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DAV Expeditionsförderung - Bene Hiebl und Martin Schidlowski mit Team unterwegs im Kara-Su-Tal / Kirgistan

20.04.2017, 12:34 Uhr

Seit vielen Jahrzehnten unterstützt der Deutsche Alpenverein e. V. Expeditionen mittels finanzieller Mittel. Wer mindestens drei Jahren Mitglied einer DAV Sektion ist, kann im Ressort Spitzenbergsport einen Antrag auf Förderung stellen. Dies gilt sowohl für internationale Alpin- als auch für Felsprojekte. Infos dazu befinden sich unter dem unten aufgeführten Link.

 

Abenteuer Kirgistan - Benedikt Hiebl berichtet:

 

Hohe Wände im Fels, hohe Wände im Eis, gemütliches Basislager, keine Gipfelpermits, möglichst unkompliziert und auch für Studenten leistbar – keine leichte Aufgabe, um ein geeignetes Ziel für eine Expedition zu finden. Aber nach dem Ausschlussprinzip stand für uns schlussendlich als finales Ziel Kirgistan fest.

 

Acht Freunde sollt ihr sein: (von links) Felix Huemer, unsere Köchin Elena, Christian Esswein, Yvonne Klughardt, Chris Rudolph, Benedikt Hiebl, Thomas Mayer, Martin Schidlowski, Sebastian Klein

 

Das Kara-Su-Tal

Für das Kara- Su-Tal entschieden wir uns letztendlich, weil man dort die vielseitigsten Möglichkeiten vorfindet:

 

Von kurzen Eintages-Felstouren über Bigwalls bis zu hohen, großteils undurchstiegenen kombinierten Wänden ist auf engstem Raum alles zu finden, inklusive Basislager in der Blumenwiese.

 

Der Plan sah als Hauptziel vor, eine Erstbegehung in der Nordost-Wand des 5509 m hohen Pik Piramidalny zu klettern. Eine circa 1400 m hohe Wand, in der sowohl Fels- bzw. Mixed- als auch reine Eisrouten möglich wären. Den Rest des fünfwöchigen Basislageraufenthalts wollten wir in den Granitwänden von Asan, Odessa oder 1000 Years of Russian Christianity verbringen.


 

Team und Orga in Sack und Tüten

Bei der Organisation vor Ort ließen wir uns von ITMC helfen, einer Reiseorganisation, die ihren Sitz in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek hat. Sie kümmerte sich für uns um die Beschaffung der Permits sowie um die Organisation einer Köchin und der notwendigen Küchenutensilien. 


Außer uns vieren hatten sich noch Yvonne Klughardt, Felix Huemer, Thomas Mayer und Sebastian Klein entschieden, ins Kara-Su-Tal zu reisen. Wir kennen sie alle über die DAV-Sektion bzw. über die Bergwacht Freilassing und von gemeinsamen Touren in den Alpen.

 

Auch wenn das Wetter während der fünf Wochen im Basislager recht unbeständig war, konnten von allen einige schöne Routen geklettert werden. Insgesamt ist das Tal vor allem für Felskletterer interessant. Allerdings lassen sich für Eisliebhaber noch unzählige neue Linien an den teils namenlosen Gipfeln östlich des Pik Piramidalny finden. Nur wenige Mixed- bzw. Eislinien sind tatsächlich dokumentiert, weil der Großteil der Kletterer wegen der Felstouren ins Tal kommt.

 

Für lange Eis- und Mixedlinien bietet sich außerdem das wenige Kilometer westlich gelegene Laylaktal mit seinen Nebentälern an. Die Hochsaison für Felsrouten dürften trotz des unbeständigen Wetters die Sommermonate um Juli und August sein.

 

Will man sich im Eis austoben, bietet es sich an, früher oder später anzureisen, um die Nordwände in besseren Bedingungen anzutreten (die Kasachen kletterten ihre Route am Piramidalny Anfang/Mitte Juli, kurz bevor die Temperaturen deutlich anstiegen).

 

Es hat sich als recht praktisch herausgestellt, flexibel zu sein in Bezug auf Eis-/Fels-Routen. Einige andere Seilschaften, die auf Felsrouten fixiert waren, hatten Probleme, ihre Pläne wetterbedingt umzusetzen. Wir konnten je nach Lust, Laune, Wetter und Bedingungen entscheiden, in welche Routen wir wie einsteigen.

 

Insgesamt ist das Gebiet im Ak-Su und Kara-Su-Tal recht gut erschlossen, wobei ein Großteil der großen Routen im Zuge der „Russischen Alpinkletter- Meisterschaften“, die in den 80er und 90er Jahren im Tal abgehalten wurden, erstbegangen wurden.

