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Wie wird man Kletterhallenleiter*in?

30.08.2022, 11:00 Uhr

Wer eine Kletterhalle leiten will, muss keine einschlägige Berufsausbildung haben, sehr wohl aber eine Reihe von Qualifikationen nachweisen können. Eine Stelle als Betriebsleitung wird meist im Quereinstieg angetreten. Hier soll die maßgeschneiderte Ausbildungsreihe in fünf Modulen für Kletterhallenleitungen ansetzen, die der DAV seit einem Jahr anbietet. Um diese DAV-Qualifizierung und den konkreten Nutzen für Hallenleiter*innen vorzustellen, haben wir Olaf Starke interviewt, der zu den ersten Teilnehmenden gehört.

DAV: Olaf, stell Dich am besten selbst kurz vor. Wo kommst Du her und was hat Dich zur Qualifikationsreihe gebracht?

Olaf: Ich bin in der DAV-Kletterhalle Frankfurt am Main seit 2018 Betriebsleiter. Erstaunlich, wie schnell sich das jetzt auf vier Jahre summiert hat. Wie gesagt kann man für diesen Job keine direkte Ausbildung machen. Man kann viele Ausbildungen machen, die man vielleicht brauchen könnte: was handwerkliches, Verwaltung, Büro usw. Aber wer macht schon zehntausend Ausbildungen, um dann einen Job zu machen? Das ist wohl eher schwierig und so bin ich zu dieser Modulreihe gekommen.

DAV: Wie bist Du in Eurer Halle Kletterhallenleiter geworden?

Olaf: Ganz klassisch: Ich habe an der Theke angefangen, bin dann auch als Trainer eingestiegen und habe dann als zweite Stufe die technische Leitung der Kletterhalle übernommen. Dazu gehört alles, was im Hintergrund stattfindet, also dass die Halle technisch läuft. Und schließlich bin ich Betriebsleiter geworden.

DAV: Du kletterst schon auch selbst?

Olaf: Ja. Wobei sich hier leider zunehmend gezeigt hat „der Schuster hat die schlechtesten Schuhe“. Der Faktor Zeit zum Klettern ist seit meiner Tätigkeit als Hallenleiter stark eingeschränkt.

 

Was macht der Betriebsleiter einer Kletterhalle?

DAV: Damit wir uns das Berufsprofil einer Kletterhallenleitung besser vorstellen können, berichte uns doch, was Deine Haupttätigkeiten sind? Da die wahrscheinlich wechseln, hast Du dann jeden Tag einen anderen Hut auf – montags den Hausmeisterhut, dienstags den Trainerhut? Wie muss ich mir das vorstellen?

Olaf: Es ist nicht so, dass ich jeden Tag einen anderer Hut aufhabe, sondern eher jeden Tag jeden Hut trage. Ein großer Anteil sind Personalplanung und Verwaltung. Gerade in einer Halle, die sieben Tage die Woche von morgens um halb zehn bis abends elf Uhr geöffnet ist, braucht man viel Personal. Dann stelle ich generell den Ablauf in der Halle sicher. Das heißt ich prüfe, ob etwas kaputt ist und kläre mit dem Haustechniker, ob er das schon auf seinem Plan hat. Ebenfalls gilt es zu sehen, ob es genug Essen im Bistro gibt und ob die Kunden und auch die Trainer zufrieden sind. Dazu sollte das Kursangebot stehen, wobei dieser Punkt von der sportlichen Leitung, die es in Kletterzentrum in Frankfurt gibt, übernommen wird. Die Hallenleitung ist im Prinzip das „Mädchen für alles“. Ich verteile aber nicht nur Aufgaben, sondern unterstütze auch, packe mit an und beantworte viele Fragen.

DAV: Welche Ausbildung hast Du mitgebracht?

Olaf: Ich bin gelernter Schreiner. Dann war ich 12 Jahre bei der Bundeswehr auch in Personalverantwortung und gegen Ende mit der Planung von Auslandseinsätzen betraut. Nach dem Fachabitur habe ich mit dem Maschinenbaustudium begonnen, das ich aus familiären Gründen nicht abgeschlossen habe.

 

Was kann ein erfahrener Betriebsleiter in der DAV-Qualifizierungsreihe noch lernen?

DAV: Da hast Du ein gutes, breit gefächertes Vorwissen mitgebracht. Handwerkliches Geschick und Erfahrung in der Personalführung waren für Dich sicherlich gute Voraussetzungen für Deinen Einstieg in den Job. Nun warst Du schon drei Jahre als Betriebsleiter und vorher schon anderweitig in der Halle tätig, bevor die Ausbildungsreihe losging. Warum hast Du Dich trotzdem für die Qualifikationsreihe entschieden, die Halle lief schließlich schon drei Jahre unter Deiner Führung?

