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Klettern in der Wüste und eine Erstbegehung

10.10.2018, 11:38 Uhr

Elli Wiewiora vom Expedkader Frauen berichtet von ihrer Iran-Reise.

Elli Wiewiora und Phillip Pichlbauer verbrachten einige Zeit beim Klettern und Bergsteigen im Iran. Zum einen konnten sie dabei das beachtliche Sportkletterpotenzial in der Region um die Hauptstadt Teheran auskundschaften, zum anderen auch eine Erstbegehung einer Trad-Mehrseillänge mit nach Hause bringen. Auch alpinistisch hatten die beiden einige Pläne, die aber von den vielen Unsicherheiten einer Reise in ein unbekanntes Land durchkreuzt wurden.


Elli hat die Eindrücke ihrer Reise aufgeschrieben:

 

 

 

„Es ist Donnerstagvormittag. Ich sitze im Wartezimmer einer Zahnarztpraxis in Innsbruck. Durch die halb offene Tür des Behandlungszimmers höre ich, wie Phillips Weisheitszahn gezogen wird. Ich warte auf einen Rückruf der iranischen Botschaft in Wien, bezüglich unserer Visa.

Erstaunlicherweise sitzen wir schon vier Tage später mit Pass und ohne Zahn im Flugzeug nach Teheran!"

 

Beeindruckendes Sportkletterpotenzial

 

"Unser erstes Ziel ist das an der Chalus Road gelegene Klettergebiet Pol-e Khab. Die 100 Meter oberhalb des Dorfes gelegene breite Granitwand bietet alles: Neben gebohrten Sportkletterrouten befinden sich selbst abzusichernde Rissklettereien und Aid-Routen. Wir bleiben einige Tage, schlagen unser Zelt direkt am Fuß der Wand auf und lernen andere Kletterer kennen. Wir sind begeistert von dem abwechslungsreichen Routenangebot und von der Motivation und Freundlichkeit der einheimischen Kletterer.

 

Weiter geht es nach Baraghan, einem weiteren Sportklettergebiet im Norden Teherans. Zwei Tage schlafen wir an einem wunderschön erfrischenden Bach und klettern an riesigen Sintern. Kalymnos lässt grüßen!"

 

Rückschläge am Alam-koo

 

"Nach zwei Nächten in Teheran brechen wir zum Alam Kooh auf, mit fast 5000 Metern der zweithöchste Berg im Iran. Unser Plan ist es, von Norden, über die German Flank auf den Gipfel zu klettern. Zunächst fahren wir erst einmal unabsichtlich in das falsche Tal. Nach kurzer Verwunderung freuen wir uns darüber aber sehr, da wir so zwei coole Wände entdeckt haben. Wir sprechen mit einheimischen Bergsteigern und unserem Fahrer und erfahren so, dass hier noch niemand geklettert ist. Am liebsten würden wir gleich in eine tolle Linie einstiegen, jedoch haben wir zu wenig Ausrüstung dabei. Uns ist klar: Wir wollen wieder kommen!

Im richtigen Tal angekommen, werden wir von drei Hirten in ihre Steinhöhle eingeladen und köstlich verpflegt. Am nächsten Tag wandern wir 1600 Höhenmeter zum Alamchal, dem Camp am Fuße der Alam Kooh Nordwand. Bereits heute fühle ich mich nicht gut und leide an Durchfall. Trotzdem kämpfe ich mich bis zum Camp und wir entscheiden, dort einen Pausetag einzulegen. Dank meines warmen Schlafsacks von Mountain Equipment verbringe ich auch auf 4200 Metern eine gute Nacht und es geht mir etwas besser. Als wir am nächsten Tag um 5 Uhr losgehen, sehen wir jedoch bald ein, dass es keinen Sinn hat. Wir entscheiden uns, zurück ins Tal zu gehen, bevor ich in dieser Höhe und Abgeschiedenheit alle meine Kräfte verliere.

