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Leistungssport im Alpenverein

Ein altes Sportmodell für einen neuen Alpinismus

Die sogenannte „Kaderschmiede“ gehört seit 100 Jahren zum Leistungssport dazu. Das Bergsteigen hingegen erst seit wenigen Jahren. Schlagwörter wie Leistung, Vergleichbarkeit, Training oder Teambuilding finden zunehmend Raum im Alpinismus, der sich traditionell als ein „Mehr-als-Sport“ versteht. In den 80er Jahren trifft im Deutschen Alpenverein die traditionsreiche Organisationskultur erstmals auf eine Wettkampfkultur in der Vertikalen. Heute ist das Wettkampfklettern fester Bestandteil im DAV und international etabliert. Mit dem Beitritt des DAV zum Deutschen Olympischen Sportbund e. V. Anfang der 90er Jahre hielt der Leistungssport im Alpenverein Einzug. Es kam zu einer zunehmenden Ausdifferenzierung von Breiten- und Leistungsbergsport, was als Folge nicht nur zu Veränderungen im Sportklettern, sondern auch im klassichen Alpinbergsteigen führte.

 

Expeditionskader

Der Deutsche Alpenverein beobachtete Ende der 90er Jahre eine abnehmende Teilnahme von jungen deutschen Bergsteigern im internationalen Bergsteigen. Als Reaktion darauf entstand die Idee, im Verein selbst qualifizierte Allround-Alpinisten auszubilden. Und das über einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren. Anfang 2000 wurde der erste Deutsche Expeditionskader ins Leben gerufen und damit eine neue Art der Förderung im Alpinismus. Die Einstiegsmarke in den Kader wurde hoch gesetzt. Nicht jeder begeisterte junge Bergsteiger wurde genommen, sondern nur diejenigen, die bereits bestimmte Leistungen anhand eines Tourenbuchs nachweisen konnten und sich nach einer Prüfung in Form von Sichtungen bewährten.

 

Ein ähnliches Modell riefen bereits 1988 die Franzosen ins Leben. Ihr Förderprogramm entwickelte sich über die Jahre zu einem ebenfalls 3-jährigen Ausbildungsprogramm. Nach und nach wurden weitere Nachbarländer aufmerksam auf das Förderprogramm der Expeditionskader. Immer mehr europäische Alpenvereine entschieden sich dazu, das Modell der Nachwuchsförderung im Alpinismus in die eigenen Strukturen zu integrieren. So existieren mittlerweile in sechs unterschiedlichen Ländern Expeditionskader: Frankreich, Schweiz, Österreich, Italien, Slowenien und Deutschland. Zudem gibt es in den USA die Alpine Mentors, eine Fördergruppe, die von Steve House nach dem deutschen Kadermodell ins Leben gerufen wurde, über die wir im Mai 2014 berichteten (Im Gespräch mit Steve House). Vereinzelt gibt es sogar eigene Damen- und Herren-Kader (seit 2008 in Frankreich und seit 2011 in Deutschland).

 

Wir haben uns die Rahmenbedingungen der einzelnen europäischen Expeditionskader einmal genauer angeschaut und die Vertreter der jeweiligen Länder ins Gespräch gebracht, um herauszufinden, welche Schnittstellen und Unterscheide es gibt. Was folgt ist eine Übersichtstabelle über die Grundmerkmale der Kader sowie ein Gruppeninterview mit Bruno Hasler (Schweizer Alpen Club), Antoine Pecher (Fédération Française de la Montagne et de l’Escalade), Gregor Krenn (Naturfreunde Österreich), Stefan Steinegger (Alpenverein Südtirol) und Philipp Abels (Deutscher Alpenverein). Nicht teilnehmen konnten Vertreter des slowenischen Expeditionskaders.

 

Eckdaten der europäischen Expedkader

 
 
  Gründungsjahr Teilnehmerzahl Altersspanne Programmdauer Sichtungscamp/Dauer
SAC 2009 6 17 bis 21 3 Jahre ja, 7 Tage
DAV 2000 6

15 bis 24

Frauen: bis 27

3 Jahre ja, 10 Tage
Naturfreunde Alpin Österreich 2012 6 18-27 3 Jahre ja, 3 Tage
FFME France 1988, seit 2010 neu strukturiert 6

18-26

Frauen: bis 30

3 Jahre ja, 3 Tage
AVS 2010 6 bis 10 18-30 3 Jahre nein, nur per Bewerbung
 

Interview mit Bruno Hasler, Gregor Krenn, Stefan Steinegger, Antoine Pecher und Philipp Abels

Warum gründete Euer Verband damals einen Expeditionskader? Welche Ziele verfolgt Ihr damit?


