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DAV-Mitglied für besondere Elbrus-Besteigung gesucht

Nachhaltiger Bergtourismus im Visier

12.04.2021, 20:14 Uhr

Für ein internationales Team, das Ende August zum Elbrus reist, wird ein Mitglied des DAV gesucht. Es soll die spannende, bisher jedoch nur wenig genutzte Nordwest-Route begangen werden. Zuvor jedoch liegt der Fokus der Reise darauf, mit der lokalen Bevölkerung im abgelegenen Ullukhurzuk-Tal in Karatschai-Tscherkessien Gespräche über einen möglichst nachhaltigen Bergtourismus zu führen.

Die Situation am Elbrus

Der zu den Seven Summits zählende Elbrus wird für gewöhnlich über die Standardrouten auf der Nord- und Südseite bestiegen. Eine für Erfahrene attraktivere Route befindet sich auf der Nordwestseite, allerdings wurde sie bisher fast ausschließlich von russischen Bergsteigern genutzt. Die Route bietet einen angenehmen Zustieg und einen deutlich anspruchsvolleren Aufstieg als die anderen Gipfelvarianten:

 

Ausgangspunkt ist das abgelegene Ullukhurzuk-Tal, das nach dem gleichnamigen Fluss im Nordkaukasus benannt ist. Gelegen in der Karatschai-Tscherkessischen Republik, im südlichsten Teil von Russland, gibt es in dem Tal bisher keine Kletterinfrastruktur. Im Tal leben die Karatschaier, ein Turkvolk, das Tausende von Jahren halbnomadisch und in Transhumanz zwischen Sommer- und Winterwohnorten wechselte.

 

Bergtourismus, der den Menschen vor Ort zugutekommt

Die sunnitischen Muslime unterhalten ein einzigartiges, traditionelles Clansystem, in dem ein überliefertes Gewohnheitsrecht alle Fragen des Zusammenlebens regelt. Das Leben im Ullukhurzuk-Tal ist jedoch von großer Armut gezeichnet.

 

Das multinationale wird mit den Clanältesten besprechen, wie Tourismus am Elbrus nachhaltig gestaltet werden kann, so dass er die lokale Gemeinschaft respektiert und den Menschen vor Ort unmittelbar zugutekommt.

 

Das Elbrus-Projekt bemüht sich mit diesem Ansatz um ähnliche Ziele, wie sich aktuell auch von der Union Internationale des Associations d’Alpinisme (Internationale Union der Alpinismusvereinigungen, UIAA) formuliert werden, die die Arbeitsbedingungen in der Bergsteiger- und Trekkingindustrie verbessern will. Aus diesem Anlass hat die UIAA  die Mountain Worker Initiative (MWI) ins Leben gerufen. Darin sollen Richtlinien erarbeitet, verbreitet und unterstützt werden, die einen ethischen Bergtourismus ermöglichen – mit besonderem Fokus auf den Arbeits- und Lebensbedingungen von Trägern und allen, die die Bergsteigerindustrie überhaupt erst ermöglichen.

 

Den Blick auf dieses Thema gelenkt hat unlängst der Dokumentarfilm „The Porter“ von Nathaniel J. Menninger, der die Situation der nepalesischen Sherpas und damit beispielhaft die vielfach ungerechte Verteilung der Einnahmen und Gewinne der Bergsteiger- und Trekkingindustrie beleuchtet. Der Amerikaner wird beim Elbrus-Projekt zum multinationalen Kernteam um Expeditionsführer Aleksandr Eliseev gehören; es sollen ein Dokumentarfilm und Beiträge entstehen. 

 

Teilnahmevoraussetzungen und Zeitplan

Das Projekt soll im August stattfinden, die genauen Termine werden im Frühjahr festgelegt. Es werden alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um die von Covid-19 ausgehenden Risiken zu minimieren.

 

Wer sich von dem außergewöhnlichen Elbrus-Projekt angesprochen fühlt, sollte erfahren im Klettern sein. Die Route weist durchschnittliche Schwierigkeiten auf – ähnlich dem Matterhorn oder der Standardroute auf den Denali. Englisch und/oder Russisch sind obligat; wer teilnehmen will, muss außerdem gewillt sein, in einem geplanten Projektfilm bzw. auf Bildmaterial zu erscheinen.

 

Weitere Informationen

Für detailliertere Infos und zu allen weiteren Fragen rund um diese besondere Elbrus-Besteigung können sich Interessierte an Matthew C. Johnson unter wanderingyooper@gmx.com wenden.

 

Details zum MWI-Projekt auch auf der Website der UIAA.