logo-dav-116x55px

Erste Hilfe bei Erfrierungen, Hitze- und Sonnenschäden

Einmaleins für die Erste Hilfe am Berg (3)

Die Erstversorgung kann Leben retten. Denn in abgelegenen Regionen und bei schlechten Wetterverhältnissen (Sturm, Nebel …) kann es mitunter Stunden dauern, bis die organisierte Rettung den Unfallort erreicht. Deshalb hat Erste Hilfe oberste Priorität: Sofortmaßnahmen bei Erfrierungen, Sonnenschäden oder beim Herzinfarkt – ein Überblick.

Lokale Erfrierungen

Von lokalen Erfrierungen sind in der Regel vor allem Hände, Füße und Gesicht betroffen. Bei Erfrierungen unterscheidet man drei Grade – je nach Umfang der Gewebsschädigung. Erst nach der Wiedererwärmung ist es möglich, die Schwere der Erfrierung festzustellen; das volle Ausmaß der Verletzung ist manchmal erst nach Tagen zu erkennen.

 

Grad 1

  • Kälte, Blässe, stechende Schmerzen und Gefühllosigkeit
  • Haut anfangs weiß, später bräunliche Verfärbungen und Abblättern möglich

 

Grad 2

  • Diagnose erst nach Erwärmung möglich
  • Rötung, Schwellung, Blasenbildung (helle Flüssigkeit)

 

Grad 3

  • Diagnose erst nach Erwärmung möglich
  • Blasenbildung (blutige Flüssigkeit) und örtlich begrenztes Absterben von Gewebe
  • Wochen oder Monate später: Mumifizierung und scharfe Abgrenzung zum gesunden Gewebe

 

Behandeln:

... im Freien

  • Betroffenen mit warmen Getränken warmhalten oder aufwärmen
  • vor weiterer Kälteeinwirkung schützen, nasse Kleidung wechseln
  • erfrorene Stellen nur aufwärmen, wenn keine Gefahr des erneuten Einfrierens besteht
  • nicht mit Schnee einreiben, nicht massieren
    • Achtung: Gefahr von Gewebsschädigungen
  • erfrorene Körperteile nicht in den Mund stecken oder anhauchen
    • Achtung: Gefahr von Verdunstungskälte
  • erfrorene Körperteile am Körper wärmen, z.B. Hand in die Achselhöhle legen, Fuß in die Achselhöhle eines Kameraden legen
  • sterilen, trockenen Polsterverband anlegen und Körperteil druckfrei lagern
    • Achtung: extrem hohe Verletzungsgefahr durch Gefühllosigkeit
  • keine Salben auftragen
  • betroffene Extremitäten vorsichtig aktiv bewegen, wenn keine allgemeine Unterkühlung vorliegt
  • beheizte Räumlichkeiten aufsuchen (Berghütte)

 

... in der Berghütte

  • bei warmer Raumtemperatur heiße gezuckerte Getränke verabreichen
  • erfrorene Körperteile möglichst rasch auftauen:
    • in lauwarmes Wasser eintauchen
    • die Temperatur möglichst langsam durch Zugießen von heißem Wasser auf ca. 38 Grad Celsius erhöhen
    • bei großen Schmerzen die Temperatur auf keinen Fall weiter erhöhen
  • Blasen nicht punktieren oder öffnen, sondern steril abdecken
  • betroffene Extremitäten leicht hochlagern, um Schwellung und Blasenbildung zu vermindern; leicht bewegen lassen
  • bei schweren Erfrierungen (Grad 2 und 3) für eine schnelle klinische Weiterbehandlung sorgen und den Betroffenen möglichst wenig bewegen und abtransportieren
    • Achtung: keine trockene Wärme (Feuer/Heizung) anwenden – wegen fehlender Temperaturempfindlichkeit besteht die Gefahr von unbemerkt zugefügten Verbrennungen mit weiterer Gewebsschädigung
 

Allgemeine Unterkühlung

Von einer allgemeinen Unterkühlung spricht man, wenn die Körperkerntemperatur unter 35 Grad Celsius absinkt.

 

Ursachen:

  • Sturz in kaltes Wasser
  • Spaltensturz
  • Liegen im Freien
  • Lawinenunfall
  • Auskühlen über mehrere Tage (Expeditionen)
  • Nasse Kleidung und Wind beschleunigen die Auskühlung!