Bruno Hasler: Der SAC verfolgt mit der dreijährigen Ausbildung das Ziel, das klassische Bergsteigen in anspruchsvollem kombiniertem Gelände zu schulen und zu fördern. In mehreren Kursblöcken erhalten die Teilnehmer eine umfassende Ausbildung für das Begehen anspruchsvoller Touren im alpinen Gelände, was mit einer Expedition abgeschlossen wird. Außerdem ist es uns wichtig, dass die Mitglieder des Expeditionsteams Vorbild für jüngere JO-Mitglieder (Jugendverband des SAC) werden. Als Teilnehmer sind sie ausgebildete J+S-Leiter und führen Touren oder Trainings im Regio-Kader oder der JO durch. So versuchen wir, das klassische Bergsteigen bei den Jugendlichen zu fördern und das erworbene Wissen während der Kaderzeit in der Altergruppe zu bewahren und weiterzutragen.

 

Gregor Krenn: Bei uns gibt es seit vielen Jahren die Alpinisten Gilde, welche sich genau mit den Zielen des Leistungbergsteigen befasst hat. Die Idee, den Leistungssport wieder im Verein salonfähig zu machen, wurde von einem jungen ambitionierten Bergsteiger aus dieser Runde als Projekt im Verein vorgestellt. Das Ziel, junge ambitionierte, motivierte und leistungsorientierte Bergsteiger zu fördern und auszubilden, ist einer der Hauptgründe dieses Projektes. Der Kader soll als Vorbild für das Junge Publikum im Verein fungieren und die Breitenwirkung fördern. Junge Topalpinisten sollen die Möglichkeit haben, drei Jahre lang gemeinsam zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und Touren zu unternehmen.

 

Stefan Steinegger: Bei uns in Südtirol ist das Projekt 2010 gestartet, allerdings ist es kein Expeditionskader, sondern hat als Projekt zum Ziel, den Alpinismus in Südtiol wieder verstärkt voranzutreiben und junge, selbstständige Bergsteiger darin zu fördern, dass die sich in ihrem selbstständigen Handeln weiterentwickeln und eigenverantwortliche Alpinisten werden. Natürlich will dabei der AVS den Jungen auch durch einen finanziellen Beitrag Unterstützung bieten.

 

Antoine Pecher: Unser Hauptziel ist es, den besten Nachwuchsalpinisten im Land die wesentlichen Fähigkeiten für einen High Performance-Alpinismus mitzugeben. Mit dem Frauenkader verfolgen wir natürlich auch das Ziel, den Alpinismus für Frauen zugänglicher zu machen. Und generell versuchen wir mit der Bewerbung des Förderprogramms für Jungs und Mädels dem Nachwuchs in unseren Sektionen eine Vorstellung zu geben, was möglich ist und Motivation aufzubauen, weitere Schritte im Alpinismus zu gehen.

 

Philipp Abels: Bei uns war es die Idee, den deutschen Alpinismus zu stärken und zu fördern, um den internationalen Anschluss nicht zu verlieren. Außerdem sollte damit der klassische Alpinismus in seiner Konkurrenzsituation zum boomenden Sportklettern gestärkt werden.

 

 

 

Aus der Vergleichstabelle geht hervor, dass Ihr alle ähnliche Bewertungs- und Auswahlverfahren habt. Könnt Ihr an dieser Stelle nochmal hervorheben, was Euch besonders wichtig erscheint?


Bruno Hasler: Wir schauen uns in mehreren Schritten unterschiedliche Bereiche an. Es gibt zuerst den allgemeinen Leistungstest, dann schauen wir uns in einer Sichtung das technische Können an und in einer zweiten Sichtung die Soft Skills.

 

Gregor Krenn: Wir fragen noch ein filmisches Porträt von den Aspiranten an. Gemeinsam mit der Sichtung am Eignungs- bzw. Auswahlverfahren ergibt sich dann ein Gesamtbild, welches zur Zulassung zum Alpinkader führt.

 

Stefan Steinegger: Bei uns ist das Motivationsschreiben vielleicht noch erwähnenswert, das wir ganz am Anfang mit der Tourenlisten anfragen.

 

Antoine Pecher: Ja, das machen wir auch. Das Thema Motivation ist uns wichtig, wir fragen das jedoch in einem separaten Interview ab.

