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WM Skibergsteigen: Palzer holt Silber und Bronze

26.02.2017, 10:49 Uhr

In der Sprint Disziplin bei der WM der Skibergsteiger in Piancavallo erreichte Toni Palzer am Dienstag als Zweiter das Ziel und unterstrich so eindrucksvoll seine Leistung vom vergangenen Freitag. Der Ramsauer holte hinter dem Schweizer Iwan Arnold und vor Oriol Cardona Coll aus Spanien die Silbermedaille. Auch die anderen deutschen Starter waren auf Erfolgskurs. Am Mittwoch holte Stefan Knopf beim Vertical die Silbermedaille in der Juniorenwertung.

Zweites Edelmetall für Toni Palzer

Obwohl er mit „null Ambitionen“ in den Sprint gegangen ist, ging die Rechnung für Toni Palzer auf: Im Viertelfinale hängte er Robert Antonioli um zehn Sekunden ab, im Halbfinale besiegte er den Schweizer Iwan Arnold, der schließlich jedoch als Schnellster das Ziel erreichte. Stefan Knopf aus Berchtesgaden erreichte einen sensationellen fünften Platz und auch Philip Schädler vom DAV Bad Hindelang zeigte, dass er mit seinem 18. Platz unter die 20 Besten der Welt gehört. In ihrem erst zweiten Start bei einem internationalen Sprint-Rennen der Juniorinnen belegte auch Tessa Wötzel einen hervorragenden zwölften Platz. Die größte Überraschung des Tages lieferte jedoch der „alte Stier aus Rosenheim“: Josef (Seppi) Rottmoser, als Altstar der Skibergsteiger bekannt, löste bereits am Start Angst und Schrecken bei der Konkurrenz aus: Trotz Doppelbelastung mit Ausbildung und Training erreichte er in der Qualifikation den zweiten Platz und stellte sein Können mit einem finalen elften Platz deutlich unter Beweis. „Das hat ihm doch keiner zugetraut“, beschrieb sein Freund Toni Palzer: Josef Rottmoser war dynamisch und kraftvoll wie eh und je unterwegs und ohne einen Fehler in der Tragepassage wäre er sicherlich auch ein heißer Kandidat für das Finale gewesen.

Mit seinem fünften Platz gab sich Stefan Knopf aber noch nicht zufrieden: Im Vertical Rennen einen Tag später belegte er einen sagenhaften zweiten Platz und sicherte sich damit die Silbermedaille bei den Junioren. Auch Toni Palzer zündete erneut sein Triebwerk und erreichte den vierten Platz. Vor ihm kamen nur der spanische Ausnahmeathlet Kilian Jornet, Damiano Lenzi aus Italien und Schweizer Spezialist für das Vertikale Werner Marti ins Ziel. Tessa Wötzel erkämpfte sich bei den Juniorinnen den 13. Rang.

Nun sind alle Augen auf das Staffelrennen am Donnerstag gerichtet, das den Abschluss einer aus deutscher Sicht erfolgreichen Ski Mountaineering WM macht. 

 

Ein ganzes Dorf steht Kopf

Im sportbegeisterten Italien dreht sich in der Kommune Tambre eine Woche lang alles nur ums Skibergsteigen. Man hat das Gefühl, dass jeder einzelne Einwohner in den Dörfern ringsum an den Rennen beteiligt ist. Jeder Laternenpfahl, jede noch so kleine Pension ist mit Fahnen zur WM geschmückt, es gibt T-Shirts, Caps mit dem Logo des Veranstalters und sogar der Zucker, den man zum sensationell guten Kaffee bekommt, weist auf die WM hin. Frau Holle meinte es aber leider nicht so gut mit ihrer Unterstützung. In der Ortschaft kann man sich schier nicht vorstellen, dass hier eine Weltmeisterschaft im Skibergsteigen stattfinden soll. Kein Schnee weit und breit. Und so heißt es dann auch erstmal 300 Hm laufen, bis man in die Start-Ziel Zone kommt. Die Athleten befestigen Ski und Tourenschuhe am Rucksack und legen die Strecke bis zum Start in Turnschuhen zurück. In den schattigen Tälern weiter oben sind dann ganz brauchbare Verhältnisse. Die Abfahrten sind allerdings entsprechend fordernd. Bemerkens- und bewundernswert ist der Eifer der Helfer und Organisatoren. Alles Nötige wird nach oben transportiert und die Strecke so gut es geht präpariert.

 

