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Tipps: Wandern in Coronazeiten

02.11.2020, 15:35 Uhr

Die zurückliegende Sommersaison war für alle neu und ungewohnt: für Bergnovizen, die Hüttenwirtsleute und auch für Alpinprofis. Im Herbst nun haben sich viele Wanderer und Wanderinnen bereits an die neue Situation gewohnt. Doch jetzt zum Saisonabschluss gilt es, aufmerksam und umsichtig zu bleiben. Hier die wichtigsten Tipps und Infos.

Selbsterkenntnis ist der goldene Weg zur Sicherheit: Kenne und beachte deine Kompetenzen und Grenzen! Wie gut sind deine Kenntnisse in Tourenplanung und Orientierung, deine Trittsicherheit im alpinen (Steil-)Gelände? Wie schwer war deine schwerste, wie lang die längste Tour, die du noch mit Reserven souverän beendet hast? Das sind ein paar Fragen, die du dir vor jeder Tour stellen solltest.

 

Faktor Mensch – ich + wir

  • Adaption und Tagesform: Auch im Herbst gilt es, Muskeln, Gelenke und Koordination nicht zu überfordern. Doch auch wenn man im Sommer viel trainieren konnte: Stress im Job, schlechter Schlaf, Gesundheitsprobleme können die Tagesform in den Keller drücken. Lerne dich einzuschätzen und höre auf die Signale deines Körpers – er setzt dir die natürlichen Grenzen.
  • Gemeinsam stark oder schwach? Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied – für ein Team am Berg sind Kompetenz und Tagesform des schwächsten Partners die selbstverständliche Grenze. Um über Schwächen und Ängste zu reden, braucht es Vertrauen, kein „sei ein Kerl und zieh schon mit!" Falls unerwartet Probleme auftreten, zeigt sich die Stärke einer Gruppe in der Hilfe für eine schwierige Passage – oder in der Bereitschaft zu gemeinsamer Umkehr. Die Atmosphäre in einem guten Team ist entspannt und trotzdem aufmerksam.
  • Ausrüstung: Ein zu schwerer Rucksack stresst Kondition und Gelenke. Aber was man braucht, sollte drin sein. Sonnenschutz (Creme, Brille, Mütze), warme Klamotten (inklusive Mütze und Handschuhe), genügend zu Essen und zu Trinken. Die Notfallausrüstung wird in Coronazeiten ergänzt durch Mund-Nasen-Bedeckung und Desinfektionsmittel.
 

Schwierigkeit

  • Das DAV-Wegekonzept erlaubt eine gute Einschätzung, welche Art und Häufigkeit von Schwierigkeiten ein Bergweg bietet – bei guten Verhältnissen. Achtung: In vielen gedruckten Führern und Internetquellen (auch bei alpenvereinaktiv.com) werden teils abweichende Schwierigkeitsskalen verwendet. Unbedingt das „Kleingedruckte“ lesen.
  • „Blaue“ Bergwege sind schon koordinativ anspruchsvoll und können steile, steinige oder wurzelige Passagen enthalten. Für erfahrene Berggänger sind sie zum Wiedereinstieg geeignet; Einsteiger sollten sich auf kurze Touren mit wenig Höhenunterschied beschränken.
  • „Rote“ und „schwarze“ Bergwege enthalten ausgesetzte Passagen, manchmal sogar Kletterstellen im Absturzgelände; Erfahrung und gute Adaption sind dafür nötig. Oft haben sie auch enge Passagen im Steilgelände, so dass ein Ausweichen mit dem durch Corona gebotenen Abstand heikel werden und Zeit kosten kann.
  • weitere Infos: Bergwandercard
 

Konditionelle Anforderung

  • Neben den technischen Schwierigkeiten des Geländes spielt auch der Höhenunterschied und die Gehstrecke eine Rolle, welche Gesamtanforderungen die Tour stellt.
  • Gut zu wissen wäre auch, ob schwierige (Schlüssel-)Stellen gleich zu Beginn oder eher am Ende der Tour zu erwarten sind, denn Müdigkeit macht’s schwerer. Hier zeigt sich die Qualität einer Führerbeschreibung.
  • Gib dir für den Zeitbedarf einen Extrapuffer mit großem Abstand zur Dunkelheit. So hast du keinen Stress, auch wenn du mal eine Stunde in der Wiese liegen und das Dasein oder die Aussicht genießen magst. Und Unerwartetes wie schmerzhafte Blasen im neuen Schuh oder ein Umknackser bedeuten nicht automatisch, dass du in die Nacht gerätst, wo Orientierungsprobleme, Kälte und womöglich ein unangenehmes Biwak drohen.
 

