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Becoming a Guide

05.06.2020, 16:37 Uhr

Ex-Expedkader in der Bergführerausbildung

Der DAV möchte mit den Expeditionskadern junge Alpinisten und Alpinistinnen zu starken, eigenverantwortlichen Bergsportlerinnen und Bergsportlern ausbilden, die sich in jeder Disziplin wohlfühlen. Genau dieses Profil ist die perfekte Voraussetzung, um eine Ausbildung zum Bergführer zu beginnen. Kein Wunder also, dass viele (Ex-)Kaderteilnehmer Bergführer oder Anwärter sind. Einer von ihnen ist Finn Koch, der im Expedkader 2016-18 war – und jetzt ein Gesicht der aktuellen Kampagne des Verbandes deutscher Berg- und Skitourenführer (VDBS).

 

Er ist aber nicht nur auf der Kampagnenseite www.becoming-guide.de in verschiedenen Videos zu sehen, sondern beantwortet hier auch einige Fragen:

 

„Das erste Wort was mir einfällt: Fordernd.“

Finn, Du bist einer der Protagonisten einer Dokumentationsreihe mit dem Namen „Becoming a Guide“. Um was geht es da genau?

 

Es entstand eine „Dokumentation“ über die deutsche Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer. Ziel war es zu zeigen das „Bergführer sein“ ein richtiger Beruf ist und als solcher in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen wird.

 

 

In fünf Stichworten – wie hast Du die Zeit in der Bergführerausbildung empfunden? Was war anders als erwartet und wo hast Du am meisten dazugelernt?

 

Das erste Wort was mir einfällt: Fordernd.

Ich hab immer gedacht es gibt eine Meinung wie man zum Beispiel „Anseilen“ soll. Jeder Ausbilder hat seine eigenen kleinen Tipps und Tricks auf Lager. Dadurch entstehen viele Diskussionen und nach und nach erkennt man es gibt kein richtig und falsch, sonder eher angemessen und nicht so angemessen. Da lernte ich auch am meisten dazu.

 

Wie hast Du von Deiner Zeit im Expedkader für die Ausbildung profitieren können?

 

Durch die sehr technische und fachspezifische Ausbildung im Expedkader waren mir in der Bergführerausbildung viele technische Inhalte schon bekannt. Dadurch war es mir möglich, mich besser auf neue Inhalte wie die Führungstechnik zu konzentrieren.

 

 

Welchen Tipp hast Du für diejenigen, die Interesse am Eignungstest zum Berg- und Skiführer haben?

 

Zwei Tipps: Erstens, versuchen im persönlichen Können so gut wie möglich zu sein, dann kann man sich in der Ausbildung am besten auf neue Inhalte konzentrieren und der Eignungstest geht ganz leicht von der Hand.

Zweitens: Ab jetzt versuchst du im Gebirge potenzielle Problemstellen frühzeitig zu erkennen und ebenfalls frühzeitig die entsprechenden und angemessenen Maßnahmen zu treffen. Zum Beispiel nicht erst die Steigeisen anziehen, wenn man auf dem Gletscher schon im Blankeis steht.

 

Wie möchtest Du den Beruf als Berg- und Skiführer nach Deiner Ausbildung dazu ausüben?

 

Hmm, schwieriges Thema. Am Anfang der Ausbildung zum staatlichen Bergführer, war es für mich klar, Bergführer wird mein Hauptberuf. Ganz ehrlich: Nach einem Führungsommer ist mir bewusst geworden, dass sich das hauptberufliche Bergführerleben nicht mit meinen sonstigen Lebenszielen vereinbaren lässt, oder nur ganz schwer. Stand heute bin ich immer noch der Meinung, dass ich auf jeden Fall viel Führen will, aber noch mit einem anderen Nebenberuf.

Und dann wird das Ganze erst richtig cool: Viel Abwechslung im Alltag, finanziell lukrativ, da zum Beispiel Versicherungen über den Arbeitgeber laufen, ausgewogenes Verhältnis zwischen unterwegs und daheim sein.

 

 

Wie reagieren die Leute, wenn Du z.B. auf einer Party erzählst dass Du gerade die Bergführerausbildung machst?

 

Ist natürlich sehr, sehr cool. Nur deswegen mache ich das eigentlich; Ertappt ;-)

Spaß beiseite, es bedarf leider immer noch viel Aufklärungsarbeit, dass Bergführer eine „echte“ Berufsausbildung ist. Krass, aber ist leider noch so. Ich erhoffe mir durch Projekte wie „Becoming a Guide“ mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

 

Deine Ausbildungszeit ist fast zu Ende. Empfindest Du Wehmut, Erleichterung, Freude, oder was ganz Anderes, wenn Du daran denkst?

 

Erleichterung trifft es ganz gut. Ich bin echt froh, dass die Prüfungen zum großen Teil vorbei und bestanden sind. Ein bisschen Wehmut, dass die geselligen Abende mit den Kollegen und Kolleginnen vorbei sind, schwingt natürlich auch mit. Aber wir werden uns auf den Hütten im Berufsalltag wieder sehen und trinken dann dort ein Bier auf die Ausbildung.

 

 

Ihr wollt mehr zur Bergführerausbildung erfahren? Infos bekommt ihr auf der VDBS-Website und auf www.becoming-guide.de – außerdem könnt ihr dort sogar drei Stipendien für die Eignungstests gewinnen!

 

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