 

Philipp Abels: Wir legen neben dem technischen Können noch großen Wert auf das Funktionieren im Team. Deshalb dauert unsere Sichtung auch 10 Tage. Wir wollen sehen, wer mit wem in welchen Situationen auskommt. Hierbei wird darauf geachtet, dass die 6 Teilnehmer, die am Ende ausgewählt werden, als Team harmonieren können und es nach Möglichkeit keine zu großen Unterschiede im Leistungsvermögen gibt. Die Leistung wird altersspezifisch beurteilt.

 

Warum habt Ihr in Deutschland und Frankreich einen Damenkader eingeführt?

 

Antoine Pecher: Wir haben gemerkt, dass es in den gemischten Teams immer wieder eine große Herausforderung war, das Niveau und auch die Fähigkeiten von Frauen und Männer in einer Gruppe anzupassen. Da gab es oft zu große Unterschiede. In reinen Männer- und Frauenteams ist das eindeutig leichter zu handhaben.

 

Philipp Abels: Ja, auch bei uns hat die Erfahrung gezeigt, dass hier in der Regel die stärksten Frauen im absoluten Niveau immer noch den absolut stärksten Männern unterlegen sind. Nichtsdestotrotz haben die Zahlen an weiblichen Bewerberinnen gezeigt, dass das Interesse und der Bedarf einer Förderung auch bei weiblichen Alpinisten vorhanden ist. Dadurch entstand die Idee eines eigenen Damenkaders. Letztlich ist eine geschlechterspezifische Förderung im Leistungssport auch völlig normal und in nahezu allen anderen Sportarten aus gutem Grund auch die Regel.

 

Wir hatten im Vorgespräch bereits feststellen können, dass sich die Inhalte Eurer Ausbildungen kaum unterscheiden. Könnt Ihr das noch mal zusammenfassen?
 

Gregor Krenn: Die Inhalte der Ausbildungen umfassen alle relevanten Themen des Bergsportes für Sommer und Winter. Im Sommer: Alpinklettern, Trad Klettern, Hochtouren im vergletscherten Gebieten, Touren im kombinierten Gelände. Im Winter: Schnee- und Lawinenausbildung, Skitouren und Skihochtouren, Wasserfall-Klettern, Touren im kombinierten Gelände.

 

Philipp Abels: Und dann gibt es noch Seminare in den Bereichen Grundlagen des Expeditionsbergsteigens, der Höhenmedizin und in der Bergrettung. Wir bieten zudem eine umfassende medizinische Leistungsdiagnostik an sowie eine sportpsychologische Betreuung durch eine Mentaltrainerin.

 

Welche Ziele verfolgen die Teilnehmer?
 

Bruno Hasler: Die Teilnehmer suchen eine gute Ausbildung auf hohem Niveau, was die Sektionen nicht anbieten können.

 

Philipp Abels: Das ist auch zum Teil sehr unterschiedlich. Die einen wollen eine Verbesserung des persönlichen Könnens oder mehr Know-How für private Expeditionen. Andere sehen die Kaderausbildung als Vorbereitung oder Entscheidungsfindung für die Bergführer-Ausbildung.

 

Stefan Steinegger: Wir beobachten auch, dass die Teilnehmer es sehr schätzen neue Gebiete und Gleichgesinnte kennenzulernen.

 

Gregor Krenn: Das merken wir auch. Die Aspiranten fühlen sich in einer Umgebung von Gleichgesinnten wohl und genießen die Ausbildung, das Teamworking und die gemeinsame Zeit am Berg. Sie finden hier die Partner, mit denen sie abseits des Kaders gemeinsam in den Bergen ihre Wunschziele erreichen. Die zwei Jahre  der intensiven Ausbildung und die abschließende Expedition fördert und steigert ihre alpine Kompetenz. Hier haben junge Topalpinisten die Möglichkeit, drei Jahre lang gemeinsam zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und Touren zu unternehmen.

 

Wo seht Ihr die Vorteile einer Förderung wie dem Expeditionskader?
 

Bruno Hasler: In der Verbindung von Jugendlichen über die ganze Schweiz.
Außerdem hat das Programm Vorbildfunktion und liefert Motivation für die Jüngeren.

 

Stefan Steinegger: Ich denke auch, dass der AVS dadurch noch besser wahrgenommen wird.

Außerdem fördern wir wieder aktiv den Alpinismus im eigenen Land bieten der nächsten Generation vielversprechende Chancen.

