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Eiskletter-Training in den Hautes-Alpes

17.01.2014, 08:32 Uhr

Titelfoto Eiscamp14
Herausforderung Eissäule; Foto: Heinz Zak

 

 

HEISS EIS BABY

Da ich es wieder einmal nicht abwarten konnte, ging meine Reise schon am 27.12 los. Ich fuhr mit guten Freunden Richtung Wolkenstein, da es am Vortag einen halben Meter geschneit hatte -  Powder zum Abwinken! Die Reise ging weiter mitten nach Italien und von da aus rüber nach Frankreich. Dort verharrten wir bis Silvester, wo wir einige Eisrouten kletterten. Dann am 1.1.2014 war es endlich soweit: das Kader-Eiscamp startete. Am gleichen Tag reiste Michi Stacheder (unser Teambergführer) mit Xari, Ludwig, Andi und dem legendären Fotograf Heinz Zack von München an. Tobi und Raffi kamen separat. Und David, unser Cheftrainer, konnte leider nicht dabei sein, da er auf Expedition am Nanga Parbat unterwegs ist.

 

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Raffi in Aktion; Foto: Hein Zak

Am späten Abend fanden wir uns alle in unserer Herberge Le Moulin Papillon ein. Am nächsten Morgen erwachten wir bei 10cm Neuschnee und Frau Holle schüttelte weiter fleißig ihr Bett aus. Beim gemeinsamen Frühstück stieß der ortsansässige Bergführer Francois Lombard (Baba genannt) zu uns und wir besprachen den Tagesablauf. Zum Einpickeln und fürs Update vom Standplatzbau wählten wir das Klettergebiet Aiguille. Die Eisfälle dort sind künstlich angelegt und zum Trainieren ideal. Wir kletterten vom Wasserfalleis bis zum Mixedgelände so ziemlich alle erdenklichen Varianten.

 

Beim Abendessen besprachen wir den darauffolgenden Tag. Da das Wetter durchwachsen werden sollte, beschlossen wir, noch einen weiteren Tag in Einseillängen-Touren zu investieren. Baba kannte ein super Gebiet, wo man zwischen Wassereissäulen und Mixedgelände auswählen konnte. Das Gebiet hieß Cerviere, welches wir per Ski erreichten. Außer Raffi - der durfte bzw. musste mit Schneeschuhen hinterhertappen, da er seine vergessen hatte. Nach diesem Tag konnten wir auf ein gutes Ergebnis zurückblicken. Jeder kletterte im Eis sowie im Mixedgelände. Einigen von uns gelang sogar die schwerste Mixedroute im Gebiet. Und Heinz, unser Profi-Fotograf, machte wiederholt großartige Aufnahmen.

 

Am nächsten Morgen rappelte der Wecker etwas früher, da wir eigentlich einen längeren Eisfall klettern wollten. Der Blick ins Freie war jedoch nicht berauschend, denn anstatt Schnee schüttete es aus allen Kübeln. Nichtsdestotrotz machten wir uns auf. Es ging ins Tal Freissinieres. Der Plan lautete: in zwei Gruppen aufteilen. Die einen sollten Geronimo (550m-VI/5) und die anderen die Gramusat directe (320m- IV/6) klettern. Von der Straße aus sahen wir, dass die Gramusat-Linie zu dünnes Eis hatte, aber vor allem die Säulen darüber zu gefährlich werden würden. Wir entschieden uns daraufhin alle die Geronimo-Route zu klettern. Beim Zustieg mussten wir einige Lawinenfelder queren und schnell wurde uns diese Nummer doch zu heiß. Denn sollten wir in der Wand hängen und uns eine Nassschnee Lawine erwischen, müsste jeder sein Testament vorher unterzeichnet haben.

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Ludwig im Eiswasserfall; Foto: Heinz Zak

Also zurück ins Hotel Hauen wechseln: von Eishauen auf Mixedhauen. Wir verabschiedeten uns dabei von Baba, denn der musste am nächsten Tag in die Dolomiten zum Führen. Leicht verspätet, dafür aber im Regen fuhren wir ins „Drytool Mekka“ Saint-Martin-de-Queyries. Wir rissen, was das Zeug hielt. Bis zur M9 konnten wir onsight so ziemlich alles weghooken.

