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Anselm Grün: Von Gipfeln und Tälern des Lebens

Reisebericht/Lesebuch

16.11.2017, 10:59 Uhr

Der bekannte Benediktinerpater erzählt in diesem Buch von seinen Wanderungen, die ihn auch auf höhere Berge geführt haben – und zieht Parallelen zum Weg durchs Leben und als Christ.

„Ich habe, wie viele andere, in meinem Leben erfahren, dass es letzlich keine Umwege gibt, sondern nur verschiedene Wege zum Ziel, auch wenn diese Wege manchmal verschlungen sind. Selbst wenn wir auf unserem Weg ein Stück zurückgehen müssen, können wir das als Bereicherung erleben.“

Irgendwo zwischen Bauernweisheit und religiöser Philosphie bewegt sich der Benediktinermönch Anselm Grün, dessen Vorträge und Veröffentlichungen viele Menschen lesen. Nun hat er ein Buch vorgelegt, das für Bergfreunde in der Jahreszeit der langen Abende eine anregende Lektüre abgeben könnte – denn darin will er „das Wandern als Bild für den Lebensweg meditieren“.

 

Weise Tipps für Berg und Leben

Das Buch ist gegliedert in sechs Teile; die ersten vier entsprechen einer Bergtour: „Bevor ich losgehe“ – „Auf geht’s!“ – „Oben angekommen!“ – „Zurück ins Tal“; darauf folgen „Biblische Bilder“ und „Ein Blick zurück – Dankbarkeit“. Und jeder Teil enthält kurze Kapitel wie „Wage-Mut“, „Schritt für Schritt“, „Umkehren“ oder „Allein unterwegs“. Ausgehend von solchen Situationen am Berg – vor allem beim Wandern – erzählt Grün Anekdoten aus seinem eigenen Bergsteigerleben, interpretiert und wertet sie, stellt Parallelen zum Alltagsleben heraus und öffnet den Blick über die Erdenperspektive hinaus, zur spirituellen, christlichen Bedeutung des Thema. Denn man weiß ja: Das Auf und Ab am Berg bietet jede Menge Metaphern zum Leben und zum religiösen Streben.

Das alles ist mit einfachen Worten geschrieben, sympathisch formuliert, vielleicht etwas ausführlich, aber sehr anschaulich. Wie eine gute (Berg-)Predigt eben. Man kann aus den Erkenntnissen des Paters durchaus Praxistipps für die nächste Wanderung ziehen. Aber man kann auch – was er hauptsächlich im Sinn haben dürfte – „wandernd sich wandeln“. Also aus den Erfahrungen auf dem Weg Erkenntnisse ziehen, die zu größeren Höhen führen. Und die dem Leben vielleicht noch mehr Sinn und Erfüllung verleihen als kurzfristiges Gipfelglück.

 

Kurzcheck

Anregung
Verständlichkeit
Botschaft

Info

Besonders geeignet für… Bergfreunde mit wahrhaft „höheren“ Zielen

 

Anselm Grün: Von Gipfeln und Tälern des Lebens, Vier-Türme-Verlag, 2016, 176 Seiten, 17,99 Euro

 

Link zum Verlag

 

ISBN: 9783863341152

Christian Zott (Hrsg.): Heimat? Ammertal!

Tal-Monografie

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Ein Unternehmer finanziert ein Buch über sein Herkunftstal. Ist das ein Ausdruck von Heimatliebe? Oder eines schlechtes Gewissens, fortgegangen zu sein? Vordergründig geht es ums Ammertal. Aber dann doch um Christian Zott, der mit 50 Jahren aus der Führungsposition seines Unternehmens zurücktrat und seinerzeit als Teilzeit-Geschäftsführer durch Europa wanderte. Der in seinem eigenen Verlag diesen Titel in Auftrag gab. Als Autor beauftragt er den Hamburger "World Press Award"-Fotografen Hans-Joachim Ellerbrock, während eines Jahres das Tal und Protagonisten in Wort und Bild zu portraitieren. 

Charly Wehrle: 400 Kilometer Heimat

Lesebuch

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Ein etwas anderes Buch vom etwas anderen Wandern: Die Umrundung seiner Heimat Oberschwaben ist für den Hüttenwirt und Autor Charly Wehrle nur Aufhänger für Geschichten zu Land und Leuten. Charly Wehrle hat sich als Hüttenwirt ins Herz vieler Bergfreunde gearbeitet: zuerst auf dem legendären Klettererdomizil Oberreintalhütte, dann auf der Reintalangerhütte am Weg zur Zugspitze, und seit einigen Jahren auf der kleinen Frederick-Simms-Hütte in einem wilden Winkel der Lechtaler Alpen. Seine Bücher über das Leben als Hüttenwirt, über Geschichten rund ums Oberreintal oder auch sein Film über das „Musik-Trekking“ zu seinem Hüttenhelfer und Freund in Nepal haben eine große Fangemeinde. Unprätentiös und auf Augenhöhe schreibt der gebürtige Schwabe, der viel von der Welt gesehen hat und dabei seine Heimat im Herzen trägt. 

Christine Scheel, Gerhard Engel: Weitblick

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Wenn zwei politisch engagierte und religiös beseelte Menschen ein Buch über eine Alpenüberquerung schreiben, kann es wohl kaum eine schlichte Routenbeschreibung werden. Im Idealfall wird es eine solch engagierte, fachkundige Inspirationsquelle. „Wir bewegen uns im Modus des Flow, in solcher Stimmung ist es Erfüllung zu laufen und in dieser Beschäftigung ganz aufzugehen, mit leichten Gedanken, die fließen wie die Bewegung, locker und zufrieden.“ Christine Scheel, Landtags- und Bundestagsabgeordnete der Grünen, und ihr Mann Gerhard Engel, langjähriger Präsident des Bayerischen Jugendrings, machen jedes Jahr eine Wanderung über die Alpen. 2017 tüftelten sie eine neue Route vom Chiemseezum Lago di Misurina aus: über Kampenwand, Wilden Kaiser, Großvenediger, durchs Gsieser Tal, vorbei an den Drei Zinnen und dem Monte Cristallo – und haben ein bemerkenswertes Buch darüber geschrieben. Denn „über die Berge laufen und Natur erleben … lenkt den Blick über den Tag und uns selbst hinaus“. 