 

Antoine Pecher: Ein Vorteil ist für uns die Sicherheit, die wir den jungen Leuten bieten. Das Programm ist die einzige Möglichkeit für Nachwuchsalpinisten, gecoacht zu werden, wenn sie in den “großen Alpinismus” einsteigen wollen. Vielfalt und Weitsicht wären weitere Aspekte, der mir wichtig sind. Wir versuchen den Teilnehmern die größte Auswahl an dem zu bieten, was man unter Alpinismus versteht. Wir versuchen das Beste von allem mit einzubauen und auch auf dem neuesten Stand zu bleiben und mal über den Tellerrand zu schauen.

 

Philipp Abels: Wir versuchen mit dem Expedkader eine langfristige Ausbildung starker Alpinisten anzustreben. Ein Ziel ist es, durch das Programm Multiplikatoren für die Sektionen und im Alpenverein generell zu finden, als Rückkopplungseffekt sozusagen. Wir bilden aus und die Teilnehmer bringen Ihr Wissen wiederum in Ihre Sektionen oder DAV Programme zurück.

 

Was hat Euch an und in der Kaderausbildung bisher am meisten beeindruckt und warum?
 

Bruno Hasler: Der Enthusiasmus und die Motivation der Teilnehmer. Das ist fantastsich.

 

Gregor Krenn: Der Zusammenhalt der Kader Teilnehmer und der Ehrgeiz wie sie Ihr Ziel verfolgen. Bemerkenswert ist auch die vereinsinterne Wahrnehmung der jungen Bergsportler. Die Gruppe hat eine richtige Vorbildwirkung für die jungen Mitglieder im Verein bekommen.

 

Philipp Abels: Mich beeindruckt auch die Auswirkung auf unsere Arbeit im Spitzenbergsport. Wir beobachten eine eindeutige Verbesserung und Etablierung der „Marke“ Expedkader. Es ist schön zu sehen, wie viele unserer ehemaligen Kadersportler es geschafft haben, sich im modernen Alpinismus zu etablieren. Auch die Entwicklung auf persönlicher Ebene mancher Teilnehmer während der 2,5 Jahren Kaderzeit ist spannend mitzuerleben. Gerade anfangs sehr zurückhaltende Sportler bekommen oft auf persönlicher Ebene viel Selbstbewusstsein durch ihre Zeit im Kader. Auch ist es schön, dass es in nun gut 15 Jahren Expedkader eigentlich keinen wirklich schweren Unfall o.ä. gegeben hat – ein Indiz für das gute Riskomanagement unserer Ausbilder.

 

Antoine Pecher: Ich finde es spannend zu sehen, was die Teilnehmer danach aus ihrem erworbenen Wissen und den Erfahrungen machen. Nicht alle bleiben dabei, andere wiederum geben alles, um im Alpinimus vorwärts zu kommen. Ich glaube, dass es gar nicht mal das technische Können oder die körperlichen Fähigkeiten sind, die das Weitermachen entscheidet, sondern vielmehr die Emotion, die Liebe für die Berge. Diejenigen, die für die Berge leben, die machen weiter.

 

Der Begriff „Leistungssport“ wird im Bergabenteuer oft polarisierend diskutiert. Würdet Ihr die Expeditionskader als Leistungssportprogramm bezeichnen? Und wenn ja, warum?

 

Bruno Hasler: Ja, weil man mit „ein bisschen Bergsteigen“ niemals das notwendige Niveau erreicht, um die Selektion zu überstehen.

 

Gregor Krenn: Der Alpinkader wird von uns als „Leistungskader“ gesehen – die Motivation und Ambition ist leistungsorientiert, wobei wir den Teilnehmern niemals einen Leistungsdruck seitens Sponsoren, Auswahl der Touren oder dem Expeditionsziel auferlegen. Wir versuchen entsprechend mit Informationen, Gesprächen und dergleichen diesem Druck entgegen zu wirken.

 

Philipp Abels: Ich würde das Programm auch als Leistungssportprogramm bezeichnen, wobei ich denke, dass es immer ein Grenzgang ist, hier auch Leistung von den Athleten zu fordern. Auf der einen Seite denke ich, dass wir in Zukunft mehr fordern sollten, um unserem Anspruch gerecht zu werden, auf der anderen Seite muss die Sicherheit der Teilnehmer immer über der Leistung stehen. In der Tat ein schwieriger Weg…

 

Stefan Steinegger: Ich bin anderer Meinung. Ich finde, dass es kein Leistungssport ist. Das, was wir vermitteln ist Abenteueralpinismus. Im Vordergrund steht die Eigenverantwortlichkeit, Selbsteinschätzung und die eigene Erfahrung, nicht die Leistung.

 

Betreut werden die Kader ja bei Euch allen von staatlich geprüften Bergführern? Warum ist das so?
 

