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Mugu Expedition - Christof Nettekoven und Team in West Nepal unterwegs

22.12.2017, 11:16 Uhr

Christof Nettekoven hat über den DAV bereits diverse Expeditionen anteilig gefördert bekommen. Seine Projekte und Ideen ebenso wie seine Erfolge sind überzeugend und präsentieren einen Alpinismus, der der Philisophie des Deutschen Alpenvereins rundum gerecht wird. In diesem Jahr zog es ihn nach Nepal.

 

Die folgenden Absätze geben Einblick in eine erneut spannende Expedition, deren umfassende Besonderheiten Sie am besten aber in voller Länge im PDF nachlesen:

 

Nepals entlegener Westen

Die atemberaubende Hochgebirgslandschaft des Himalaya im entlegenen Westen von Nepal bietet auch heute noch eine Vielzahl an Möglichkeiten, um unberührte Täler und unbestiegene Berge zu erforschen.

 

Das Ziel unserer Kundfahrt ist es, von Mugu aus die unbestiegenen Berge des Kangla Himal und des westlichen Zipfels des Gorakh Himal zu erschließen. In diesem völlig unerforschten Gebiet wartet eine ganze Reihe von Gipfeln um die 6.000m mit spannenden Eisrouten und Graten.

 

Der Mugu Distrikt

Unser Zielgebiet liegt im Mugu Distrikt und erstreckt sich nordwestlich des Mugu Khola Tals, westlich vom Namja La Pass, vom Namja Laguja Danda in westlicher Richtung durch den noch gänzlich unerforschten Kangla Himal an der tibetischen Grenze entlang durch das Chuwarsing Khola, Take Khola und Kangla Khola Tal bis zum Kang La Pass und weiter westlich zum bergsteigerisch noch unberührten östlichen Ausläufer des Gorakh Himal. Dieser westliche Teil des Zielgebietes gehört zum Humla Distrikt, durch den auch unser Rückweg nach Simikot führt.

 

Gipfel N1

Am 01.10. begann für Nils Beste, Franz Friebel, Harry Kirschenhofer, Ingo Röger und Christof Nettekoven, das Abenteuer mit zwei Inlandsflügen in winzigen Twin Otter Maschinen von Kathmandu via Nepalgunj nach Jumla (2.300m), wo wir am 02.10. ankamen. Von dort fuhren wir mit dem Jeep in 8,5h am Rara See vorbei bis kurz vor Gamgadhi (2.000m), der Distriktverwaltung von Mugu, und trafen am 03.10. auf unser lokales Team aus Trägern und Mulitreibern. Kurz vor Gamgadhi bedeutete einen halben Tag zusätzliches Trekking. Wie wir erst später erfuhren, hatten die Pferdetreiber und der Local Guide die Nacht zuvor ein Saufgelage abgehalten, was die Leistungsbereitschaft doch etwas einschränkte. Bei Gamgadhi stieß auch Bernhard Emmerich zu uns, der in Nepal lebt und schon voraus geflogen war. Endlich vereint und mit Hilfe von Bernhard´s fließendem Nepali, war es unsere größte Bemühung in den nächsten Tagen die verlorene Zeit wieder aufzuholen, um im Plan zu bleiben. Von Gamghadi aus stiegen wir zunächst auf ca. 1.800m in die Mugu Karnali Nadi Schlucht ab.

 

Am frühen Morgen des 07.10. passierten wir bei dem Ura Tempel die Zeltlager weiterer Pilger. Kurz darauf erreichten wir das Dorf Mugu (ca. 3.400m) mit seinen Tor-Chörten, wo wir wieder auf Nils und Bernhard trafen. Hier wurde die Bergausrüstung aufgeteilt, die die beiden für den Besteigungsversuch des Mugu Felsbogen einplanten. Kurz hinter dem Dorf führt ein Seitental westlich ab, hoch hinauf zu einer Felswand. Ganz oben in der Granitwand hat sich ein natürlicher Felsbogen gebildet, der in seiner Form und Größe mit denen des Arches Nationalparks in den USA zu vergleichen ist.

 

Plan war es, dass Nils und Bernde sich die nächsten drei bis vier Tage an der imposanten Felswand versuchen sollten, während das restliche Team weiter zum geplanten Basislager am ersten Bergziel N1 ziehen sollte. Der spektakuläre Felsbogen wurde zuerst durch eine Britische Expedition 2009[1] entdeckt, verblieb aber, wie so vieles hier, komplett unberührt.

 

 

Mühevolle Taldurchquerung

Am 08.10. mussten wir die nicht passierbare, tiefe Schlucht des Takya Khola Tals über den steilen Berghang umgehen. Die noch fehlende Akklimatisation machte sich bei dem Steilstück bemerkbar. Danach stiegen wir in das jetzt wieder breitere und gut begehbare Takya Tal ab. Aber das gesamte Tal hatten wir völlig unterschätzt und es zog sich wesentlich länger als erwartet. Ständig mussten Fels- und Schuttkegel mühevoll gequert werden.

 

In einem östlichen Seitental zeigte sich unser Bergziel zum ersten Mal mit seinen Gletscherbrüchen von der Südseite. Schließlich erreichten wir den Hauptzugang zur Westflanke und schlugen unser Basislager auf ca. 4.666m auf (N29°55.262, E082°29.214E). Franz und Ingo schlugen ihr Lager etwas tiefer auf ca. 4.500m auf und wollten am Folgetag zu uns ins Basislager stoßen.

 

Auf der Suche nach dem Abstieg

Am 09.10. erreichten Franz und Ingo das Basislager, während Harald und Christof zur Akklimatisation den Pass über die westliche Berggruppe aufstiegen, von wo man einen sehr guten Überblick über die Westseite hatte, die über eine Schotterflanke auf die südwestliche Schulter und weiter durch Blockwerk und eine nicht einsehbare Passage schließlich auf ein Felsplateau führen sollte.

