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Ein Blick zurück

26.10.2020, 07:39 Uhr

Der Bergführeranwärter Benedikt Saller wirft einen Blick zurück auf seine Zeit im Expedkader von 2016 bis 2018.

Die Abschlussexpedition vom Kaderteam 2016/18 liegt nun ziemlich genau zwei Jahre zurück, die Sichtung im Vorfeld bereits über vier und dass ich das erste Mal von dem Konzept „Expeditionskader“ gehört habe, vermutlich über 15 Jahre. Was ist passiert in dieser Zeit?

Ein Kader, sechs Teilnehmer und drei Jahre Laufzeit: als junger Kletterer, von Bergsteiger kann da noch nicht die Rede sein, erscheinen einem diese Nachwuchsprofis, als seien sie in anderen Sphären unterwegs. Dennoch - nicht entmutigt, sondern bewundernd und neugierig verfolgt man recht genau, was in diesem ausgewählten Zirkel so vor sich geht.

Die einen kommen sehr jung, talentiert und voller Tatendrang in den Kader; andere älter, vielleicht (Lebens-) erfahrener. Sicher aber alle hochmotiviert!

 

Mein Weg war letzterer: Nach Handwerksausbildung und Meisterschule, Kletterreisen z.B. in die USA und einer Expedition nach Patagonien begann mit 24 Jahren meine Zeit im Expeditionskader 2016-2018.

 

Was passiert in diesen zweieinhalb Jahren? Allein während der Tage der Sichtung in Chamonix, egal ob man dann im Kader aufgenommen wird oder nicht, steigt die Lernkurve extrem an. Ein anderer, nicht unwesentlicher Aspekt ist zudem, dass die neuen Kontakte mit ähnlich motivierten jungen Bergsteigern den Kreis an Tourenpartner und den Erfahrungsaustausch erweitern.

 

Aufgenommen in den Kader, kommt dann einiges an Ausbildung, Kontakten zu erfahrenen Leuten und viel Erfahrung hinzu. Oft springen diese wie nebenbei von Trainer / Mentor auf die Teilnehmer über. Was man daraus macht, liegt dann aber doch an jedem einzelnen selbst.

 

Dennoch: es geht nicht immer vorwärts und nur weil man es in den Kader geschafft hat passiert nichts von alleine. Selbstständiges Training, Organisation zwischen Beruf, Kadermaßnahmen, Freizeit, Freunden, Freundin und Sport will erst mal alles unter einen Hut gebracht werden.

 

Während der Kaderlaufzeit startete ich 2017 mit der Bergführerausbildung. Zudem ging ich mit Finn Koch, ebenfalls im Kader, für sechs Wochen auf Expedition. Peru war das Ziel, Klassiker sammeln und als Höhepunkt die Gesamtüberschreitung des Taulliraju.

 

Gleich zu Beginn des Kaders verunglückte Lorenz, ein Mitglied unseres Teams tödlich. Dies und vor allem der Tod von Xari, guter Freund und ehemaliges Kadermitglied, im Winter vor unserer Abschlussexpedition, lies mich für eine Zeit das Bergsteigen in Frage stellen.

 

Im September 2018 ging es dann für unseren Kader nach Indien. Vier Wochen Zeit, um unser Ziel ,den Shivling zu besteigen. Viel Schnee und gescheiterte Versuche in der Südwand, unserem eigentlichem Ziel, ließen die Chancen sinken. So ziemlich auf den letzten Drücker erreichte ein Teil unseres Teams, ich konnte dabei sei, den Gipfel dann doch noch über den Westgrat.

 

Was bleibt von der Zeit im Kader? Viele gute, aber auch schmerzhafte Erinnerungen. Die Erfahrung ist größer geworden und entstandene Freundschaften, die bleiben. Die Ziele sind noch nicht ausgegangen und so steht die nächste Expedition für 2021 in den Startlöchern.