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Trainingscamp im schottischen Wetter

Oder: „Geduld ist eine Tugend“

05.03.2017, 16:47 Uhr

Im Februar fand das zweite Trainingscamp für den DAV Expeditionskader der Herren 2018 statt. Es sollte nach Schottland zum Eis- und Mixedklettern gehen. Doch wie so oft kam es wetterbedingt anders als erhofft. Berni Ertel berichtet:


Schon bevor wir losfliegen, schwärmt unser Trainer Michi Wärthl von seinen vorherigen Trips nach Schottland und dem “Knirsch-Knirsch”, das man beim Pickeln vorfinden kann. Wir lesen im Internet, dass es vor Ort gerade frischen Pulverschnee gibt. Dieser kann sich schnell mal umwandeln, das Ergebnis wäre dann der ersehnte Knirsch-Knirsch.Voll motiviert fliegen wir schließlich los und steigen in Edinburgh motiviert aus dem Flieger. Wie soll es in Schottland anders sein: Es regnet und der Nebel hängt überall. Den Mietwagen bekommen wir mit Winterreifen, die mehr an Slicks als an eine ordentliche Winterbereifung erinnern. Prompt bleiben wir damit im Schneesturm stecken. Alle schieben an und so schaffen wir es doch noch über den Pass nach Ballater.

 

Ich sehe was, was Du nicht siehst

Am ersten Tag soll es an die Shadow Buttress am Lochnagar gehen. Bei Wind und Nebel kämpfen wir uns zur Wand. Nach den ersten Pulver-Wühl-Längen wird die Sicht schlechter, der Wind stärker und so vereist wie wir mittlerweile aussehen, macht unser Vorhaben keinen Sinn. Wir drehen also um und lassen unsere Seile und Eisgeräte am Einstieg liegen, um am nächsten Tag nochmal zu starten.

 

An Tag zwei ist das Ziel also klar. Wir stapfen denselben Weg wie am Vortag zum Einstieg. Es gleicht einem Wunder, dass wir diesen noch finden, denn wir sehen vor lauter Nebel nichts. Ein Sturm fegt übers Land. Selbst den Schotten sind diese Bedingungen zu heftig und so geben wir uns erneut vom Wetter und den Bedingungen geschlagen. Die Bilanz sieht nach zwei Tagen in Schottland noch nicht so gut aus.

 

Ernstzunehmende Gradierungen

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt! In den Northern Cairngorms kommen wir am Coire an Lochain dann endlich auf unsere Kosten. Wir klettern dort den Savage Slit, Fallout Corner und den Horemaster. Auf dem Gipfel kann man wegen des Windes kaum stehen. Trotzdem hat uns das schottische Mixedklettern gepackt. Tags darauf trauen wir uns in schwereres Gelände vor und klettern Ventriloquist (VII, 7) und Ventricle (VII, 8). Nach Stürzen wird vor Adrenalin gejubelt, weil die eigenen Placements größtenteils gehalten haben. Es ist klar, dass so eine VII in Schottland doch ziemlich ernst zu nehmen ist.

 

Es geht weiter zum Ben Nevis, wo wir uns weiterhin gute Bedingungen erhoffen. Doch die Temperaturen wollen nicht fallen. Unter diesen Umständen ist es leider zu warm für unsere Eisvorhaben. Alternativ klettern wir (bzw. schwimmen) die Observatory Ridge, die North-East Butress sowie die Tower Ridge – eine Trilogie an einem Tag, was rund 1200 Klettermeter und mehr als 2000 Höhenmeter Auf- und Abstieg bedeutete.

 

Von/m Klippen und (Trad-)Klettern

Die Temperaturen bleiben warm, was leider bedeutet, dass wir am Ben Nevis keine anderen Touren klettern können. Doch vom Rumsitzen werden wir auch nicht stärker und so fahren wir zum Tradklettern an die SeaCliffs bei Wick. Unter anderem klettern wir dort den “Old Man of Wick”.

 

Es mögen schlechte Bedingungen mit wenig Eis, starkem Wind, viel Regen und hohen Temperaturen gewesen sein. Zudem blieb das ersehnte “Knirsch-Knirsch” leider auch aus. Dennoch verbrachten wir die 10 Tage in guter Stimmung. Die gemeinsame Zeit hat das Team weiter zusammengeschweißt. Zufrieden fliegen wir zurück nach München.

 

Berni Ertel

 

Mit freundlicher Unterstützung von