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Charly Wehrle: 400 Kilometer Heimat

Reisebericht/Lesebuch

09.11.2018, 12:11 Uhr

Ein etwas anderes Buch vom etwas anderen Wandern: Die Umrundung seiner Heimat Oberschwaben ist für den Hüttenwirt und Autor Charly Wehrle nur Aufhänger für Geschichten zu Land und Leuten.

Charly Wehrle hat sich als Hüttenwirt ins Herz vieler Bergfreunde gearbeitet: zuerst auf dem legendären Klettererdomizil Oberreintalhütte, dann auf der Reintalangerhütte am Weg zur Zugspitze, und seit einigen Jahren auf der kleinen Frederick-Simms-Hütte in einem wilden Winkel der Lechtaler Alpen. Seine Bücher über das Leben als Hüttenwirt, über Geschichten rund ums Oberreintal oder auch sein Film über das „Musik-Trekking“ zu seinem Hüttenhelfer und Freund in Nepal haben eine große Fangemeinde. Unprätentiös und auf Augenhöhe schreibt der gebürtige Schwabe, der viel von der Welt gesehen hat und dabei seine Heimat im Herzen trägt.

 

Land und Leute, Geschichten und Geschichte

Einmal rundherum um Oberschwaben, um dieses Land zwischen den voralpinen Moränenhügellandschaften und den Felsen des Donautals, das schenkte Wehrle sich zum 65. Geburtstag. 400 Kilometer ist er zu Fuß marschiert (bei Schlechtwetter auch mal getrampt), verteilt auf zwölf nicht immer zusammenhängende Tage. Anschaulich und detailreich schildert er die unterschiedlichen Landschaften, die er durchstreift – noch mehr Raum allerdings gibt er den Menschen, die er unterwegs trifft. Und der Kultur und Geschichte seiner großen Heimat. Einigen Besonderheiten sind eigene Einschübe gewidmet: der „Venus vom Hohle Fels“, der „Gruppe 47“, Graf von Zeppelin, dem zugefrorenen Bodensee oder der Klettererdemo im Donautal. So erfährt man viel über dieses Land mit seinen manchmal etwas maulfaulen, aber meist freundlichen Menschen und über die Freuden und Leiden des (Weit-)Wanderns. So entspannt erzählt, als säße man mit dem Charly am Hüttentisch.

 

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Besonders geeignet für … Oberschwaben und ihre Sympathisanten

 

Link zum Verlag

 

Charly Wehrle: 400 Kilometer Heimat, Panico Verlag, 2018, 144 S., 19,80 Euro

 

ISBN: 978-3-95611-102-0

Thomas Käsbohrer: Am Berg

Lesebuch

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Bedrohliche Bergunfälle, dramatische Rettungsaktionen, nüchtern beschrieben. Diese Mini-Reportagen packen in ihrer scheinbaren Schlichtheit und könnten inspirieren zu einem bewussteren Umgang mit Unsicherheit am Berg. Ein Mensch steckt drei Wintertage lang kopfüber in der Schneeüberdeckung eines Baches und überlebt trotz schwerer Unterkühlung. Zwei Bergwachtler sind ohne Seil am Gletscher unterwegs und verlieren einen Ski in der Spalte. Ein Höhlenforscher bekommt tausend Meter unter der Erdoberfläche einen Stein an den Kopf.   Es sind spektakuläre Unfälle, teilweise aber auch scheinbar unauffällige Szenarien, die dieses Buch versammelt. Wer es aus Lust am Mitgruseln oder gar in voyeuristischem Überlegenheitsgefühl liest, ist aber falsch beraten. Denn in jeder Unfallgeschichte steckt auch die Lehre, wie wenig es braucht vom entspannten Berggenuss zur (Beinahe-)Katastrophe, und wie leicht man selber in solch eine Situation kommen könnte. 

Dani Arnold, Petra Jörg: Warum das alles?

Lesebuch

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Warum reden gerade Spitzenbergsteiger gerne von der „Kunst des Umkehrens“? Das versteht, wer sich von Dani Arnold von den High- und Lowlights seines Lebens als Profibergsteiger erzählen lässt. Extrembergsteiger: Das sind doch die, die für ihre Sponsoren und einen guten Instagrampost ihr Leben aufs Spiel setzen? Von wegen! Der Schweizer Dani Arnold ist durch seine Rekordzeit in der Eiger-Nordwand (Heckmairroute in 2:28 Std.) einem größeren Publikum bekannt geworden und hat seither immer wieder mit starken Aktionen nachgelegt. Nun hat er zusammen mit Petra Jörg ein Buch geschrieben – und es ist keine Selbstbeweihräucherung in Heldenpose. Im Gegenteil: Seine Leistungen nimmt Arnold als Aufhänger, um darzustellen, was dahinter steckt. Vorbereitung und Planung, Versuch und Scheitern, Risiko und Umgang mit der Angst. Ehrlich und hautnah erzählt er auch davon, was alles schief gehen kann, wie wichtig Sicherheitspuffer sind und dass man letztlich ohne eine gewisse Portion Glück trotzdem auch Pech haben kann. Insofern kann man das Buch geradezu als Lehrschrift nutzen: Hier gibt jemand, der sehr viel im Alpinismus erlebt und nachgedacht hat, Tipps aus erster Hand, die jedem helfen können, der die Berge auch als Playground für die persönliche Grenze sieht. 

