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Felsausbildung für den Expedkader Männer

31.10.2019, 17:49 Uhr

Gutes Wetter bescherte dem neuen DAV-Expedkader Männer eine erfolgreiche erste Felssaison.

 

„Wir wollen uns nicht an einer festen Ausbildungsstruktur entlang hangeln. Wir machen das, was gerade von Wetter und Verhältnissen her passt,“ erklärt Kadertrainer Fritz seine Herangehensweise. Gut, dass bei drei Treffen des Expedkaders das Wetter mitspielte. So konnten die Jungs viel zu verschiedenen Felsthemen lernen und ausbrobieren. Doch vor allem können sie nach diesem Sommer auf eine beeindruckende Liste erfolgreicher Begehungen zurückblicken.

 

Start auf der Reutlinger Hütte

 

Nach dem Treffen mit dem Kadersponsor Mountain Equipment und einem organisatorischen Treffen im Allgäu führten die ersten Outdoortage in das Gebiet um die Reutlinger Hütte im Verwall. Als Arbeitseinsatz für Fritz Heimatsektion Reutlingen konnte der Expedkader drei Neutouren an den Pflunspitzen und der Reutlinger Wand erstbegehen. Die Topos dazu gibt es - in Kürze - auf der Sektionsseite.

 

„Das war eine Mischung aus Arbeitseinsatz und Ausbildung. Eigentlich wollte ich etwas zum Thema Einbohren erklären, aber die Jungs konnten das eigentlich schon...“, fasst Fritz zusammen.

 

Technisches Klettern, schwere Mehrseillängen und lange Grate in der Schweiz

 

Wenige Wochen später fuhr der Kader nach Göschenen bei Andermatt. Der Urner Granit bietet eine weit gefächerte Spielwiese von schweren, teilweise cleanen Mehrseillängen wie etwa an der Teufelstalwand hin zu einigen Technorouten. Aber auch alpine Grate gibt es genug, allen voran der bekannte Salbit Westgrat.

Nach nur einer Ausbildungseinheit im Klettergarten stürzten sich die Kadermitglieder gleich im großen Stil in die Disziplin, die mittlerweile fast schon ein Schattendasein führt: Technisches Klettern im Bigwallstil. Im Eingangsbereich des Voralptals hatte Fritz mit dem NRW-Alpinkader 2017/18 die Route „Mosquito Circus“(A3, 6c, 285 m) erstbegangen, auch etwas unterhalb gibt es einige Technorouten. In „Mosquito Circus“ probierten sich Florian, Fabian, Hermann und Korbinian Grünauer. Nach drei Seillängen richteten sie ihr Biwak auf einem Band und einem Portaledge ein, tags darauf erreichten alle vier in Zweierseilschaften den Ausstieg. Unterdessen gelang Fritz, Anderl und Korbinian Fischer die erste Wiederholung der Route „The Shield“(A3-, 6c, 215 m), bevor Fritz und Korbinian Fischer mit der Erstbegehung der Ausstiegsvariante „North Face Exit“(A2+, 5b, 70 m) begannen.

Als Kontrast zur langsamen Technokletterei entschieden Fabian und Korbinian Grünauer am nächsten Tag die teilweise cleane Freikletterroute „Florina“(7c, 235 m, 6 SL) an der Teufelstalwand zu probieren. Statt den Fingern wollten Florian und Hermann lieber die Beine ausschütteln und entlockten dem langen Salbit Westgrat ohne Routenkenntnis eine Begehung in 3:50h. Nur Fritz und Korbinian Fischer stiegen erneut in die Trittleitern und kletterten in einer ähnlichen Zeit die letzte Seillänge des „North Face Exit“ und schlossen damit ihre Erstbegehung ab.

 

 

Nach einem weiteren Freikletter-Intermezzo – unter anderem gelang Fabian eine Flashbegehung der Route „Black Jack – Jack Daniels“ (7c+, 115 m, 5 SL) im Voralptal – kletterten Fritz und Fabian „School of Rock“ und Korbinian Grünauer, Anderl und Hermann „The Shield“. Beide Seilschaften stiegen über den „North Face Exit“ aus und sicherten sich somit die erste und zweite Wiederholung.