Höhenlage und Exposition

  • Ein langer Anstieg oder gar eine schwierige Stelle fühlt sich auf 2800 Metern Höhe ganz anders an als auf 1800. Gönne dem Körper einige Vorbereitungstouren zur Akklimatisation, bevor du zu hohen Zielen aufbrichst. Auch die Himmelsrichtung spielt eine Rolle: Sonnseitig (und in niedrigen Lagen) ist’s im Sommer brütend heiß, im Herbst angenehm; schattseitig (und hoch oben) ist's im Sommer grade recht, im Herbst kanns schnell eisig werden.
  • Höhenlage und Exposition sind vor allem wegen der Schneesituation wichtig. In schattigen Bereichen sind Wege oftmals nass und rutschig, auch wenn der Boden „um’s Eck“ warm und trocken ist. Besondere Vorsicht beim Gehen in schattigen Bereichen ist daher wichtig – und natürlich gutes Schuhwerk. Außerdem findet man in höheren Lagen vermehrt Schnee und vereiste Stellen. Wer hoch hinaus will, sollte die entsprechende Ausrüstung dabei haben (Gamaschen, evtl. Grödel bzw. Steigeisen) und über Bergerfahrung verfügen. In Foren wie alpenvereinaktiv.com, alpine-auskunft.at oder gipfelbuch.ch findet man Informationen zu aktuellen Bedingungen.
 

Wetter und Verhältnisse

  • Die technische Schwierigkeit und Höhenunterschied/Exposition sind Fixpunkte der Tourenplanung – der Faktor „Gelände“ im Sinne des 3x3 beim Risikomanagement. Zum variablen Faktor „Gelände“ gehört die Schneesituation, die bei den Punkten „Höhenlage/Exposition“ und „Sicherung“ angesprochen wurde.
  • Den anderen wesentlichen Einfluss auf die Verhältnisse hat das Wetter. Vor allem Niederschlag (Regen, Schnee, Eis) macht das Gelände schwerer begehbar und kann Steinschlag auslösen. Nebel erschwert die Orientierung. Wind und Kälte tragen zusammen mit Niederschlag zur körperlichen Schwächung und mentalen Belastung bei.
  • Deshalb ist die Beachtung eines professionell erstellten Wetterberichts absolut fundamentale Sorgfaltspflicht für jede bergsportliche Unternehmung. Je unklarer oder unstabiler die Wettersituation ist, desto zurückhaltender muss die Tourenplanung sein mit Alternativen (Plan B) und klaren Umkehrbedingungen.
  • Der dritte – und übrigens wichtigste – Punkt beim bergsportlichen Risikomanagement ist der Faktor „Mensch“. Er stand deshalb am Anfang dieser Tipps.
  • Das Bergwetter findet ihr hier.
 

Infektionsrisiko

  • Je breiter der Weg und je flacher das Gelände, desto leichter kann man ausweichen. Das heißt: Forststraßen, Almwege und viele Hüttenzustiege haben geringeres Risiko; heikler wird’s bei Kontakten (Gegenverkehr, Überholen) auf schmalen Wegen im Steilgelände oder gar auf Klettersteigen. Dort ist es sinnvoll, in der Tourenplanung etwas mehr Zeit zum Warten einzuplanen.
  • Bei Gegenverkehr gilt: Bergauf hat Vorrang. Nette Mitmenschen nutzen gute Ausweichpositionen, um dort abzuwarten.
  • Am Gipfel gilt: Wenn der nötige Abstand nicht eingehalten werden kann, weil der Gipfel zu spitz ist oder zu viele Menschen da sind, macht man die Gipfelpause etwas unterhalb. Vielleicht kann man ja etwas später raufsteigen, wenn weniger Leute dort sind. Oder schnell Maske aufziehen, Gipfelselfie und retour. Ist man selbst als erster oben, könnte es ja auch ein schöner Zug sein, nicht zu lange den höchsten Punkt zu blockieren…
  • Und generell gilt: Miteinander reden und abstimmen! Das macht das Leben oft einfacher.
 

So geht das: Besser am Berg

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Einen Kodex alpiner Verhaltensregeln – braucht es den? Wohnt in den Bergen nicht die Freiheit? Da diese aber ihre natürliche Grenze an der Freiheit der anderen hat, sollten Verbote unnötig sein, wenn man sich wie ein erwachsener, vernünftiger und fairer Mensch verhält. Ein paar Anregungen dazu liefert Max Bolland. hr.first-paragraph-separator { display: none !important; }  

So geht das: Mit Stil am Steig!

Kraftsparendes Steigen auf Klettersteigen

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Klettersteige sind weiterhin am Boomen. Sie werden immer steiler und sportlicher, erfordern mehr Geschick und Kraftaufwand. Wer die Ferrata genießen möchte, sollte außer Kraft auch Technik in die Waagschale werfen können, um Blockaden oder gefährliche Stürze ins Klettersteigset zu vermeiden. hr.first-paragraph-separator { display: none !important; }