 

Am Abend erklärte uns Heinz Zak, auf was es beim Fotografieren ankommt und wie man dafür ein Auge bekommt. Wir löcherten ihn mit Fragen zur Beleuchtung, zur Einstellungen der Kamera und zu Feinheiten über ISO usw..

 

Nach dem gemeinsamen Frühstück am folgenden Morgen verabschiedete sich Tobi, denn dieser musste leider am nächsten Morgen nach Garmisch zum Vorbereitungslehrgang für den Winterteil der Bergführer-Ausbildung. Da Heinz schon viele tolle Fotos geschossen hatte, fuhr dieser gleich mit Tobi nach Hause.

 

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Dry Tooling Akrobatik; Foto: Hein Zak

Der Himmel war an diesem Morgen blau, aber die Temperaturen leider weit über die Null Grad. Also mussten wir in die Höhe nach Cellac. Zum Einpickeln kletterten wir den schwerstmöglichen Wasserfall Le Sombre Heros WI 4+ A5 80m. Abgeseilt und rüber zum nächsten: leider war dieser schon zusammengefallen. Also wieder gequert zum nächsten Les Y linker Teil W 3+ 200m. Da die Schwierigkeiten es hergaben, kletterten wir ihn alle Solo. Den Abstieg machten wir zu Fuß und gleich in den nächsten rein: Easy Rider Wi 3+ 80m ebenfalls Solo. Wieder unten am Einstieg angekommen hatten wir noch einen: Lex Y rechter Teil WI3+ 200m Solo.

 

Das Resultat: kurz nach Mittag hatten wir alle möglichen Wassereisfälle geklettert und machten uns ab zum verdienten Kaffee. Am Nachmittag erzählte uns Staxi von seinen Expeditionen und wie man solche vorbereitet und organisiert. Den Tag ließen wir beim genialen Abendessen (wie jeden Tag) im Hotel ausklingen.

 

Die Temperaturen sind über Nacht dann nochmal gestiegen. Deswegen wussten wir nicht, ob die Eisfälle noch stehen würden oder nicht. Aber gemäß dem Motto „die Hoffnung stirbt zuletzt“ versuchten wir es. Die Lorbeeren konnten wir ernten, das Eis war prächtig geformt.  Staxi erklärte uns, auf was wir beim Zustieg achten sollten, z.B. bei Lawinengefahr von oben, den Spannungen im Eis und vieles mehr. (Man glaubt gar nicht, was man alles beachten muss!)

 

Wir kletterten so ziemlich jede logische Linie bis zum Grad WI 5+. Mit den letzten Sonnenstrahlen fuhren wir dann auf Skiern das Tal hinaus zum Auto. Der Tag war super verlaufen, nur Ludwig hatte sich eine leichte Platzwunde am Kopf beim Sturz mit den Skiern zugezogen.

 

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Team im Mixed-Gelände; Foto: Heinz Zak

 

Wegen der steigenden Temperaturen entschieden wir beim Abendessen, am letzten Tag Sportklettern in der Sonne zu gehen. Wie abgesprochen fuhren wir dafür ins Sportkletter-Gebiet Freisinieres.

 

Es ist südseitig ausgerichtet. Aber leider schmolz der Schnee darüber so stark, dass von oben regelrecht ein Bach herunter rannte. Nichtsdestotrotz kletterten wir bis es dunkel wurde. Beim gemütlichen Abendessen ließen wir die tolle Woche Revue passieren und reisten am nächsten Morgen früh in die Heimat.

 

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Zusammenrücken erfolgreich; Foto: Hein Zak

 

Vielen Dank an die Ausbilder Staxi und Baba für die gute Ausbildung im Eis. Wir lernten vor allem, dass man aufs Wetter und auf die Temperaturen acht geben muss. Es geht doch nichts über ein perfektes Timing!

 

Vielen Dank auch an unsere Sponsoren, ohne die wir nie die wertvollen Erlebnisse erfahren dürften. Die Kleidung und das Equipment konnte sich unter allen Bedingungen gut bewähren. Danke dafür!

 

Josef Pfnür mit Unterstützung von Tobias Karpinski

 

 

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