 

Dass die Nachwuchskletterer nach nur einem Ausbildungsnachmittag bereit für erste mehrtägige Bigwalls waren kommt nicht von ungefähr: „Wir konnten auf sehr gutes Vorwissen zurückgreifen“, erklärt Fritz. „Dieses Grundverständnis beschleunigt den Lernprozess sehr, so konnten wir sehr schnell in richtige Routen einsteigen, um Erfahrungen zu sammeln. Und darauf können wir beim nächsten Mal aufbauen.“

 

Lange Tage im Val di Mello

 

Dafür sollte es noch eine gute Gelegenheit geben. Im September konnten die Jungs ein weiteres stabiles Wetterfenster nutzen um ins „Yosemite der Alpen“ zu fahren. Zwar wird das italienische Val di Mello vor allem wegen der landschaftlichen Ähnlichkeit gelegentlich so genannt, doch es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit: In kaum einen anderen Gebiet der Alpen dominiert das Technische Klettern noch so stark.

 

Das höchste Technoziel im Val di Mello ist die bis zu 700 Meter hohe Ostwand des Monte Qualido. Zwar haben die meisten Routen oder Kombination mittlerweile eine freie Begehung gesehen, aber Klassiker wie „Mellodramma“6b, A3, ca. 720 m, 20 SL) sind trotzdem noch eine Bastion der Trittleiter. Fritz, Hermann, Florian und Anderl kletterten die Route in drei Tagen.

 

 

Fabian und Korbinian Grünauer stiegen währenddessen in die Routenkombination „Mediterraneo–Melat“(8a, insg. ca. 650 m, 19 SL) ein, für die sie zwei Tage brauchten.

 

Doch damit nicht genug: Auch dem Thema Speedklettern und Linkups wurde noch ein (langer) Tag gewidmet. Hermann und Florian konnten an einem Tag an verschiedenen Wänden „Il risveglio di Kundalini“, „Luna Nascente“, „Piedi di Piombo“, „Ozeano irrazionale“ klettern - und damit insgesamt etwa 1300 Klettermeter/40 SL bis 6c.

 

Fabian und Fritz kletterten die Routenkombination „Asteroidi-Qualido-P2590-Traverse“. Sie verbanden „Piedi di Piombo“, „Ozeano Irrationale“, gelangen über den Grat zum Martello del Qualido, kletterten an dessen Südkante drei Längen der Route „Vertical Holidays“ und erreichten schließlich über den Qualido Gipfelgrat den P2590. Insgesamt waren das etwa 30 Seillängen bis 6c und A2 sowie einige Abschnitte leichter Gratkletterei.

 

Korbinian Grünauer und Andreas Lindner versuchen die Route „Il suono del Mellotron“ (6c, A3, 370 m, 9SL) am Precipizio degli Asteroidi, kamen wegen unklarer Linienführung und schlechter Absicherung aber nicht weit.

 

Routenliste Sommer 2019

 

  • „Mosquito Circus“ (A3, 6c, 285m, 9 SL), Voralptal

 

  • „The Shield“ (A3-, 6c, 215 m, 7 SL), Voralptal

 

  • „North Face Exit“ von „The Shield“ (A2+, 5b, 70 m, 2 SL), Voralptal

 

  • "Florina" (7c, 235 m, 6 SL), Teufelstalwand

 

  • Salbit Westgrat, Göschenen

 

  • „Black Jack – Jack Daniels“ (7c+, 115 m, 5 SL), Voralptal

 

  • „Inox“ (7a+, 200 m, 6 SL), Schöllenen-Schlucht

 

  • „The School of Rock“ mit „North Face Exit“ (7a+, A3+, 205 m, 7 SL), Voralptal

 

  • „Mellodrama“ (6b, A3, ca. 720 m, 20 SL), Val di Mello

 

  • „Mediterraneo–Melat“ (8a, insg. ca. 650 m, 19 SL), Val di Mello

 

  • Link-up  „Il risveglio di Kundalini“, „Luna Nascente“, „Piedi di Piombo“, „Ozeano irrazionale“ (ca. 1300 Klettermeter/40 SL bis 6c), Val di Mello

 

  • Link-up "Piedi di Piombo", "Ozeano Irrationale", Verbindungsgrat zum Martello del Qualido, Martello del Qualido Südkante (3 SL der Route "Vertical Holidays"), Monte Qualido Gipfelgrat, Südkante des P2590. (ca 30 SL bis zum Grad 6c, A2, leichte Gratkletterei), Val di Mello

 

  • Drei Erstbegehungen rund um die Reutlinger Hütte