Bruno Hasler: Ja, es sind immer staatlich geprüfte Bergführer.
Warum? In der Schweiz gibt es ein Gesetz, das besagt, dass solche Arbeiten nur Bergführer machen dürfen. Das gibt es auch gar keine Diskussion!

 

Antoine Pecher: In Frankreich ist das genauso.

 

Philipp Abels: Für uns ist dies einfach die Basis um eine Mindestqualität und Sicherheit in der Ausbildung zu gewährleisten.

 

Die meisten Kader werden co-finanziert? Könnt Ihr mal ein Beispiel dazu geben?
 

Bruno Hasler: Die Ausbildungen müssen die Jugendlichen mitfinanzieren, es ist also nicht komplett gratis.

 

Stefan Steinegger: Bei uns werden die Kosten aufgeteilt. Ein Teil zahlt der AVS, dann übernehmen die Sponsoren einen Anteil und den Rest zahlen die Teilnehmer selbst.

In etwa folgender Schlüssel: Die Kosten der Bergführer und Fahrtspesen im Inland übernimmt das Projekt, Übernachtungsspesen und Verpflegung die TN selbst. Bei Auslandsfahrten muss zusätzlich der TN den Flug selbst bezahlen.

 

Gregor Krenn: Der Kader finanziert sich bei uns aus Barmittel der Naturfreunde Österreich und materiellen Beiträgen von Sponsoren. Darünber hinnaus gibt es für ein Semester einen Eigenanteil für die Teilnehmer.

 

Wenn Ihr mehr finanzielle Mittel hättet, was würdet Ihr gern noch inhaltlich anbieten?

 

Gregor Krenn: Mehr finanzielle Mittel würden mehr Ausbildungstage für die Teilnehmer möglich machen. Dies würde ihnen noch mehr Tipps und Tricks für die Praxis bringen.

 

Philipp Abels: Lehrgänge zu spezifischem Training wären möglich wie z. B. Klettertechnik, Skitechnik oder Konditionslehrgänge.

 

Antoine Pecher: Ich würde noch mehr ins Ausland gehen. Und mehr Ausrüstung wäre auch nicht schlecht.

 

Bruno Hasler: Ein reines Frauenteam wäre für uns realisierbar.

 

Würdet Ihr einen intensiveren internationalen Austausch unter den jeweiligen europäischen Kadern auf Verbands- und Teilnehmerebene wünschen? Wenn ja, wie könnte dieser in der Praxis aussehen?
 

Bruno Hasler: Auf jeden Fall. Gemeinsame Ausbildungscamps oder Events durchzuführen wäre großartig.

 

Gregor Krenn: Ein internationaler Austausch ist wünschenswert und wurde dieses Jahr mit einer Einladung des Südtiroler AVS bereits gestartet. Hierzu wurden alle Kader des SAC, AVS, DAV, der ÖAV und der der Naturfeunde eingeladen. Ich denke ein jährlicher Austausch zu Inhalten der Ausbildung, Kommunikation, Risiko und Unfallmanagement oder ähnlichem wäre hilfreich und wünschenswert. Jedes Land könnte hierzu einmal pro Jahr Veranstalter sein und einladen und Inhalte für den Austausch festlegen bzw. abfragen und dann anbieten.

 

Stefan Steinegger: Als Erfahrungsaustausch fände ich das alle 2 Jahre ganz sinnvoll. Aber nur auf Organisatoren-Ebene, nicht auf der Ebene der Teilnehmer. Diese sollen auf den Berg gehen und nicht herumsitzen.

 

Philipp Abels: Ein Austausch könnte beispielsweise in Form eines „internationalen Forums Leistungsbergsteigens“ stattfinden.

 

Antoine Pecher: Das wäre eine tolle Idee. Die Teilnehmer würden neue, gleichgesinnte Leute kennenlernen und auch unterschiedliche Ansätze. Jeden Tag könnten die Teilnehmer in unterschiedlichen Teams unterwegs sein. Die Trainer könnten sich über ihre unterschiedlichen Methoden auszutauschen. Und man könnte abends mit Vorträgen neue Inputs an andere weitergeben. Ich könnte mir das sehr gut in Chamonix im Sommer oder in Gorges du Verdon im Frühjahr oder Herbst vorstellen.  

 

Wie jede andere Sportentwicklung ist auch die im Alpinismus dynamisch. Es bleibt abzuwarten, ob sich im Ausbildungsbereich Bergsteigen in Teilen eine Europäisierung oder gar Globalisierung etabliert. Wir werden in ein paar Jahren einfach nochmal nachhorchen.

 

Alexandra Albert