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Techno-Kletter-Camp des Herren-Kaders motiviert abgeschlossen

Hammer, Haken, Pizza und jede Menge Angstschweiß

13.09.2017, 18:48 Uhr

Das erste Jahr des DAV Expeditionskaders 2018 ist vorüber. Einige Trainingsmaßnahmen sind bereits erfolgreich durchlaufen worden.

 

Wie im jeden Kaderzyklus stand diesen Spätsommer das traditionelle Big Wall-Camp auf der Tagesordnung. Gemeinsam mit dem Techno-Experten Daniel Gebel und dem Chef-Trainer Michi Wärthl verbachten die Jungs gerade eine Woche im Val di Mello, um in die Welt des technischen Kletterns eingeführt zu werden. Hier der Bericht:

 

Big Wall-Camp im Val di Mello

Wie so oft beim Bergsteigen, gab's kurz vor der Abfahrt eine wetterbedingte Planänderung. Eigentlich wollten wir an unseren Big Wall-Skills im Val de Orco feilen und anschließend das Erlernte in Chamonix umsetzen. Da Daniel sich aber sicher wahr, dass Aiden bei Regen zwar funktioniert, es aber ähnlich wenig Spaß macht wie Freiklettern im Nassen, wurde das Val de Mello für eine gute Woche zu unserem Base Camp.

 

Also trafen sich alle Samstagabend im Mello. Berni war eh schon vor Ort, Finn und Beni reisten quasi direkt über den Monte Blanc aus Peru an und der Rest der Crew kam mit einem bis ins letzte Eck mit Material vollgestopften DAV-Bus daher. Big Wall’n ist eben eine Materialschlacht. Am Abend beim Pizzaessen gab’s regen Austausch, was bei allen in letzter Zeit so gegangen ist und einen Plan für die Woche legten wir uns auch zurecht. Die ersten drei bis vier Tage sollten zur Ausbildung dienen und in der verbleibenden Zeit wollten wir uns an langen Technotouren versuchen.

 

Anders sprechen als schreiben: vom Haulen, Jümarn, Portaledge

So ging es dann am nächsten Morgen schon früh, aber natürlich nicht ohne einen starken Kaffee, zum Sasso Remeno. Dieser riesige, direkt neben der Straße frei dastehende Granit Monolith mit seinen Rissen, Dächern, Hakenleitern und anspruchsvollen Techno- sowie Freiklettereien, bot uns für die nächsten Tage das perfekte Trainingsgelände. Daniel hatte hier am Vortag schon einige Meter Fixseilstrecke mit allen erdenklichen Schikanen installiert, welche für uns zur genialen Trainingsstrecke wurde.

 

Nach kurzer Einweisung ging es dann los, mit Jümarn (Aufstieg am Seil mit Steigklemmen), Seilquergängen, Pendeln und Abseilfahrten. Als dies alles funktionierte, kam das beim Big Wall‘n unumgängliche Haulen (Nachziehen des Materialsacks) dazu. Wie ein Jo-Jo ging es den ganzen Tag auf und ab und als jeder für sich die richtige Technik gefunden hatte, wurde unsere Trainingsstrecke zur Rennstrecke. Wobei natürlich so manches Bier gewonnen und auch verloren wurde. Bevor man aber an einem Seil jümarn kann, muss es ja auch irgendwer hochhängen. Und wenn es zu schwer, zu kalt oder zu nass zum Freiklettern ist, ist Aiden das Mittel der Wahl.

 

Wie dies schnell und vor allem effektiv funktioniert, stand als nächstes auf Daniels Lehrplan. Wir starteten mit einfachen Hakenleitern und stiegen nach und nach mit sämtlichem Spezialmaterial - von Normalhaken über Hooks und Pecker bis zu Copperheads - behängt, in verschiedene anspruchsvolle Technolängen ein, die uns so manchen (Angst)-schweiß auf die Stirn trieben. Bevor es am Abend erneut zum Pizzaessen ging, mussten wir noch unsere Schlafgemächer für die heutige Nacht aufbauen. Denn für diese eine Nacht tauschten wir unsere mehr oder weniger gemütlichen Isomatten am Campingplatz gegen die eigentlich recht gemütlichen, Portaledges ein (Wandzelte ähnlich einer Gefängnispritsche).

 

Während Michi und Daniel einen ruhigen Abend am Campingplatz verbrachten, ging es für uns im Dunklen noch mal in die Seile und hoch in unsere frisch gemachten Betten.

 

Große Wände, weite Längen

Am dritten und vierten Tag kletterten wir in jeweils unterschiedlichen Teams die unteren Längen der Tour „Sette Aprile“ (6c und A2/R3/II) am Il Papagallo aus. Eine 1979 in überwiegend technischer Kletterei erstbegangenen Linie, die mittlerweile auch freigeklettert wurde (7c). Für uns war aber gleich klar, die Kletterschuhe bleiben heute erst mal im Haulbag und so hangelten wir uns mal schneller mal langsamer, an mal guten und auch mal weniger guten Placements durch die Längen. Von überhängenden Verschneidungen, feinen Risse bis hin zu Pendelquergängen wurde uns alles geboten. Für uns eine ideale Trainingstour, in der wir all das Erlernte der letzten Tage zusammen bringen konnten.

 

Eigentlich wollten wir die letzten drei Tage nutzen, um am Monte Qualido eine anspruchsvolle Big Wall zu probieren. Doch auch hier machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Der Wetterbericht meldete Niederschlag und Gewittergefahr - definitiv die falschen Voraussetzungen für eine große Alpine Wand! Aus diesem Grund beschlossen wir schon am Donnerstag Abend die Heimreise anzutreten.

 

Pumpig is und steh duad ma a ned guad!

Den letzten verbleibenden Tag nutzen wir für eine ziemlich coole Fusion von Aiden und Freikletterei. Auf der Ostseite des Sasse Remeno, befindet sich in der zweiten Seillänge eine nach linksziehende Untergriffschuppe, die in einer abdrängenden Verschneidung startet und nach oben in einer Piatzschuppe endet. Zu Beginn brachten wir in technischer Kletterei verlässliche Sicherungspunkte an. Die Crux hierbei lag darin, die wenigen guten Griffe, die es gibt, nicht zu blockieren. Nebenbei wurden die Kletterzüge ausgecheckt und wichtige Griffe und Tritte markiert. Danach ging es ans Freiklettern und da stellte sich schnell raus: "Pumpig is und steh duad ma a ned guad!“

 

Nachdem wir alle mehrere Versuche in der Länge verschossen hatten, demonstrierte uns Daniel, dass er nicht nur in der Leiter eine gute Figur macht, sondern vor allem auch beim Freiklettern ordentlich anreißen kann. Er war der Einzige, der einen Durchstieg verbuchen konnte! So ging es mit dicken Armen, wunden Fingern und jeder Menge neuen Inputs am Abend für uns alle wieder Richtung Heimat.

 

Big Wall und Technisch-Klettern ist schon eine recht spezielle Form im Klettersport und steht selten auf der Tagesordnung. Doch wir sind uns alle einig, dass uns das Erlernte wieder einen guten Schritt weiter im Allround-Bergsteigen gebracht hat. Denn viele der Techniken lassen sich beim Bergsteigen oder Alpinklettern sehr effektiv integrieren.

 

 

 

Ein riesiges Dankeschön an Daniel Gebel für die intensive und gewaltig lehrreiche Woche!

 

Eine weiteres Dankeschön gilt unseren Sponsoren, denn bei der „Materialschlacht Big Wall’n“ wäre ohne euch gleich Schluss!