Olaf: Das ist eine Betrachtung, wie die Halle läuft. Die Halle kann laufen und die Halle kann gut laufen. Wenn man die laufenden Kosten und die gegenüberstehenden Einnahmen betrachtet, muss die Halle sauber laufen, damit der Vorstand und auch die Mitglieder zufrieden sind. Von daher war mein Ansatz, für die Bereiche bei denen ich noch Wissenslücken habe oder noch nicht das volle Potenzial bei mir selber gefunden habe, mir ganz viel Input von anderen Hallen und von der Bundesgeschäftsstelle zu holen.

DAV: Hat sich Deine Erwartung von dem, was Du lernen wolltest auch erfüllt?

Olaf: Bis jetzt ja. Logischerweise war auch vieles dabei, was man schon mal gehört hat oder auch kannte. Man wird aber in manchen Sachen auch ein bisschen betriebsblind und wenn dann der Blick mal von der anderen Seite kommt, dann macht man nochmal die Augen auf und versucht das dann doch mal für die eigene Halle anders zu betrachten. So konnte ich bei der Überprüfung von Wartungsverträgen oder der Auseinandersetzung mit dem papierlosen Büro auf jeden Fall einen Nutzen für meine Arbeit ziehen.

DAV: Musstest Du Überzeugungsarbeit beim Vorstand für Deine Teilnahme an der Ausbildung leisten?

Olaf: Nein. Natürlich habe ich mit dem Vorstand darüber gesprochen, wie wir das vom Ablauf her regeln mit Freistellung etc. Aber durch die vorab bekannten Informationen, worauf die Module abzielen, war auch der Vorstand überzeugt. Es kostet natürlich erstmal etwas Geld, aber selbst wenn nur bei der Hälfte der Module etwas hängen bleibt, was man nutzen kann, bringt uns das nach vorne.

 

Zeit und Geld - gut investiert!

DAV: Geld ist dabei nur der eine Aspekt. Du bist in Summe fünf Wochen von der Halle weg und fehlst dort im Betriebsablauf. Wie konntest Du Deine Kollegen und Mitarbeiterinnen, die in dieser Zeit ohne Dich auskommen und ggf. sogar Teile von Deinen Aufgaben übernehmen mussten, von der Notwendigkeit überzeugen und Deine Abwesenheit schmackhaft machen?

Olaf: Gegenüber meinen Mitarbeiterinnen und Kollegen habe ich es in dem Moment schmackhaft gemacht, als ich ihnen den Stand der Halle jetzt und unser Ziel dargelegt habe. Wir wollen weiter nach vorne kommen, wir wollen, dass die Halle super gut läuft. Dann bekommen wir mehr finanziellen Freiraum, haben mehr Möglichkeiten zu investieren und neue Ideen einzubringen. Davon waren alle begeistert und meinten „machen!“, wenn es so ein Angebot gibt. Wir haben auch schon einiges umgesetzt wie z. B. das dank scansnap fast papierfreie Büro und so haben auch die Mitarbeiter einen Nutzen daraus gezogen.

DAV: Wurdest Du nach den Modulen von Deinen Mitarbeiter*innen gefragt, was Du da so gelernt hast?

Olaf: Ja, die ein oder anderen sind neugierig und wollen wissen, was genau gemacht wurde. Dann erzählt man ein bisschen, was so grob gelaufen ist und dann fällt denen selber auf: Stimmt, da haben wir bisher noch gar nicht drauf geachtet. Wir machen es immer so und nur so und früher haben wir das auch schon so gemacht, da war ja auch alles besser (lacht). Und dann probiert man doch mal was Neues aus, hört sich Ideen der Servicemitarbeiter offen an und testet diese gemeinsam. Wenn die Vorschläge überzeugen und einen Mehrwert für alle bringen, werden sie beibehalten.

DAV: Für einige Module waren Auswertungen der eigenen Halle zu erstellen oder Unterlagen zur weiteren Analyse mitzubringen. Wie hoch war Dein persönlicher Aufwand bei der Vor- und Nachbereitung der Module?

Olaf: Es kommt auf die eigene Situation in der Halle drauf an. Die Halle muss gut strukturiert laufen, damit Du Dir den Freiraum für die fünf Wochen nehmen kannst. Logischerweise hat man in der Woche vorher Stress und wenn man wieder da ist, hat man auch mehr Stress, damit man das, was liegen geblieben ist, aufarbeiten kann. Ansonsten war meine persönliche Vorbereitung auf die Module nicht so schwierig, da ich die Tätigkeit schon eine ganze Weile gemacht habe, also im Thema insgesamt drin war. Wenn ich da an die Kollegen denke, die gerade erst eine Halle eröffnet haben, die ganz neu in alles reinfallen, die machen sich sicherlich mehr Gedanken im Voraus oder Nachhinein, was sie nun alles zu tun haben.

