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Bergbericht - So wird´s am Wochenende

11. bis 13. Februar 2022

10.02.2022, 14:55 Uhr

Das zurückliegende Wochenende hat mit mehr als zehn Toten im deutschsprachigen Alpenraum drastisch vor Augen geführt, wie gefährlich Lawinen sein können. Zwar hat sich die Situation mittlerweile etwas entspannt, doch in den Hochlagen sind vor allem in Österreich und in der Schweiz weiterhin eine umsichtige Routenwahl und solide lawinenkundliche Erfahrung erforderlich. Das Wochenendwetter lässt im Alpenraum hingegen kaum Wünsche übrig.

Schneeverhältnisse

Die deutschen Mittelgebirge weisen ab Höhen von ca. 600 m (Bayerischer Wald) bzw. ab etwa 800 m (Harz) eine geschlossene Schneedecke auf. Mit einer schwachen Kaltfront dürfte sich die Schneelage vor allem im Südschwarzwald am Freitag leicht verbessern.
Am Deutschen Alpenrand entspricht die Schneelage derzeit in etwa dem langjährigem Mittelwert. Aufgrund der warmen Temperaturen der letzten zwei sonnigen Tage sind aber tiefer gelegene, südseitige Hänge wie zum Beispiel am Ammergauer Hörnle wieder ausgeapert. Höher gelegene Südhänge wiesen gestern schweren Nassschnee auf. Dieser dürfte sich bei den morgen sinkenden Temperaturen zu Bruchharsch entwickeln.
Daher machen weiterhin nordseitige Touren mit höherem Ausgangspunkt Sinn. In dieser Exposition kann man durchaus noch brauchbaren Tiefschnee antreffen, wie zum z. B. gestern am Gipfelhang des Ochsenälpleskopf (Ammergauer Alpen). In den Hochlagen sind Rücken und exponierte Flanken (wie an der gegenüberliegenden Kreuzspitze) hingegen oft komplett abgeweht.
Das gilt auch für den Tiroler und Schweizer Alpenhauptkamm, wo die Schneelage derzeit ebenfalls in etwa dem langjährigen Mittelwert entspricht. So hat zum Beispiel auch das (zuvor schneearme) Sellrain endlich Neuschneezuwachs erhalten. Kamm- und Gipfelbereich sind aber auch hier oft abgeweht, Mulden und Senken dafür massiv aufgefüllt.
Die größten Schneehöhen werden derzeit eher von östlicheren Regionen der Ostalpen gemeldet, wie zum Beispiel 270 cm an der Messstation Tauplitzalm (Totes Gebirge) auf 1571 m Seehöhe.

 

 

Lawinenverhältnisse

Während am Donnerstag im Deutschen Alpenraum eine mäßige Lawinengefahr (Stufe 2) herrschte, wurde die Gefahr in der Schweiz und in Österreich oberhalb von 1600m  – 1800 m mit Stufe drei als erheblich eingeordnet.
Der Tiroler Warndienst weist darauf hin, dass ausgeprägte Schwachschichten im Altschnee vor allem an West-, Nord- und Osthängen weiterhin von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden können. Dies vor allem unterhalb von rund 2500 m, vereinzelt auch an steilen Sonnenhängen in der Höhe. Vorsicht ist vor allem an Übergängen von wenig zu viel Schnee wie z.B. bei der Einfahrt in Rinnen und Mulden geboten. Lawinen können gefährlich groß werden. Fernauslösungen sind möglich. Die Triebschneeansammlungen sind im Hochgebirge teils noch störanfällig.
Die Prognosen für das kommende Wochenende sind nicht einheitlich: Während der Deutsche Lawinenwarndienst davon ausgeht, dass sich die Lawinengefahr am Wochenende bei kühleren Temperaturen weiter entspannt, warnt der Tiroler Warndienst weiter vor einer „teils heimtückischen Lawinensituation“.

 

Wochenendwetter

Mittelgebirge: In der Eifel und im Rothaargebirge ist von Freitag bis Samstag Wolken und Niederschlägen (in höheren Lagen als Schnee) zu rechnen. Am Samstag dürfte es trocken sein, am Freitag und Sonntag ist es sehr windig. Die Höchsttemperaturen liegen am Kahlen Asten (841 m) zwischen 0°C und 3°C.
Im Harz fällt bei viel Wind vor allem am Freitag Schnee, das Wochenende dürfte trocken verlaufen. Die höchsten Temperaturen auf dem Brocken (1141 m) liegen zwischen -3°C und 0°C.
Im Elbsandsteingebirge wird es deutlich freundlicher, wo am Wochenende sogar die Sonen herauskommen kann. Auf dem Großen Zschirnstein (560 m) liegen die Höchsttemperaturen bei 3°C.
Im Bayerischen Wald schneit es am Freitag, am Wochenende kommt aber auch die Sonne heraus. Am Großen Arber (1456 m) liegen die Höchsttemperaturen zwischen -3°C und 0°C.
Im Schwarzwald ist der Wetterverlauf ähnlich. Am windigen Feldberg (1493 m) liegen die Höchsttemperaturen am Wochenende knapp über 0°C.

Alpen: Am Freitag erreicht ein Kaltfront den Nordwesten der Ostalpen und breitet sich entlang der Nordalpen ostwärts bzw. auch etwas über den Hauptkamm aus. Mit dichten Wolken kommt Schneefall auf. Südlich des Hauptkamms ist es mit Ausnahme vom Engadin am Vormittag trocken, mit zunehmender Bewölkung oberhalb der Gipfel aber nur teilweise sonnig. Im Norden gibt es bis 10 cm Neuschnee. Es ist deutlich kälter als zuletzt, dazu weht teils starker Wind, zuerst aus West, später aus Nord.
Mit steigendem Hochdruckeinfluss verläuft der Samstag verbreitet sonnig. Zudem ist es nur noch schwach windig. In 2000 m vor allem im Süden und Osten kalt mit -7 Grad, im Nordwesten bis -1 Grad.
Auch am Sonntag überwiegt im Ostalpenraum freundliches Wetter, wobei hohe Wolkenfelder vorüberziehen. Sie bleiben oberhalb der Gipfel und schränken die Sichten nicht ein. Bei leicht föhnigen Südwestwind steigen die Temperaturen etwas an.

 

 

Fazit

Einmal mehr sind der Bayerische Alpenrand, sowie die südlichen und östlichen Mittelgebirge gegenüber den nördlichen wetterbegünstigt. Im Schwarzwald oder im Bayerischen Wald reichen die Schneehöhen für Skitouren vor allem auf Wiesen und Waldschneisen aus. Schneeschuhe sind für Gipfeltouren in anderen Mittelgebirgen zu empfehlen.
In Bezug auf die Lawinengefahr machen Skitouren im Deutschen Alpenraum Sinn. Die Schneelage reicht in den meisten Regionen hierzu aus. In Österreich sollte man eher sanfte Skitourenregionen wie die Kitzbühler Alpen, die Tuxer Voralpen oder den Bregenzer Wald anvisieren, wo es eine große Auswahl von vergleichsweise lawinensicheren Skitourenmöglichkeiten gibt.
Und ganz egal welche Region man auswählt … am Vorabend ist immer der jeweilige, aktuelle Lawinenlagebericht einzuholen. Das gilt natürlich auch für Schneeschuhtouren.

Auch für das kommende Wochenende haben wir eine passende Tourenliste für euch zusammengestellt.