Toni Palzer bestätigt seine Form vom Jennerstier

Toni Palzers Start war lange fraglich. Auf einen Sieg beim ersten Weltcup in Andorra folgte die Durststrecke. Erst musste er die Weltcups in Cambre d'Aze (FRA) und Erzincan (TUR) wegen einer Erkältung auslassen, dann der Verdacht auf Flüssigkeit im Herz nach einer verschleppten Influenza. Das war die alarmierende Diagnose, die sich dann zum Glück in Wohlgefallen auflöste. Bei der Deutschen Meisterschaft am 18./19. Februar sicherte sich Toni Palzer dann die Titel im Vertical und im Individual. Fraglich war allerdings, wieviel der nationale Sieg im internationalen Vergleich wert war. Bis zum dritten Aufstieg lag der Deutsche hinter Damiano Lenzi (ITA) auf Platz zwei, dann zeigte Kilian Jornet (ESP) sein ausgezeichnetes Stehvermögen, machte den 20-Sekunden-Vorsprung von Palzer zunichte. In der folgenden Abfahrt und der Tragepassage bergab hielt Jornet seinen Vorsprung von ein paar Sekunden und es wurde um Platz eins noch richtig knapp. Mit etwas Rückstand auf die beiden aber überglücklich kam Toni Palzer ins Ziel. Der zweite deutsche, Philipp Schädler, landete nach einem soliden Rennen auf Platz 31. Die Verhältnisse an diesem Tag waren extrem anspruchsvoll. Dichter Nebel gewährte den Athleten teils nur wenige Meter Sicht. Dazu kam eine spärliche Schneelage, die extreme Ansprüche an Mensch und Material stellte. Das Rennen der Damen ging leider ohne deutsche Beteiligung über die Bühne. Neue Weltmeisterin ist Laetitia Roux (FRA), Platz 2 belegte Maude Mathys (SUI), Dritte wird Axelle Mollaret (FRA).

 

Stefan Knopf verpasst wegen Materialbruch einen Platz unter den Top 5

Über Nacht wird das Wetter besser. Der am Vortag aufgweichte Schnee ist jedoch betonhart gefroren. Der Start wird zwar etwas nach hinten verschoben, der positive Effekt hält sich allerdings in Grenzen. Eine relativ glatte Aufstiegsspur sowie bockharte Abfahrtsbedingungen machen die Strecke für die Juniorinnen und Junioren wieder extrem anspruchsvoll. Der Favorit Davide Magnini (ITA) dominiert von Anfang an das Feld und setzt sich bald ab. Stefan Knopf ist nach den ersten beiden Anstiegen noch aussichtsreich im Feld der Verfolger platziert - ein Platz under den Top 5 scheint in Reichweite. Bei der Einfahrt in die fordernde dritte Abfahrt passiert es dann: Knopf erwischt eine Kompression nicht perfekt, der Schnee ist noch hart gefroren und der Ski bricht. Stefan muss die ca. 350 Hm hinunter zur nächsten Wechselstation laufen. Dort gibt ihm Toni Palzer, der heute als Helfer an der Strecke steht, einen Ersatzski und Knopf kann das Rennen zu Ende laufen. Der Anschluss an die vorderen Läufer und damit die Aussicht auf eine Topplatzierung ist natürlich dahin. Es folgt eine Aufholjagd, die mit einem guten 13. Platz endet. Eine Platzierung, die sich angesichts der Umstände und für eine erste WM Teilnahme durchaus sehen lassen kann. Davide Magnini gewinnt das Rennen in beeindruckender Manier vor seinen Landsmännern Nicolo Ernesto Canclini und Enrico Loss.

 

Tessa Wötzel bei WM-Debüt auf Platz 13

Bei den Juniorinnen steht für Deutschland die Junge Allgäuerin Tessa Wötzel am Start. Auch für Sie ist es das WM-Debüt. Die Aufstiege und Abfahrten laufen gut für sie und die Weltmeisterschaft steht für sie ganz unter dem Motto, weitere internationale Erfahrung zu sammeln. Deshalb ist sie bei der fordernden Strecke froh, als sie nach gut 1:40 Stunde ohne Blessuren im Ziel steht und ebenfalls Platz 13 belegt. Die neue Weltmeisterin bei den Juniorinnen heißt Giulia Murada (ITA). Sie gewinnt vor der Russin Ekaterina Osichkina und Julia Casanovas Cuairan aus Spanien.
Die Rennen der Klassen Cadet männlich und Cadet weiblich liefen ohne deutsche Beteiligung ab.

 

Die Weltmeisterschaft macht Pause

Am heutigen Sonntag (26.02.2017) finden die Rennen um die Team-Weltmeisterschaft in Tambre d'Alpago statt. Dabei wird die Strecke in 2er Teams gelaufen, Checkpunkte und das Ziel müssen dabei immer zusammen passiert werden. Weder bei den Damen noch bei den Herren gibt es deutsche Starter. Morgen steht dann für alle weiteren Disziplinen ein Gebietswechsel statt. Am Transfertag fährt der WM Tross ca. 1:30 h um den Berg herum ins Skigebiet von Piancavallo. Luftlinie ist Piancavallo nur wenige Kilometer von Tambre entfernt, allerdings gibt es keine direkte Strassenverbindung. Deutsche Beteiligung und Hoffnungen gibt es in den Disziplinen Sprint, Vertical und Relay. Mit Seppi Rottmoser gibt es einen Überraschungsteilnehmer im deutschen Team. Er wird in seiner Paradedisziplin Sprint an den Start gehen und man darf gespannt sein, ob er an frühere WM Erfolge anknüpfen kann. Auch im Relay, der Skibergsteiger-Staffel, wird er für Deutschland an den Start gehen. Noch offen ist ob er auch beim Vertical Race teilnehmen wird.

Facebook Seite des Veranstalters: https://www.facebook.com/alpagopiancavallo2017/

Alle Ergebnisse der WM: https://www.mso-chrono.com/de

Text: Michael Bückers

Fotos: Willi Seebacher

 

Die Poolpartner unterstützen das Team der deutschen Nationalmannschaft Skibergsteigen.