 

Olaf Starke: "Egal wie gut man ist, man lernt nie aus!"

DAV: Weshalb würdest Du anderen Hallenleiter*innenn empfehlen, an der Qualifikationsreihe teilzunehmen, obwohl es zusätzlichen Stress und Zeitdruck mit sich bringt?

Olaf: Es ist wirklich oft festzustellen, dass viele Hallenleitungen unreflektiert Abläufe und Vorgehensweisen übernehmen, weil es immer schon so gemacht wurde, und da betriebsblind sind. Allein der Faktor zu sehen, wie es in anderen Hallen läuft, sich mit anderen Hallenleitungen zu unterhalten, das Networking, Ideen sammeln, das bringt einen weiter. Egal wie gut man ist, man lernt nie aus.

DAV: Du hast mit Networking gleich mein nächstes Stichwort gegeben. Ihr seid in diesen 5 Wochen immer dieselbe Gruppe, inwieweit hat sich die Vernetzung mit den anderen Hallenleitungen im Laufe der Module verstärkt? Und was konkret bringt Dir die Vernetzung?

Olaf: Der erste Austausch war noch etwas schwierig, weil wir ja coronabedingt mit zwei online-Seminartagen gestartet sind. Dadurch fing alles ein bisschen holprig an, bis wir dann das Präsenzmodul hatten, bei dem man sich getroffen hat. Da hat es einen halben Tag gedauert, dann hatten wir das Netzwerk geschaffen. Die Whatsapp-Gruppen liefen, es wurden Fragen gestellt. Das Miteinanderreden, was abends oder in den Pausen stattgefunden hat, darüber, wie es in den einzelnen Hallen ist, das war ein großer Mehrwert zusätzlich zu der Ausbildung, der unbezahlbar ist. Was auch wichtig ist. Damit eben nicht jeder Hallenleiter den gleichen Fehler macht: Alle laufen gegen denselben Baum. Das kann dadurch vermieden werden. Ich denke, da hat sich sicher der ein oder die andere Tipps geholt und Fehler vermieden.

 

„Der Austausch mit den anderen darüber, wie es bei ihnen in der Halle ist, ist ein unbezahlbar Mehrwert der Ausbildung.“ meint Olaf Starke

DAV: Hattest Du vorher schon Kontakte zu anderen Kletterhallenleitungen?

Olaf: Ja, es gab zu anderen DAV-Hallen Kontakt über eine Art von Stammtisch, der einmal im Jahr stattgefunden hat. Der ist logischerweise wegen Corona dann auch ausgefallen. Den Stammtisch haben wir zweimal gemacht mit Gießen-Oberhessen, Marburg, Wetzlar etc., also den Hallen, die bei mir im Umfeld sind. Wir haben uns live getroffen und haben uns ausgetauscht. Wir haben die Probleme angesprochen, nachgefragt, wer etwas zu diesem Thema weiß oder zu jenem Thema eine Idee hat. Das war aber nur sporadisch einmal im Jahr. Es war nicht so intensiv, wie es jetzt läuft. Jetzt ist der Austausch richtig intensiv. Es vergeht normalerweise keine Woche, in der nicht irgendeine Whatsapp oder Email herumgeht und irgendwelche Fragen gestellt werden.

DAV: Ich nehme von Deiner Schilderung mit, dass die Hemmung, eine Frage zu stellen, deutlich niedriger ist als beim jährlichen Stammtisch. Richtig?

Olaf: Ja, auch die Fragen an sich, die gestellt werden. Da ist die Schwelle auch sehr niedrig bei uns. Es schämt sich keiner, auch mal eine „dumme Frage“ zu stellen. Es gibt keine dumme Fragen und wir wollen uns alle einander helfen, dass wir als Gesamtheit der DAV-Hallen nach vorne kommen.

DAV: Ich bin alle meine Fragen an Dich losgeworden, vielen Dank für Deine Zeit. In welche kletterhallentypische Arbeit entlasse ich Dich jetzt nach unserem Interview?

Olaf: Bei uns steht am Samstag ein großer Jedermann-Wettkampf mit mehreren DAV-Kletterhallen an. Ein Event, den ich mit zwei anderen Kursteilnehmern auf die Beine gestellt habe. Da sind wir mitten in den Vorbereitungen.

 

Qualifikation in 5 Modulen

Wer die verantwortungsvolle Aufgabe der Betriebsleitung einer Kletterhalle übernehmen will, braucht für diese Tätigkeit neben viel Motivation auch Wissen und Können aus den Bereichen Sportbetrieb, Marketing, Technik, Personalführung und Betriebswirtschaft. Genau diese Themen werden in der 5-moduligen Qualifikationsreihe ausführlich beleuchtet.

 

Ende Juli 2022 geht es wieder los. Weitere Informationen und die Anmeldung gibt es hier.