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Expedkader Frauen auf Bigwalllehrgang

12.11.2018, 10:13 Uhr

Daniel Gebel brachte den Kaderathletinnen alle Tipps und Tricks des Technokletterns bei.

Technisches Klettern gilt oft als aus der Mode geraten, doch für große Wände und Expeditionen sind diese Techniken nach wie vor ein wichtiges Werkzeug. Um sich diese Fähigkeiten beizubringen fuhr der Expedkader Frauen ins Val di Mello, einer der letzten Hochburgen des Technokletterns. Neben Kadertrainerin Dörte Pietron mit von der Partie: Daniel Gebel, Produktentwickler bei Edelrid und reich an Erfahrung mit sämtlichen Seiltechniken.

 

Trittleitern und Steigklemmen

Noch vor dem Taleingang des Val di Mello liegt ein gigantischer Monolith, der Sasso Remenno. Diese Riesenmurmel aus Granit bot perfektes Übungsgelände.

Los gings mit einfachen Grundtechniken an Hakenleitern: Trittleiter einhängen, hochsteigen, nächste Trittleiter. Klingt einfach, aber um einen schnellen, effizienten Bewegungsfluss zu bekommen braucht es viel Übung.

 

Das zweite große Thema zu Beginn war der Aufstieg an Seilen: Welche Techniken zum „Jümarn“ gibt es, wann macht welche Technik Sinn? Was macht man bei Überhängen, Dächern und Quergängen? Dörte und Daniel bauten einen luftigen Fixseilparkour auf, der alle diese Situationen abdeckte.

 

Alles wichtige für eine gemütliche Nacht in der Vertikalen: Portaledges und volle Haulbags

Als nächsten Schritt ging es um den Transport der Ausrüstung. Daniel erklärte, wie man schwere Lasten in sogenannten Haulbags durch die Wand zieht. Anschließend mussten die Kaderathletinnen den Seilparkour erneut bewältigen – mit Zusatzgewicht.

 

 

In großen Wänden kann es notwenig sein, auf speziellen Wandzelten, Portaledges, zu übernachten. Im Seil hängend bedarf es einige Übung, diese Liegen aufzubauen. Testen durften die Mädels den Schlafkomfort dieser Konstruktionen auch, eine Nacht verbrachten sie so in der Vertikalen - dank Nähe zum Parkplatz sogar mit frischen Crossaints per Seilaufzug zum Frühstück!

 

Spezielle Ausrüstung mit spezielleren Bezeichnungen

 

Technisches Klettern ist mit, wer hätte es gedacht, jeder Menge Technik verbunden - die unter Umständen weit über gängige Sicherungsmittel wie Friends und Keile hinausgehen. Diese exotischen Metallteile waren Gegenstand einer ausführlichen Einheit Materialkunde: „Realised ultimate reality piton“ (Rurp) oder „Basically absurd technology“ (Bat-hook) waren nur zwei der vielen „Vokabeln“. Und ja, die Erfinder dieser Ausrüstung hatten beim Benennen selbiger offenbar Sinn für Humor!

 

Natürlich sollten die Kaderathletinnen diese Folterinstrumenten gleichenden Gerätschaften auch einsetzen. Am Sasso Remenno wurden dazu vier Routen eingerichtet und in unterschiedlichen Konstellationen geklettert.

Darüber hinaus erklärte Daniel auch einige Themen wie beispielsweise das Setzen von Bohrhaken.

 

Um das Erlernte auszutesten stiegen der Expedkader am fünften Tag zum Wandfuß des Asteroidi hinauf. Dieses senkrechte Meer aus Granit durchziehen neben dem Freikletterklassiker „Ozeano Irrationale“ viele steile und grasige Technotouren. Hier durften sich die Mädels austoben, mussten aber feststellen, dass man ohne viel Routine nicht besonders weit kommt. Darum ging es aber auch nicht, stattdessen konnten sie unter Aufsicht von Daniel und Dörte Erfahrungen sammeln und alle möglichen Manöver ausprobieren.

 

 

Der letzte Tag war leider durch und durch verregnet, doch das Team konnte die Zeit nutzen, um die Abschlussexpedition 2020 zu besprechen. Und natürlich um die erlernten „Vokabeln“ zu wiederholen!
Ausgestattet mit dem Erlernten und den Erfahrungen aus diesem Lehrgang sind die Nachwuchsalpinistinnen nun gerüstet für eigene Abenteuer in Technotouren.