 

Nach ein paar Tagen Pause in Teheran fahren wir Richtung Süden! Wir verbringen tolle Sportklettertage in Isfahan am Sofeeh und White Mountain. Weiter geht es in die Wüste, wo wir zwei Tage in Mesr, einem kleinen Dorf verbringen.

 

Mit dem Nachtzug geht es zurück nach Teheran und von dort zurück zum Alam Kooh. Diesmal sind wir für die Wand, die wir vor einigen Tagen entdeckt haben, ausgerüstet: Halbseile, Schlaghaken, Hammer, zwei Sätze Friends, Keile und vieles mehr befindet sich in unseren schweren Rucksäcken."

 

Erstbegehung am Tang-e-Galoo

 

"Abends erreichen wir das Tal und schlagen unser Zelt auf dem Geröll auf. Solange es hell ist, blicken wir zur Wand hinüber. Eine Linie springt uns besonders ins Auge. Sie erscheint uns als der einfachste, logischste und schönste Weg entlang von Rissen und Verschneidungen, also gut mit unserem Material absicherbar. Wir versuchen die Strukturen der Wand zu entschlüsseln und denken über mögliche Fluchtwege nach.

Mir wird klar, dass es einen großen Unterschied macht, ob man einfach daheim im Kaiser einen schönen Klassiker wiederholt, ein super Topo, eine Abstiegsbeschreibung, gebohrte Stände und Handyempfang hat. Oder ob man im Iran, in einem tiefen Tal, in eine Wand einsteigt über die man keinerlei Informationen besitzt. Am nächsten Tag stehen wir am Einstieg und freuen uns riesig auf den Tag. Mit soooo viel Material am Gurt kann man sich nur sicher fühlen.

 

 

Wir sind sofort angezogen von diesem wunderschönen Abenteuer und genießen es, ins Unbekannte zu klettern und selbst unseren Weg zu suchen! Überglücklich kommen wir am Ausstieg an und sind uns beide sicher: Wir wollen mehr!

Außer einem Loch in meinem Helm, einem verlorenen Schlaghaken und dem Angriff eines Kaktusses im Abstieg, hat alles super funktioniert!

 

Uns bleiben noch zwei Tage. Wir entscheiden uns dagegen, auf bekannten Routen auf den Alam Kooh zu klettern, sondern wollen nach einem Tag Pause und Auskundschaftung noch eine Erstbegehung versuchen. Wir steigen unser Geröllfeld weiter hoch und finden eine zweite Traumlinie. Als ich am Abend Nasenbluten und leichtes Fieber bekomme wird uns klar, dass wir jetzt schon seit vier Wochen ohne wirkliche Pause am Reisen sind. Wir nehmen uns vor, den nächsten Tag vorsichtiger anzugehen. Mir geht es am nächsten Tag wieder viel besser, jedoch hat Phillip über Nacht hohes Fieber bekommen. Schweren Herzens packen wir unsere Sachen ein und machen uns auf den Rückweg nach Teheran zum Flughafen."

 

Positives Fazit

 

"Auch wenn Phillip und ich beide mal krank waren und umdrehen mussten, habe ich unsere Reise unglaublich positiv in Erinnerung. Wir haben ein extrem gastfreundliches Land kennengelernt, tolle Sportklettergebiete und hohe Berge gefunden. Das Potenzial für neue Sport- und Alpinkletterrouten ist enorm.

 

Für mich war es die erste lange Reise in ein Land, dessen Sprache ich weder lesen noch sprechen kann. Die Erfahrungen, die wir am Alam Kooh machten, haben uns beide weiter gebracht, was das taktische Vorgehen bei großen Unternehmungen angeht. Ich fühle mich jetzt schon ein bisschen besser für die Abschlussexpedition mit dem Expedkader vorbereitet.“

 

Infos zu "Merci Vanet"

 

Erstbegeher: Elena Wiewiora und Phillip Pichlbauer, September 2018

 

Anforderung: UIAA VII, 250 Meter, komplett Trad

 

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