 

Dahinter lag die Crux in dem nicht zu erkennenden Abstieg als Übergang auf den Gletscher. Am gleichen Tag stieg Franz noch in die Schotterflanke ein und erkundete das Labyrinth von Blockgelände, ohne eine geeigneten Lagerplatz zu finden.

 

 

 

Abenteuer Höhe

Zurück im Basislager erfuhren wir via Satellitentelefon, dass Nils und Bernhard ihren Versuch am Mugu Felsbogen aufgeben mussten und bereits zu uns unterwegs waren. In der Zwischenzeit waren die beiden von Mugu auf ca. 4.500m durch das Seitental bis kurz vor den Fuß der Felswand aufgestiegen, wo sie campierten. Die Felswand war wesentlich anspruchsvoller als angenommen und die minimalistische Ausrüstung einfach nicht ausreichend.

 

Als Alternative erkundeten sie noch einen weiter nördlich gelegenes Schuttcouloir, welches auf den nicht weniger anspruchsvollen Grat, direkt über den Felsbogen schließlich auf den Gipfel auf ca. 5.430m führen sollte. Aber Bernhard begann sich schlecht zu fühlen, musste sich übergeben und hatte Magenprobleme, also brachen sie weitere Erkundungsversuche ab.

 

Der Gipfelversuch

Am 11.10. stieg Franz noch einmal in die Schuttflanke auf und fand vom Felsplateau aus einen Gratübergang auf den Gletscher, während der Rest des Teams sich ausruhte. Dann erreichten Nils und Bernhard das Basislager im Takya Khola Tal. Das Team war für den kommenden Gipfelversuch wieder vereint.

 

Nun war es an der Zeit für eine Puja Zeremonie, um die Berggötter für den kommenden Gipfelversuch gütig zu stimmen. Dafür errichteten die Nepali aus Steinen einen kleinen Altar mit Feuerstelle auf einem großen Felsen mit Sicht auf unseren Berg. Nun musste jeder seine Opfergaben, wie Reis, Geld oder auch persönliche Gegenstände wie Fotos von Angehörigen in diesen Schrein legen, während Mantras und Gebete gesprochen wurden, um für eine sichere Besteigung zu bitten. Die Wetterprognosen ließen einen Temperatursturz erwarten, aber am 12.10. fühlten wir uns stark genug für den Gipfelversuch, also stiegen wir mit der letzten fehlenden Ausrüstung zum Depot auf und schlugen unsere Zelte im Hochlager auf ca. 5.148m (N29°55.246, E082°30.367) auf.

 

Der Gipfeltag am 13.10. begann um 5:00 mit der schlechten Nachricht von Harry, dass er sich nicht gut fühlte und wir ohne ihn losgehen sollten. Wolken und starker Wind zogen auf, aber wir wollten die Gelegenheit nutzen. Das restliche Team startete um 6:00 Uhr durch das steile, unwegsame Blockgelände. Die beste Linie führte über den Grat am östlichen Ende des Geröllfeldes auf das Felsplateau. Vom Plateau führte ein recht breiter Grat schließlich auf den gutmütigen Teil des Gletschers, der unterhalb des Westgipfels in die Südflanke abstürzt. Wir folgten dem Gletscher zum Joch zwischen Süd- und Hauptgipfel, um über die Südflanke auf den vermeintlichen Hauptgipfel zu steigen. Auf 5.856m (N29°55´39.67´´, E082°31´12.25´´) angekommen, stellte sich heraus, dass der vermeintliche Hauptgipfel vom Nordgrat um wenige Meter überragt wurde. Also nahm sich Nils ein Herz und stieg auf den messerscharfen Nordgrat ab um im direkten Gegenanstieg eine Spalte zu queren und schließlich den höchsten Punkt mit 5.865m zu vermessen. Der starke Wind und das Wolkenband verhinderten ein perfektes Panorama, aber im Westen stachen die drei 6.000er Pyramiden der Kangla Gruppe hervor und ließen uns von den nächsten Bergzielen träumen.

 

Am 14.10. querten wir über einen 5.000m hohen Passübergang in das westlich gelegene Chuwarsing Khola Tal ab. Auf ca. 4.500m fanden wir einen See als geeigneten Lagerplatz, weil weiter unten im Tal in Richtung der N2 und N3 Gipfel kein Wasserlauf ersichtlich war.

 

Das Auskundschaften ging weiter

Weitere Gipfel wurden in den kommenden Tagen angegangen, ausführlich kann dies im angehängten PDF nachgelesen werden.:

 

Gipfel N2, Lek Fett Südwest-Flanke und Westgrat, 5.767m

Gipfel K1, Pratibandhit Lek, Westgrat, 6.130m

 

Ausführlicher Expeditionsbericht als Download:

DAV Mugu Bericht 2017 , 3,10 MB

 

Der Rückweg

Am 19.10. traten wir den Rückweg flussabwärts über das Take Khola Tal bis weiter nach Simikot. Von dort flogen wir am 28.10. über Nepalgunj wieder zurück nach Kathmandu, wo wir bei gutem Essen und reichlich Bier die Expedition ausklingen ließen.

 

Teamabenteuer gelungen

Diese explorative Tour in den entlegenen Westen Nepals hat uns alles abverlangt, aber gleichzeitig auch alles geboten, was man sich von einem Abenteuer nur erträumen kann.

 

Wir danken Nepal und seinen tollen, gastfreundlichen Menschen für dieses wunderschöne Erlebnis!

 

Dhanyabaad!

 

(Text und Fotos Christof Nettekoven)