Achill Moser: Unterwegs

Reise-Essay

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„In einer sich immer schneller drehenden Welt brauchen wir Natur als Gegenentwurf und Maß unserer Existenz, als Inspirationsquelle und heilende Kraft“, plädiert der weltgereiste Journalist und Buchautor. Wie das funktionieren kann, vermittelt er glaubhaft und engagiert. „Seit Jahrtausenden gibt es zwischen dem Menschen und der Natur ein unsichtbares Band, eine seltsame Verwandtschaft, ein untrennbares Verwobensein. Die Klippe ist nur: Der Zivilisationsmensch hat sich im Zuge der Industrialisierung und Übertechnisierung von der ursprünglichen Natur immer weiter entfernt. Bei seinem fanatischen Streben nach Wohlstand hat er mit seiner Raubameisenmentalität das Ausschlachten natürlicher Ressourcen unablässig vorangetrieben. … Wir leben in entwurzelten Zeiten und stehen kurz vor dem ökologischen Kollaps. Was für ein Selbstbetrug, was für ein Verrat an uns selbst.“   Als „Weltenbummler und Umtriebiger aus Leidenschaft“ bezeichnet sich Achill Moser selbst; lange hat er mit Nomaden in Asien und Afrika gelebt, wanderte durch 28 Wüsten, berichtete darüber als Journalist, Fotograf und Vortragender. In diesem Buch – ist es eine Art Lebensfazit des gut Sechzigjährigen? – philosophiert er darüber, „warum wir Natur und Wildnis brauchen“, und liefert Beispiele aus packenden Naturlandschaften: Wäldern, Flüssen, Wüsten, Meeren und Bergen. Dicht und präsent, sinnlich greifbar, in gutem Reportagestil beschrieben; und auch wenn die Texte oft zwischen poetisch und pathetisch schwanken, machen sie seine tiefe Empfindsamkeit für die Schönheiten um uns herum nachvollziehbar. Und dafür, wie sie durch unseren rücksichtslosen Lebensstil bedroht sind. 

Bücher von unterwegs

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Beim Gehen rütteln sich die Gedanken zurecht, heißt es. Was haben uns Menschen zu erzählen, die sich auf weite Wanderungen eingelassen haben? Stadtleben mit Beruf und Routine sind fad: raus aus dem Hamsterrad, zu neuen Horizonten – das ist ein Motiv, das viele Weitwanderer eint. „Ich suchte Ruhe und authentische Erlebnisse – aber letztlich suchte ich mich selbst“, so das Fazit von Nina Ruhland, die diesen Bruch wohl besonders intensiv gelebt hat: Sie tauschte ihre Festanstellung gegen die Freiberuflichkeit; als Bergwanderführerin führte sie oft Gäste auf dem E5 von Oberstdorf nach Bozen, der einst ihren Freiheitsbedarf geweckt hatte. Nun widmet sie diesem Prototypen der Alpenüberquerungen eine großformatige Hommage, opulent bebildert vom Fotografen Christoph Jorda. Mit Infos und Wandertipps, Erlebnissen und Porträts. Ob das im Titel beschworene Attribut „Traum und Abenteuer“ heute eher „Alptraum in abenteuerlich überfüllten Hütten“ heißen sollte, darüber mag man gerne diskutieren. Dieses Sehnsuchtsbuch wird sicher nicht dazu beitragen, dass der Rummel nachlässt.   Wer eine stillere Alternative sucht, kann sich von Rainer Barth inspirieren lassen. Der wollte sich zu seinem 60. Geburtstag „ein besonderes Geschenk machen“ und wanderte von seiner Wahlheimat am Bodensee durch seine Lieblingsberge Dolomiten nach Venedig. 600 Kilometer, ein voller Monat, wetterbedingt auch gelegentlich die „Freuden des Talwanderns“ kostend – sehr persönlich erzählt er von den Erlebnissen auf seiner Route, die für Weitwander-Aficionados durchaus eine attraktive Alternative zu klassischen beschilderten Routen sein könnte. Übersichtskarten, Kilometer- und Zeitangaben (im Text und gesammelt am Buch-Ende) erleichtern das Nachvollziehen – dass es aber beim Wandern um mehr als nur das Zufußgehen geht, belegt der Autor mit anregenden Einschüben zu kulturellen Besonderheiten und der Geschichte der durchstreiften Regionen. 

Benjamin Eckert (Hrg.): Im Berg Auf Gehen

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Acht Autoren schildern „spirituelle Wegerfahrungen zwischen Himmel und Alltag“ und wollen damit dazu anregen, über den nächsten Schritt hinauszudenken. „Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann.“ Ein recht optimistisches Zitat des Philosophen und Theologen Soren Kierkegaard stellen die Autoren diesem kleinen Büchlein voran. Ob das in der Lebenspraxis gelingt, muss jeder Mensch und Leser für sich selbst versuchen – Denkanstöße dazu möchte das Lese- und Bilderbuch geben. Wie es im Vorwort steht: „der spirituellen Dimension des Bergwanderns nahekommen“ und darauf deuten, „wie weit das Leben werden kann, wenn es auf das Wesentliche zusammenschrumpft“.