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Expedkader Frauen in Norwegen: Regen statt Eis

03.04.2019, 10:53 Uhr

Eigentlich sollte es eine Eiskletterreise nach Senja in Norwegen werden, doch das Wetter wollte nicht so wirklich mitspielen.

Norwegen ist schon lange kein absoluter Geheimtipp mehr für Eiskletterer. Auf die Insel Senja hoch im Norden kamen allerdings bisher noch nicht  so viele Freunde des kristallinen Wasserzustandes. Bevor diese Region ihren abgeschiedenen und abenteuerlichen Charakter verliert, musste die Einsamkeit noch ausgenutzt werden. Das dachte sich der Expedkader Frauen und flog mit Chris Semmel und Trainerin Dörte Pietron in den Norden, um im arktischen Eis zu klettern.

 

Schlechtwetter im Anmarsch

 

Der Start in die nordische Eiswoche verlief gut: In zwei Gruppen konnten die Nachwuchsalpinistinnen zwei etwas einfachere Eisfälle besuchen, um sich mit den Verhältnissen auf der Insel vertraut zu machen.

 

Motiviert vom großen Potential des Gebiets suchten sie sich den langen Eisfall „Hesten“ und den Extremklassiker „Finnkona“ aus, eine große Linie, die in einer Liga mit dem bekannten Kandersteger „Crack Baby“ spielt. Leider begann an diesem Tag die Wetterpechsträhne: Der Tag startete im White-out, dazu kam eine erhöhte Lawinengefahr. Keine guten Bedingungen für eine Tour, in die sie auf Chris Anraten von oben hineinseilen wollten.

 

 

Als Alternative wurden die Eisfälle vom ersten Tag getauscht und schnell abgespult. Weil Laura und Raphaela damit noch nicht genug hatten gingen sie noch eine Skitour. Doch als sie unterwegs nicht nur herausfanden, dass der Schneedeckenaufbau an diesem Tag gar nicht so schlecht war und am Luttind eine perfekte Linie entdeckten, hängten die beiden spontan noch eine zweite Tour dran.

 

Der folgende Tag startete schon mit 90km/h-Sturmböen. In der Hoffnung, dass es noch schönes Wetter geben könnte fuhr die Gruppe nach Sjøvegan, um wenigstens ein paar Linien auskundschaften zu können. Auf dem Rückweg legten die Kletterinnen noch ein kleines Techniktraining am Straßenrand ein – schadet bekanntlich nie!

 

Frustkochen

 

Doch die nächsten 48 Stunden brachten keine Besserung. Schnee, Regen, Graupel. Und das alles horizontal. Der Trip nach Sjøvegan stand wegen lawinenbedingter Straßensperrungen nicht mehr zur Debatte. Laura fasst die Situation in Worte:

 

„Da fährt man super motiviert irgendwohin und hofft die Welt zu verreißen und muss dann einsehen, dass es sinnlos ist bei extrem schlechten Verhältnissen etwas machen zu wollen. Also so schlechte Verhältnisse, dass man daheim nicht mal überlegen würde etwas zu machen. Dann sitzt in Norwegen, es gibt ultra geile Linien und nichts geht. Am Schluss bleibt dann nur Expeditionsplanung, Fisch kochen und chillen. Aber immerhin eine gute Lernaktion...“

 

 

 

Neben einer kleinen Skitour im flachen Gelände und viel Kochvergnügen mit frischen Fisch – es muss sich ja lohnen, in einem Fischerdorf festzusitzen! - hatten die Nachwuchsathletinnen viel Zeit, ihre Abschlussexpedition im Sommer 2019 vorzubereiten. Nun sind alle Planungen in der Endphase, die Aufgaben verteilt, das Ziel steht sowieso fest. Wir dürfen gespannt sein!

Am Rückreisetag stattete der Epedkader noch der Rundhaug Eisarena einen Besuch ab. Zwar war hier das Eis bereits morsch und hinterspült, aber so bekamen die Kletterinnen zumindest noch etwas arktisches Eis unter die Eisgeräte.