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Step by step an großen Wänden

29.09.2015, 08:00 Uhr

Unsere Knie fühlen sich noch ganz wackelig an, als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben. Nicht aus Angst, sondern weil die Beine noch die Bewegung der Trittschlingen spüren, in denen sie fast andauernd gestanden haben. Ein Blick zurück auf die Tour macht uns schon ein bisschen stolz: Wir ham’s geschafft - und das fast ohne Fels in die Hand zu nehmen!

Neue Erfahrungen und Erkenntnisse

Der erste Tag unseres BigWall Camps bringt völlig neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit sich. Noch keine von uns hat sich ernsthaft mit dem Thema technisch Klettern befasst. Drüberziehen kann sich jeder irgendwie, was aber, wenn’s so einfach nicht weiter geht? Rückzug? Um das in Zukunft zu verhindern, lernen wir von Silvia Vidal eine Woche lang, wie man sich richtig „drüberbescheißt“.

 

Also tauschen wir unsere Kletterschuhe gegen Turnschuhe, unseren Freiklettererstolz gegen Hammer und Haken und unsere Hände gegen Daisychains. Genau, nur nichts mehr in die Hand nehmen. Eine Hintersicherung ist bei dem Chaos am Gurt extrem wichtig, wenn man nicht sein halbes Material beim freien Fall beobachten möchte.

 

Fifi macht's möglich

Wir lernen unseren selbstgelegten Sicherungen zu vertrauen - oder auch nicht. Also erst mal leicht belasten und bloß nicht nach oben schauen, nicht dass man den Haken/Friend/Keil ins Gesicht bekommt. Ist die Belastungsprobe bestanden, arbeiten wir uns auf die höchstmögliche Schlaufe der Trittleiter vor, um die nächste Sicherung möglichst weit oben zu platzieren.

Gar nicht so leicht, aber der Fifi macht’s möglich.

 

Hakenschlagen ist nochmal ein eigenes Thema. Lost Arrow, Knifeblade, Profilhaken oder doch Bird Beak? Hält er einen Sturz oder nur Körpergewicht? Noch dazu kommt: Wer sauber technisch klettert, entfernt den Haken auch wieder. Sitzt dieser also gut, schön für den Vorsteiger, Pech für den Nachsteiger.

Wenn auch kein Haken mehr platziert werden kann, hilft nur noch ein Hook. Das macht die Angelegenheit natürlich nicht entspannter. Bloß nicht zu sehr wackeln, Belastung immer schön nach unten und auf eine bessere nächste Sicherung hoffen.

 

Erfreuliche Bilanz

Bei regnerischem Wetter entschließen wir uns, die Jümar- und Portaledge-Einheit unter dem Pavillon der Herberge durchzuführen. Knapp über dem Boden schwebend bauen wir die Portaledges auf, wobei es uns mangels einer Wand immer wieder um die eigene Achse dreht. Aber auch unter diesen erschwerten Bedingungen schaffen wir es schließlich und machen es uns im Inneren bequem.

 

Die nächsten Tage zieht es uns aber sofort wieder an die Wand.

 

Dabei macht es auch nichts, wenn der Fels nass ist, wir wollen ja eh technisch klettern. Und so können wir unsere ersten Erfahrungen in technisch zu kletternden Mehrseillängentouren machen. Wir erkennen die Wichtigkeit der Daisychains und können am Ende der Woche eine erfreuliche Bilanz ziehen. Kein verlorener Gegenstand!

 

Nicht nur deshalb geht ein besonderer Dank an Silvia. Sondern auch, weil sie sich eine Woche für uns Zeit genommen hat, sich nicht von unserer anfänglichen Unwissenheit hat einschüchtern lassen und nicht zuletzt Materialengpässe durch innovative Ideen umgangen hat.

 

Übrigens: Das zeitweise nasse Wetter diese Woche gab uns auch die Zeit, um uns um unsere Expeditionsplanung zu kümmern. Drei Ziele standen am Anfang der Woche zur Auswahl. Letzte Emails sollten die Entscheidung erleichtern und so stand am Ende der Woche fest: Es geht 2016 nach Tadschikistan!

 

Veronika Krieger

 

Mit freundlicher Unterstützung von

 

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30.10.2015, 19:30

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