 

Text: Bene Hiebl

 

Topo der bestiegenen Asan-Route.

 

Topo der durchstiegenen Piramidalny-Route.

 

Martin Schidlowski im Portrait

Im Rahmen unserer Exped-Förderungsberichte stellen wir gern immer ein Team-Mitglied vor.

 

Hier und heute: Martin Schidlowski

 

 

 

Geboren am: 13.07.1990

 

Wohnhaft in: Ainring und Innsbruck

 

Familienstand/Kinder: ledig

 

Beruf : Student und Bergführer-Aspirant

 

 

Highlights

 

3 Routen samt Angabe des Gebirges und des Schwierigkeitsgrads

Eiger-Nordwand: „Heckmair“, Alpen, 1800 m, TD+

Montblanc du Tacul: „Supercouloir“, Alpen, 800 m, TD+

Pik Piramidalny: „One Day as a Tiger“ (Erstbegehung), Pamir-Alai, 1300 m, WI4, M3 IV/A1

 

 

Martin über sich und die Welt

 

Was machst Du für eine Ausbildung/Studium/Beruf?

 

Ich studiere in Innsbruck den Masterstudiengang Material- und Nanowissenschaften. Parallel dazu mache ich in Deutschland die Bergführer-Ausbildung.

 

Was sagen Deine Eltern/Familie/Partner/Freunde zu Deinem Bergsport? Gibt es Kritik oder Bedenken?

 

Meine Eltern haben mich immer schon beim Bergsteigen und Klettern unterstützt. Schließlich waren sie ja auch die Ersten, mit denen ich am Berg unterwegs war. Meine Freunde sind fast ausschließlich selbst im Bergsport aktiv, weshalb auch sie viel Verständnis dafür aufbringen.

 

Welche Hobbys / Interessen hast Du?

 

Klettern, Skitouren, Berglaufen, alpine Literatur, Reisen,…

 

Was magst Du an Menschen? Was regt Dich auf?

 

Eine positive Einstellung und Begeisterungsfähigkeit finde ich gute Eigenschaften.

Mit Unpünktlichkeit und Unordentlichkeit habe ich so meine Probleme.

 

Was sind Deine Stärken? Was sind Deine Schwächen?

 

Meine Zielstrebigkeit, wenn ich etwas erreichen will.

Meine Ungeduld mit mir selbst.

 

Wie hast Du mit dem Bergsport angefangen?

 

In der Kindheit mit dem Berggehen und Skitourengehen. Intensiv zu klettern habe ich mit etwa 14 Jahren begonnen.

 

Woher kommt Deine Motivation?

 

Die Motivation kommt hauptsächlich von den eindrucksvollen Momenten im Gebirge und der Natur, die einen das harte Training und andere Unannehmlichkeiten (schwere Rucksäcke, schlechtes Wetter) schnell vergessen lassen.

 

Was war für Dich ein besonders gutes, was ein besonders schlechtes Erlebnis?

 

Besonders toll war das Biwak am Gipfel des Pik Odessa (4810 m) in Kirgistan.

Weniger schön war der Fund eines toten kanadischen Bergsteigers in der Cordillera Blanca in Peru im Jahr 2014.

 

Hast Du Vorbilder?

 

Hermann Buhl, Walter Bonatti, Alexander Huber.

 

Was gibt Dir das Klettern, was andere Aktivitäten Dir nicht geben können?

 

Beim Klettern gibt es keine Schiedsrichter und wenig Regeln, weshalb ich fast uneingeschränkt das tun kann, was mir gerade Spaß macht.

 

Welche aktuellen bergsportlichen Pläne hast Du?

 

Momentan konzentriere ich mich voll aufs Sportklettern, vielleicht klappt es ja mit dem Grad 9a. Außerdem möchte ich meine Bergführer-Ausbildung möglichst schnell beenden.

 

Was zeichnet Deiner Meinung nach heute den Alpinismus aus? Was genau wünschst Du Dir für den Alpinismus?

 

Der Alpinismus ist sicher so vielseitig wie nie zuvor. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das auch so bleibt, und ein konstruktives Miteinander der verschiedenen Spielarten und Stilrichtungen möglich ist.

 

Weitere Infos zur Expedition

 

Der ausführliche Expeditionsbericht kann hier eingesehen werden: Expeditionsbericht Karavshin.pdf , 9,5 MB

 

Infos zur Antragstellung und den Richtlinien der DAV Expeditionsförderung finden sich unter:

http://www.alpenverein.de/bergsport/expeditionen/expedion-foerderung_aid_10353.html

 

Bewegte Bilder - ein Kurzvideo: Asan - Westwand.mp4 , 128,8 MB