 

Man unterscheidet vier Stadien der Unterkühlung (Hypothermie), die jeweils unterschiedlich behandelt werden:

 

Stadium I – Patient ansprechbar, Muskelzittern (Körperkerntemperatur 32 - 35 Grad Celsius)

  • windstille Verhältnisse herstellen
  • vor weiterer Auskühlung schützen
  • heiße, süße Getränke verabreichen (keinen Alkohol!) l so viel wie möglich aktiv bewegen lassen

 

Stadium II – Patient erschwert ansprechbar, kein Muskelzittern (Körperkerntemperatur 32–28 Grad Celsius)

  • Wärmepackung auf den Brustkorb legen
    • Wärmepackung: gefaltetes Tuch mit heißem Wasser tränken, wasserdicht (z. B. mit Biwaksack) umhüllen, mit Isolationsschicht (z. B. Handtuch) umwickeln; alternativ: „Hot Packs“ einwickeln
  • große Bewegungen vermeiden
    • Achtung: Gefahr des Bergungstodes, wenn kaltes Blut aus den Extremitäten (Schalenblut) in den Körperkern gerät
  • Getränke nur verabreichen, wenn sie sicher geschluckt werden können
  • Betroffenen kontinuierlich überwachen

 

Stadium III – Patient nicht ansprechbar (Körperkerntemperatur 28 - 24 Grad Celsius)

  • Wärmepackung in stabiler Seitenlagerung anwenden
  • Patienten genau beobachten, Atmung kontrollieren
  • Notruf 112 absetzen

 

Stadium IV – Atem- und Herzkreislaufstillstand (Kerntemperatur unter 24 Grad Celsius)

  • Herz-Lungen-Wiederbelebung ohne Unterbrechung
  • Notruf 112 absetzen

 

 

Hitze- und Sonnenschäden

Gerade beim Bergsport werden Sonneneinstrahlung und Hitze oft unterschätzt: So können in südseitig exponierten Hängen Temperaturen um 40 Grad Celsius herrschen, während das Thermometer auf einem Gipfel trotz intensiver Mittagssonne nur wenige Grad über null zeigen kann.

 

Hitzeerschöpfung

Durch starkes Schwitzen und unzureichendes Trinken verliert der Körper bei Anstrengung große Mengen Flüssigkeit; es kommt schlimmstenfalls zum Volumenmangelschock.

 

Erkennen:

  • Schwindel
  • Erschöpfung
  • kalte, blasse Haut

 

Behandeln:

  • Betroffenen in den Schatten bringen
  • Flüssigkeit verabreichen, wenn diese noch sicher geschluckt werden kann
  • Schocklagerung anwenden

 

Hitzschlag

Die körpereigene Temperaturregelung versagt. Bei vorhandener Herzschwäche kann sich daraus schnell ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln.

 

Ursachen:

  • aktive Wärmeproduktion bei exzessiver Muskelarbeit; meist bei jüngeren Bergsportlern ohne Vorwarnung
  • passiver Wärmestau bei schwülem Wetter und ungeeigneter Kleidung; in der Regel bei älteren Personen

 

Erkennen:

  • trockene, heiße, gerötete Haut
  • Körpertemperatur bis 40 Grad Celsius
  • Bewusstseinsstörungen
  • Blutdruck zu Beginn hoch, bei Fortdauer aber Blutdruckabfall und Herzrasen (Schock)

 

Behandeln:

  • sofort konsequent kühlen!
  • in den Schatten bringen, Kleidung ablegen
  • feucht-kalte Tücher auf Bauch und Waden legen
  • Flüssigkeit nur verabreichen, wenn diese geschluckt werden kann
  • mit erhöhtem Oberkörper lagern – bei zunehmender Kreislaufstörung flach lagern
  • Achtung: insbesondere bei Senioren keine Schocklagerung anwenden – Gefahr des Herzversagens!
  • Kühlung abbrechen, wenn Kältezittern auftritt
  • bewusstlose Person in stabile Seitenlage bringen

 

Sonnenstich

Ein Sonnenstich ist eine Hirnhautreizung, die durch direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf hervorgerufen wird.

 

Erkennen:

  • Kopfschmerz, Unruhe l Nackensteifigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen l Schwindel

 

Behandeln:

  • Betroffenen mit leicht erhöhtem Oberkörper im Schatten lagern
  • den Kopf kühlen
  • bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringen
  • bei Atemstörungen und Bewusstseinstrübung Notruf 112 absetzen

 

Schneeblindheit

UV-Strahlung kann eine Entzündung des vorderen Augenabschnitts (Binde- und Hornhaut) verursachen; die Symptome treten meist ca. sechs Stunden nach dem Aufenthalt im Freien auf.

 

Erkennen:

  • gerötete und lichtempfindliche Augen
  • Schmerzen (Fremdkörpergefühl); Tränenfluss
  • Sehstörungen – bis zur Blindheit

 

Behandeln:

  • Augenbinde zum Abdunkeln der Augen auflegen
 

Herzinfarkt

Auch wenn ein Herzinfarkt nicht typisch beim Bergsport auftritt, sollte man die Möglichkeit immer in Betracht ziehen. Durch mangelnde Durchblutung – verursacht durch Gefäßverschluss im Rahmen von Verkalkungen – stirbt Herzmuskelgewebe ab.

 

Erkennen:

  • Brustschmerz hinter dem Brustbein
  • Schmerzcharakter: dumpf, brennend, kann in Arme, Hals oder Oberbauch ausstrahlen
  • Unruhe, Todesangst, kalter Schweiß, Blässe, oft auch Atemnot

 

Behandeln:

  • mit erhöhtem Oberkörper lagern (Herzentlastung)
  • Notruf 112 absetzen
  • beruhigend einwirken und Verletzten körperlich zur Ruhe bringen l enge Kleidung öffnen