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Neues vom DAV Expedkader der Herren - Risskletterei in deutschen Mittelgebirgen

03.05.2017, 21:12 Uhr

Die Trainingscamps des Expedkader-Programms vermitteln den Nachwuchsalpinisten diverse Einblicke in die unterschiedlichen Facetten des Kletterns. Die Trainer wählen dafür abwechslungsreiche Ziele in unterschiedlichen Klettergebieten aus, sowohl national als auch international. Nach Schottland fiel die Wahl von Michi Wärthl dieses Mal aufs Rissklettern im deutschen Sandstein. Martin Feistl berichtet:

Das dritte Trainings-Camp stand unter dem Stern der Risskletterei. In drei Tagen im Steinbruch in Heubach bei Darmstadt erlernten wir zum einen wie man mit den richtigen Tape-Handschuhen wie ein echter Risskletterer aussieht, zum anderen aber auch die dazugehörigen Techniken und die obligatorische Schmerzresistenz.

 

Früher oder später erreichten wir alle irgendwann den perfekten Riss-Flow – von unserem Trainer Michi liebevoll „Pam-pam-pam“ genannt.

 

Nur Fliegen ist schöner

Obwohl wir dieses Mal nicht mit dem Flugzeug anreisten, wurden dennoch sehr konsequent Flugmeilen gesammelt, womit Berni gleich sehr eifrig im „Telefonzellen-Ex“ am zweiten Tag begann.

 

Nach diversen anderen, meist cleanen, oder clean gekletterten Linien, wie „Verzicht“ (mit kaminbedingtem Verzicht auf Sicherungen im oberen Teil), „Seitenwechsel“  (mit namensgebendem Seitenwechsel), war das Riss-Highlight der teils überhängende und leicht offene Handriss „Mit alles und scharf“. Aber auch einige wenige risslose Routen wie „Filou“ und der „Rosettenkönig“ wurden geklettert.

 

 

Von Fusselschlingen, Kaminen und anderen sächsischen Spezialitäten

Nach dieser meist Chalk-losen Eingewöhnungszeit ging es nach Dresden, wo Paul Saß uns als Local durch das „Elbi“ führte. Nach einem für die Kassiererinnen höchst amüsanten Großeinkauf beim lokalen Edeka und einer Vertiefung unserer Handklemmtechnik an den Fugen der Betonsäulen in der dortigen Tiefgarage quartierten wir uns in einer Ferienwohnung im Kirnitzschtal ein.

 

Noch am Abend kletterten wie über den „Südweg“, die „Herkules’ Rippe“ und Herkulesstiege auf die Kleine Herkulessäule im Bielatal. Für den Einstieg gab’s hier schon mal genau so wenige Ringe wie erwartet, auf Flugmeilen wollte da jeder verzichten.

 

Sandstein-Gefühl

An Tag zwei ging es an die Affensteine, wo wir uns nach den Erfahrungen am Vortag fleißig mit oder ohne Flugmeilen in den Routen „Westwand“, „Reitweg“, „Säbel“ und einigen anderen klassischen Linien fürchteten. Laut Johannes sind die Sachsen in Kaminen Meister, weil sie dort kleben wie Kleister. Der Ausstiegskamin im „Reitweg“ vermittelte aber zeitweise eher das Gefühl von Schmierseife mit unkontrollierten, rutschenden und schrubbenden Bewegungen, um irgendwie gegen die Schwerkraft und natürlich die nicht vorhandenen Sicherungen im Kamin zu arbeiten.

 

Einmal kurz den Fuß in dem wirklich sehr weichen Sandstein bewegt, bildet sich ein Kugellager zwischen Schuhsohle und Fels. Die Konsequenz ist meist ziemlich kompromisslos nach unten orientiert. Außer in Kaminen, da bleibt man ja kleben.

 

Vom neuen Umgang mit Angst

Am letzten Tag fuhren wir an eine klingende Felsnadel namens „Höllenhundspitze“ mit einem „Talweg“ in dem angeblich schon bis zu 57 Sanduhren gefädelt wurden. Dass die Angaben von Paul „7-“ und „gut gesichert“ nicht zwingend bedeutete, ohne Angstzustände durch die Route zu kommen, haben wir bereits gelernt. Berni durfte nebenan in der „Herrenpartie“ erfahren, dass, wenn Paul sagt: „Da liegt eine Schlinge“,das keinesfalls bedeutete, dass die Schlinge da schon liegt, sondern noch gelegt werden will.

 

Währenddessen komplettierten wir mit dem obligatorischen Überfall vom Vor- zum Hauptgipfel mit einem Ring und einer Bandschlinge um eine Eisenplatte die Liste der sächsischen Kletterspezialitäten. Je fusseliger die Schlinge, desto höher ist der Klettereffekt und desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sie schon beim Weiterklettern heruntergezogen wird.

 

Hoher Einsatz mit hohem Erlebnisfaktor

Ein sehr treffendes Fazit zu unseren Klettereien im Elbsandstein zog Finn: „Der zu bringende Einsatz ist teilweise doch eher ungewöhnlich hoch, ob man diesen Einsatz dann an einer 70 Meter hohen Nadel in Mitteldeutschland bringe möchte oder sich die Energie lieber für eine große Wand im Hochgebirge aufspart, muss man sich schon gut überlegen. Der Erlebnisfaktor ist dafür aber gemessen an den kurzen Routen enorm hoch und entlohnt meistens für einige Entbehrungen.“

 

Martin Feistl

 

Mit freundlicher Unterstützung von