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Ehemaliges Mitglied des DAV-Expedkaders im Interview: David Göttler

"Ich bin nicht der Meinung, dass es entweder die romantische, unprofessionelle Seite und auf der anderen die leistungsorientierte gibt."

Im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums des DAV-Expedkaders haben wir eine Interviewreihe mit verschiedenen ehemaligen Kadermitgliedern durchgeführt. Unser erster Gesprächspartner ist David Göttler.

David war Mitglied des ersten DAV-Expedkaders im Jahr 2000, sowie fünf Jahre lang der Trainer des Kaders. Heute ist er staatlich geprüfter Ski-und Bergführer und arbeitet als Kameramann.

 

 

Das Internet startete Anfang der 2000er Jahre richtig durch – genau wie der Expedkader. Ab 2007 revolutionierte das Smartphone die Welt in allen Belangen. Wie hat der digitale Fortschritt beim Bergsteigen Einzug gefunden?

In vielen Bereichen, von der GPS Uhr mit Herzfrequenz über immer kleinere Kameras bis hin zur Kommunikation via Satelliten Modems. Dadurch wird hier vieles so viel einfacher. Hier bin ich zum Beispiel immer wieder überrascht, wie klein mittlerweile Kameras geworden und wie man dann von unterwegs schon die ersten Bilder teilen kann, wenn man das will. Auch ist die Planung leichter geworden, wenn ich heutzutage die Möglichkeit habe, Wetterberichte an allen und zu allen Orten der Erde anschauen zu können.

 

Ist ein Smartphone am Berg heutzutage Pflicht, oder eher Luxus?

Irgendwas dazwischen. Aber sicher Pflicht wenn ich als Bergführer unterwegs bin.

 

Nutzt du auch noch analoge Tools wie Karten und Kompass?

Ich schaue immer noch nach wie vor gerne Karten an, breite diese vor mir aus und mein Finger kann auf Erkundung gehen. Auch wenn wir im Basislager zusammen sitzen als Team, ist es oft einfacher hier gemeinsam auf eine Karte zu schauen. Ansonsten aber eher nicht mehr, on the go benützte ich eigentlich nur noch die Karten in meinem Smartphone oder den Kompass an der Uhr.

 

Ohne hochwertige Ausrüstung ist das alpine Bergsteigen heutzutage nicht mehr denkbar. Kannst du uns sagen, was sich in deinen Augen in den letzte 20 Jahren ganz besonders stark weiterentwickelt hat und in wie fern?

Das Gewicht ist in meinen Augen etwas, was die letzten 20 Jahre unglaublich weniger geworden ist! Wenn ich mir überlege, wie schwer meine Ausrüstung auf meiner ersten Expedition mit dem ExpedKader in Indien war und wie leicht sie jetzt ist. Und damals war es ja im Vergleich zu noch früher schon gewaltig leichter. Hut ab vor den Generationen davor.

 

Auf welche drei Ausrüstungsgegenstände würdest du niemals verzichten wollen?

Jede Tour verlangt nach einem anderen Setup, deshalb gibt es da keine drei Sachen, die wirklich immer dabei sind.

 

Die hochalpine Landschaft wird durch den Klimawandel ganz besonders stark beeinflusst. Wo fallen dir persönlich die größten Veränderungen der letzten 20 Jahre auf?

Im Mont Blanc Massive und am Island Peak im Himalaya. An beiden Orten ist es unglaublich und erschreckend wie schnell sich hier die Landschaft ändert. Meistens zum Schlechteren, heißt Gefährlicheren.

 

Hat das veränderte Klima Auswirkungen auf die Art und Weise des Bergsteigens?

Ja, zum Beispiel habe ich auch das Gefühl, das Wetter wird im Himalaya auf den Expeditionen immer unbeständiger und "hält" sich nicht mehr an die normalen Wetterfenster von früher. Dadurch werden gerade schwierige Unternehmungen abseits der Normalwege immer seltener erfolgreich. Die andere Seite ist eben, dass es sehr viel schneller gefährlich wird von den Verhältnissen zum Beispiel Steinschlag in Dimensionen, die ich so nicht gekannt habe.

 

Der Sport wird zunehmend professioneller. Auch der Bergsport. Wie stehst du heute zum leistungsorientierten Bergsteigen und ist die Professionalisierung eher Fluch oder Segen?

Da ich selber Profi Bergsteiger bin, bin ich hier voreingenommen. Sehe es aber wirklich nicht als Fluch. Für mich ist es eher ein Segen. Ich freue mich drauf und bin gespannt, wenn hier Nachwuchs an den Start geht, der ganz gezielt trainiert hat oder sich profimäßig auf Expeditionen vorbereitet hat. Dadurch werden wir noch wilde und verrückte Sachen sehen, die wir vorher für nicht möglich geglaubt haben. Ich bin auch nicht der Meinung, dass es entweder die romantische, unprofessionelle Seite und auf der anderen die leistungsorientierte gibt. Es ist beides in der ein und selben Begehung oder Expedition möglich. So empfinde ich jedenfalls meine Expeditionen.

 

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