Alexandra David-Neel: Briefe aus Tibet

Reisebericht

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Die ungewöhnliche Reise einer starken Frau in die verbotene Stadt – beschrieben aus ihrer eigenen Live-Perspektive. So wird eine Legende lebendig und greifbar. „Würde man mir eine Million bieten, damit ich das Abenteuer unter denselben Bedingungen wiederhole, dann würde ich wohl ablehnen.“ So schreibt Alexandra David-Néel (1868-1969) über ihren dreijährigen Fußmarsch, der sie, gemeinsam mit einem jungen Mönch, als wohl erste weiße Frau ins verbotene Lhasa führte und quasi zu einer französischen Nationalheldin machte. In „Mein Weg durch Himmel und Höllen“ hat sie die legendäre Reise beschrieben, nun liegen ihre Briefe vor, in denen sie ihrem Mann von unterwegs berichtet. In klaren, meist nüchternen Worten, aber mit einer Prise Humor und genau beobachtet. Sie berichtet freizügig von ihrem rigorosen Umgang mit den „Wilden“, von der Angst vor Räubern, von Krankheit, Kälte und Mühsal – und legt damit eindrucksvoll Zeugnis ab, „was der Wille einer Frau vermag.“ 

Christian Zott (Hrsg.): Heimat? Ammertal!

Tal-Monografie

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Ein Unternehmer finanziert ein Buch über sein Herkunftstal. Ist das ein Ausdruck von Heimatliebe? Oder eines schlechtes Gewissens, fortgegangen zu sein? Vordergründig geht es ums Ammertal. Aber dann doch um Christian Zott, der mit 50 Jahren aus der Führungsposition seines Unternehmens zurücktrat und seinerzeit als Teilzeit-Geschäftsführer durch Europa wanderte. Der in seinem eigenen Verlag diesen Titel in Auftrag gab. Als Autor beauftragt er den Hamburger "World Press Award"-Fotografen Hans-Joachim Ellerbrock, während eines Jahres das Tal und Protagonisten in Wort und Bild zu portraitieren. 

Christine Scheel, Gerhard Engel: Weitblick

Reise-Essay

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Wenn zwei politisch engagierte und religiös beseelte Menschen ein Buch über eine Alpenüberquerung schreiben, kann es wohl kaum eine schlichte Routenbeschreibung werden. Im Idealfall wird es eine solch engagierte, fachkundige Inspirationsquelle. „Wir bewegen uns im Modus des Flow, in solcher Stimmung ist es Erfüllung zu laufen und in dieser Beschäftigung ganz aufzugehen, mit leichten Gedanken, die fließen wie die Bewegung, locker und zufrieden.“ Christine Scheel, Landtags- und Bundestagsabgeordnete der Grünen, und ihr Mann Gerhard Engel, langjähriger Präsident des Bayerischen Jugendrings, machen jedes Jahr eine Wanderung über die Alpen. 2017 tüftelten sie eine neue Route vom Chiemseezum Lago di Misurina aus: über Kampenwand, Wilden Kaiser, Großvenediger, durchs Gsieser Tal, vorbei an den Drei Zinnen und dem Monte Cristallo – und haben ein bemerkenswertes Buch darüber geschrieben. Denn „über die Berge laufen und Natur erleben … lenkt den Blick über den Tag und uns selbst hinaus“. 

Achill Moser: Unterwegs

Reise-Essay

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„In einer sich immer schneller drehenden Welt brauchen wir Natur als Gegenentwurf und Maß unserer Existenz, als Inspirationsquelle und heilende Kraft“, plädiert der weltgereiste Journalist und Buchautor. Wie das funktionieren kann, vermittelt er glaubhaft und engagiert. „Seit Jahrtausenden gibt es zwischen dem Menschen und der Natur ein unsichtbares Band, eine seltsame Verwandtschaft, ein untrennbares Verwobensein. Die Klippe ist nur: Der Zivilisationsmensch hat sich im Zuge der Industrialisierung und Übertechnisierung von der ursprünglichen Natur immer weiter entfernt. Bei seinem fanatischen Streben nach Wohlstand hat er mit seiner Raubameisenmentalität das Ausschlachten natürlicher Ressourcen unablässig vorangetrieben. … Wir leben in entwurzelten Zeiten und stehen kurz vor dem ökologischen Kollaps. Was für ein Selbstbetrug, was für ein Verrat an uns selbst.“   Als „Weltenbummler und Umtriebiger aus Leidenschaft“ bezeichnet sich Achill Moser selbst; lange hat er mit Nomaden in Asien und Afrika gelebt, wanderte durch 28 Wüsten, berichtete darüber als Journalist, Fotograf und Vortragender. In diesem Buch – ist es eine Art Lebensfazit des gut Sechzigjährigen? – philosophiert er darüber, „warum wir Natur und Wildnis brauchen“, und liefert Beispiele aus packenden Naturlandschaften: Wäldern, Flüssen, Wüsten, Meeren und Bergen. Dicht und präsent, sinnlich greifbar, in gutem Reportagestil beschrieben; und auch wenn die Texte oft zwischen poetisch und pathetisch schwanken, machen sie seine tiefe Empfindsamkeit für die Schönheiten um uns herum nachvollziehbar. Und dafür, wie sie durch unseren rücksichtslosen Lebensstil bedroht sind.