logo-dav-116x55px

Sektion Coburg: Schnupperklettern für Menschen mit Behinderung

Es muss nicht die VI im Vorstieg sein: In der Kletterhalle der Sektion Coburg fand ein Schnupperklettern für Menschen mit Behinderung der Offenen Behindertenarbeit Oberfranken und deren Betreuer und Betreuerinnen statt.
 
Die Helferinnen und Helfer der Sektion, allesamt aktive Kletterer, hatten Topropes eingerichtet, Flaschenzüge aufgebaut und eine riesige Seilschaukel ins Dach gehängt, sodass sich die Gäste je nach Interesse und Können austoben und ihre Grenzen austesten konnten. Vorausgegangen waren der Aktion viele Gespräche, sowohl mit den Verantwortlichen der OBO als auch im Verein. Dabei stellte sich heraus, dass es viele begeisterte Unterstützer, aber auch Skeptiker gab, die bezweifelten, dass Menschen mit Behinderungen in eine Kletterhalle gehören – und das, obwohl es seit eineinhalb Jahren eine gut laufende integrative Klettergruppe für Kinder gibt.
 
„Schwimmen – ja, aber Klettern?“ – solche und ähnliche Bedenken wurden im Vorfeld von verschiedenen Seiten geäußert. Doch schnell geschah, was vielen anfangs in der Arbeit mit Behinderten passiert: Auch wenn mancher Gast sich nur mit Hilfe eines Flaschenzugs und einem nebenher kletternden Helfer mühevoll mit dem einen noch beweglichen Bein die Wand hocharbeiten konnte - das Strahlen im Gesicht, als die Decke erreicht war, war für alle
Beteiligten überraschend bereichernd. Im Laufe des Nachmittags wurden alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer – auch die vormaligen Zweifler – von der ungebremsten Begeisterung der Teilnehmer an der neuen
Erlebniswelt bezaubert.
 
 
 

Der Sinn einer solchen Aktion lag plötzlich allen klar vor Augen: Nicht die sportliche Höchstleistung steht hier im Mittelpunkt, sondern ein psychologischer Mehrwert, das Erweitern des oft eingeschränkten Erfahrungsraumes durch die Teilhabe an einem in der Gesellschaft hoch angesehenen Sport, der (vor allem gegenüber Schwimmen) immer noch einen gewissen Coolness-Faktor hat. Gerade für Rollstuhlfahrer stellt aber auch der Perspektivwechsel eine Neuerung dar.

Wer immer auf Bauchnabelhöhe unterwegs ist, für den ist das Herunterblicken auf die Welt eine wichtige Erfahrung – wie für gesunde Kletterer ja auch. Ganz besonders fällt aber auf, dass Klettern eine gute Möglichkeit ist, vor allem Menschen mit geistiger Behinderung aus einer Vermeidungshaltung herauszubringen, in die sie sich durch die ständige Erfahrung, dass sie mit anderen nicht mithalten können, gerettet haben.


Aber auch den Ehrenamtlichen der Sektion Coburg wurde bei den Aktionen überraschend bewusst, dass sich Gesunde von Menschen mit Einschränkungen einiges abschauen können:

Zu oft verstecken sie sich hinter einer abgebrühten Abgeklärtheit und zeigen ihre Begeisterung bei schönen Erlebnissen nur verhalten. Echte und offene Freude ungebremst zeigen – das steht allen Menschen gut!