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"Jung stirbt, wen die Götter lieben" - Erstbegehung am Aggenstein

04.04.2018, 19:23 Uhr

Fritz Miller und Finn Koch widmen ihre Neutour den verunglückten Lorenz Gahse und Franz-Xaver „Xari“ Mair.

Die Nord- und Nordostwand des Aggenstein bei Pfronten durchziehen mittlerweile einige Mixedrouten. Der leicht erreichbare Berg bietet klassische Eis-, Mixed- und vor allem Graskletterei und hat sich dadurch in den letzten Jahren neben dem Rubihorn zu einem Allgäuer Kletter-Hotspot entwickelt. Besonders die Routen „Isidor-Hacker-Gedenkweg“, „Walking on frozen gras“, „Schottengully“ und „Haffroute“ erfreuen sich großer Beliebtheit.

 

Dass sich dennoch neue Linien finden lassen bewiesen Fritz Miller (Expedkader 2007-2009) und Finn Koch (Expedkader 2016-2018) bereits im vergangenen Winter: Nach fünftägigen Vorarbeiten gelang ihnen am 09.02.2017 die Erstbegehung ihrer Linie am Aggenstein Ostgipfel. Dabei konnten sie alle Seillängen A.F., also alle Züge frei klettern, aber nicht rotpunkt, also am Stück ohne Sturz oder ins Seil zu setzen.

Das konnte Fritz am 22.03.2018 mit Michaela Schuster nachholen: Rotpunkt bewältigte er jede Seillänge.

 

Infos zur Route "Jung stirbt, wen die Götter lieben" (400m, M9+)

 

1. SL: 50m, M5, 2 NH, 1 Grashaken. Offensichtliche Rampe mit Gras, Schnee und Eis. Stand an 2 BH.

 

2. SL: 30m, M6+ 4 BH, 1 SU-Schlinge. Brüchige Felsrampe, zuletzt exponiert zu Stand an 4 BH in Höhle.

 

3. SL: 20m, M9+, 3 BH, 4 NH mit Seilschlinge. Dachartige Verschneidung, überwiegend Drytooling. Stand an 2 BH.

 

4. SL: 35m, M7, 3 BH, 1 NH mit Seilschlinge. Zunächst exponierter Mixed-Quergang, dann einfach zu Stand an 2 BH (Abseilstand rechte Linie).

 

5. SL: 60m, Schnee, Eis und M3. Stand an 2 BH.

 

6. SL: 30m, Schnee und M2 (Band). Fixkeil mit Seilschlinge in der Mitte der SL. Stand an 2 BH (Abseilstand linke Linie).

 

7. SL: 50m, M7-, 1 BH. Rechtshaltend zu BH (vom Stand nicht sichtbar), dann gerade hoch und zuletzt durch Schnee zu einzelnem Baum.

 

8. SL: 55m, Gras/Schnee und Stellen M2-3. Route nicht genau definiert. Stand an einzelnem BH mit Seilschlinge (bei viel Schnee evtl. nicht auffindbar).

 

9. SL: 70m, Gras/Schnee und Stellen M2-3. Route nicht genau definiert. Stand an 2 BH am Ostgrat.

 

Abseilen rechte Linie:

Vom Stand nach der 4. SL 50m rechtshaltend in Rinne (2 BH u. Markierungsseil). Von dort 45m zum Boden.

Abseilen linke Linie:

Der direkte Weg, aber sehr exponiert und Seilabziehen z. T. mühevoll. Vom Stand nach der 6. SL knapp 60m zu großem Schneeband (2 BH). Von dort knapp 60m auf die Rampe der 1. SL. 10M hochklettern zum 1. Stand. Von dort 40m zum Boden.


 

Empfohlenes Material:

Cams Gr. 0.2-3, Hammer + kleines Sortiment Schlaghaken, 1-2 Grasanker, 1 Eisschraube 13cm

 

Fritz und Finn vergaben den Routennamen in Gedenken an ihre tödlich verunglückten Freunde Lorenz Gahse und Franz-Xaver „Xari“ Mair.

Lorenz verunglückte 2016 wenige Wochen nach der Aufnahme in den Expedkader 2016-18 am Schneefernerkopf im Wetterstein. Fritz und Finn kannte er bereits von vorausgegangenen Nachwuchscamps. Mit Finn kletterte er beispielsweise den Schüsselkar-Klassiker „Locker vom Hocker“.

 

Xari kam im Januar 2018 in einer Lawine ums Leben, als er Eisklettern im Südtiroler Langental war. Er war Bergführeraspirant und Mitglied im Expedkader 2013-15 und kannte die beiden benfalls aus diesem Umfeld. Mit Fritz versuchte er sich etwa im Herbst 2017 am Ogre III in Pakistan.

„Wir widmen diese Route unseren Freunden Lorenz Gahse und Franz-Xaver „Xari“ Mayr. Ihr seid nicht mehr hier, aber ihr leuchtet weiter.“ - Fritz Miller in seinem Originalbericht (siehe Downloads).