Schweiz hat – neben Röschti, Chäsfondüe und Müesli – nicht nur Viertausender. Auch eine Etage tiefer finden Wanderer und Bergsteiger jede Menge tolle Ziele. 70 der schönsten stellt dieser Führer vor. Ein Führer für „echte Bergsteiger“: gehobenes Wandern, auch mal leichtes Klettern, vielleicht einfaches Hochtourengelände – aber keine Gletscher oder sonstige Passagen, die Seilsicherung erfordern würden. Wer sich in alpinem Gelände und leichten Felspassagen souverän fühlt, findet hier etliche spannende Dreitausender (nur wenige Gipfel sind niedriger), die nicht auf der ersten Liste der „To Do“-Gipfel der Schweiz stehen und deshalb oft relativ einsame Bergerlebnisse versprechen – meist mit heimeliger Hütten-Übernachtung vorher. 

Adi Stocker: Bergtouren Lofer/Leogang

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Steiles, steiniges Gelände, große Höhenunterschiede und Gehstrecken, kaum Hütten – die Loferer und Leoganger Steinberge bieten keinen schnellen Konsumgenuss. Wer aber Einsamkeit und alpinen Anspruch liebt, wird mit diesem Führer viele lohnende Ziele entdecken. Die Loferer und Leoganger Steinberge gehören nicht zu den Paradezielen der Ostalpen; die Nachbarn Wilder Kaiser und Berchtesgadener stehlen ihnen die Schau. Kein Wunder, dass der vergriffene Alpenvereinsführer kein Aspirant für eine erfolgreiche Neuauflage war. Doch gemeinsam mit der DAV-Sektion Passau, die die beiden AV-Hütten in den zwei Bergstöcken betreibt, wagte der Insiderverlag Panico ein unternehmerisches Abenteuer: einen „Bergführer“ mit dem Kletter-Erschließer Adi Stocker. 

Alpenvereinsführer Berchtesgadener Alpen

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Was ein „echter Bergsteiger“ ist, der sucht sich seine Tourenziele selbständig raus: Mit der Alpenvereinskarte und dem Alpenvereinsführer. Für die Berchtesgadener Alpen ist das noch möglich. Manchmal erscheint er als Auslaufmodell, der klassische Alpenvereinsführer, der sämtliche Tourenmöglichkeiten einer ganzen Gebirgsgruppe systematisch auflistet und beschreibt. Denn moderne Auswahlführer, die den schnellen, leichten Konsumgenuss versprechen – Ziel aussuchen, Beschreibung kopieren, loslaufen – oder gar diverse Internet-„Infos“ laufen ihm den Rang ab; nur wenige AV-Führer werden noch in rentabler Menge verkauft. Und der Autor darf seinen Zeitaufwand schon gar nicht auf irgendeine Goldwaage legen.