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Sektion Erlangen: Auszeichnung für inklusive Klettergruppe

25.08.2016, 11:28 Uhr

Bei der Sektion Erlangen klettern  seit 2013 zwei blinde Jugendliche, regelmäßig in der Klettergruppe mit zwölf sehenden Jugendlichen. In dieser Zeit konnten nicht nur die beiden sehr viel lernen und Freude erleben. Auch die Betreuerin Claudia Bezold konnte neue Erfahrungen sammeln: „Wir möchten allen Mut machen, das Klettern (wieder) zu versuchen – auch wenn die Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind oder andere Gründe erst einmal gegen das Klettern sprechen.“ Claudia Bezold hat die DAV-Fortbildung „Klettern für Menschen mit Behinderungen“ besucht und hat für ihr Engagement den Erlanger Inklusionspreis 2015 der Stiftung Lebenshilfe erhalten.

 

Nachfolgend schildert Claudia Bezold die Hintergründe:

„Begonnen hat alles mit einer Anfrage der Eltern, ob deren Söhne bei uns das Klettern lernen
könnten. Da wir keine Erfahrung mit blinden Menschen im Bereich Klettern hatten, wollten wir
es in einem unserer Schnupperkletterkurse für Kinder, der 4 Termine umfasst ausprobieren,
anbieten. Statt des üblichen „Kletterns nach Farben“ mussten wir uns natürlich gleich andere
Kletterspiele überlegen. Es hat sich gezeigt, dass mit etwas Fantasie vieles geht – etwa
Wäscheklammern auf die Griffe legen, um zu markieren, dass dieser Griff nicht genommen
werden darf."
 

"Beim Schnupperkletterkurs hatten wir von Anfang an eine gemischte Teilnehmergruppe und haben die Situation auch nicht besonders thematisiert, sondern als „normal“ gesehen. Kinder gehen damit teilweise sowieso viel unvoreingenommener damit um als Erwachsene. Zwei blinde Jungs hatten dann Interesse, regelmäßig bei uns zu klettern und so haben wir ihnen die Möglichkeit geschaffen. Sie besuchen die Gruppe nun seit mehr als zwei Jahren und klettern sehr routiniert im Toprope, aber auch mit dem Vorstiegsklettern und dem Sichern haben wir begonnen. Hierbei müssen wir uns wieder andere Kommandos überlegen, damit immer deutlich erkannt wird, wo eine Lasche in der Wand ist, oder auch ob der Kletterer beim Vorstiegssichern Seil braucht. Bouldern macht den Jungs auch viel Spaß - gerade auch das Abspringen, das am Anfang nicht so leicht war. Am Anfang lag der Fokus der Betreuer
überweigend auf den beiden 12 und 14 Jahre alten Jungs, aber so langsam werden die anderen Teilnehmer der Gruppe mehr eingebunden. Die anderen Jugendlichen gehen mit den beiden recht offen um, wobei in der einen Stunde oft wenig Zeit für einen anderen Austausch ist. Bei Tagesfahrten in eine andere Kletterhalle waren sie auch schon mit dabei und gerade auf der Zugfahrt wurden viele Fragen gestellt: So konnten die sehenden Kinder besser die Welt
der blinden Kinder kennen lernen".
 

"Wie alle Teilnehmer machen auch die Beiden tolle Fortschritte, lernen immer wieder neues dazu und haben viel Spaß beim Klettern. Wichtig war uns immer, dass sie vieles selbständig machen können, und nur da von uns unterstützt werden, wo es nötig war. Durch das Klettern haben sie die Möglichkeit, viel Körpererfahrung zu sammeln. Es ist jedoch auch für beide immer total wichtig, dass sie gemeinsam die Gruppe besuchen, denn so können sie sich einmal
die Woche treffen und austauschen. Es nehmen auch immer wieder andere blinde Kinder an unseren Schnupperkletterkursen teil. Wir haben durch unsere Erfahrungen auch Mut und Spaß daran, das Klettern jedem Menschen näher zu bringen und die Möglichkeit zu geben, diesen Sport kennenzulernen und zu betreiben".
 

Auszeichnung für gelebte Inklusion

"Die Auszeichnung mit dem Inklusionspreis der Lebenshilfe kam für mich überraschend, denn
für mich war es an sich eine Selbstverständlichkeit, das Klettern mit blinden Menschen
durchzuführen. Durch die Erfahrungen mit ihnen hab ich für mich selbst viel dazu gelernt und
es macht richtig viel Spaß und Freude.“