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Dreimal Edelmetall für die deutschen Skibergsteiger bei der Weltmeisterschaft

05.03.2017, 16:04 Uhr

Bei der Weltmeisterschaft der Skibergsteiger in den norditalienischen Bergdörfern Tambre und Piancavallo holte Toni Palzer von der DAV Sektion einmal Silber und einmal Gold. Sein Freund Stefan „Knepfei“ Knopf erzielt mit der Bronzemedaille im Vertical das beste Ergebnis seiner noch jungen Karriere.

 

Klein aber fein war das deutsche Team, das vom 24. Februar bis 2. März in den Disziplinen Individual, Sprint, Vertical, und Staffel gegen die weltbesten Skibergsteiger antrat. Zum ersten Mal bei einer WM waren die beiden jüngsten im Team, Tessa Wötzel und Stefan Knopf. Als „alter Hase“ kann mittlerweile der Berchtesgadener Toni Palzer bezeichnet werden. Wie Phoenix aus der Asche kam der ehemals weltbeste Sprinter, Seppi Rottmoser aus Rosenheim, kurzfristig zum Team dazu. Philipp Schädler komplettierte die Mannschaft.

   

„Wir können auf eine wirklich erfolgreiche WM zurückblicken. Dass Toni stark ist, war uns schon vorher klar. Trotzdem musst du dich nach drei Wochen im Krankenbett erstmal auf höchstem Niveau so präsentieren, wie er es gemacht hat. Besonders gefreut habe ich mich natürlich über die Silbermedaille von Stefan. Er hat gezeigt, dass mit ihm ab jetzt in der Weltspitze zu rechnen ist“, fasst Bernhard Bliemsrieder, der Betreuer der deutschen Nationalmannschaft, am Ende der Weltmeisterschaft zusammen.

 

Individual Senior

Extrem emotional war das Auftaktrennen für Toni Palzer. Mit Tränen in den Augen kam er beim Individual hinter dem italienischen Überflieger der Saison, Damiano Lenzi, und dem Dauersieger aus Spanien, Kilian Jornet, als Dritter ins Ziel.

„Normalerweise bin ich kein Schwammerl, aber heute war ich schon ziemlich glücklich im Ziel. So nervös wie gestern vor dem Rennen war ich wahrscheinlich noch nie. Nach der Deutschen Meisterschaft am Jenner hatte ich schon wieder Selbstvertrauen. Aber so wirklich wusste ich nicht, wo ich stehe“, fasste Toni nach dem Rennen zusammen.

Das Rennen selbst war geprägt von extrem schwierigen Bedingungen, vor allem was die Sicht und die haarsträubend schwierigen Abfahrten anging. „Bei der Besichtigung gestern hatte ich schon ein bisschen Angst, ob das alles so gut geht. Eine so schwierige Abfahrt wie die dritte habe ich in keinem Weltcuprennen der letzten Jahre gesehen“, erklärte der Betreuer Bernhard Bliemsrieder.

Philipp Schädler belegte einen mehr als respektablen 31. Platz. 

 

Individual Junioren

Einen Tag später starteten Tessa Wötzel und Stefan Knopf beim Individual der Junioren in die Weltmeisterschaft. Für beide war es das erste Rennen bei einer Weltmeisterschaft. Bei Stefan verhinderte ein Skibruch in der dritten Abfahrt den Sprung nach ganz vorne. Er war leider etwas zu stürmisch unterwegs, so dass sich das leichte Material unter seinen Füßen so sehr verbog, dass es schlussendlich der Berchtesgadener Urgewalt nachgeben musste und brach.

 „Mein Materialknecht der Toni hat ganz unten in der Wechselzone mit dem Ersatzski gewartet. Da musste ich aber schon 280 Höhenmeter ablaufen im Bruchharsch. Im Grunde war da das Rennen schon gelaufen. Aber aufgeben ist überhaupt nix für mich. Dank Toni konnte ich das Rennen fortsetzen. Und nach so einer Aktion noch auf den 13 Platz zu laufen ist gar nicht schlecht“, fasste Stefan am Abend zusammen.

Auch für Tessa war es das erste WM-Rennen. Nach gesundheitlichen Problemen in den letzten Wochen wusste sie auch nicht so wirklich, wo sie stand. „Es war ein unglaublich tolles Erlebnis für mich. In einem so guten Starterfeld mitlaufen zu können macht einfach Spaß. Zu Beginn konnte ich mich im Mittelfeld halten. Dann kamen mir aber ein paar technische Fehler und Magenprobleme dazwischen. Insgesamt bin ich aber total zufrieden, dass ich nach einigen schlechten Rennen jetzt wieder eine so gute Leistung abrufen konnte", erzählte eine spürbar glückliche Tessa Wötzel nach dem Rennen.

 

 

Sprint

Im Sprint holte Toni Palzer in Piancavallo sein zweites Edelmetall der Weltmeisterschaft. Mit der Silbermedaille stellte er eindrucksvoll unter Beweis, dass er unter vielen exzellenten Skibergsteigern der kompletteste ist.

 

Am Vormittag starteten die beiden jüngsten deutschen Skibergsteiger, Tessa Wötzel und Stefan „Knepfei“ Knopf im Sprint. Tessa holte sich bei ihrem insgesamt erst zweiten Sprintrennen den 12. Platz bei den Juniorinnen.

 

Als Außenstehender könnte man den fünften Platz von Stefan Knopf als sensationell bewerten. Der junge Berchtesgadener war allerdings nach dem Rennen nicht hundertprozentig zufrieden. „So berauschend war es heute irgendwie nicht. Ich war ganz überrascht, dass ich überhaupt die Quali geschafft habe. Es hat sich im Rennen so angefühlt, als hätte ich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Aber dann war es doch die sechstschnellste Zeit. Im Halbfinale wäre ich eigentlich nur Vierter geworden. Aber der Dritte hat eine Zeitstrafe bekommen und auf einmal war ich im Finale. Technisch ist im Finale wieder nicht alles nach Plan gelaufen. Aber mehr als der vierte Platz wäre heute eh nicht drin gewesen. Die anderen waren heute schon richtig stark“, erklärte „Knepfei“ am Abend.

 

 

Toni selbst war sich noch am Morgen vor dem Rennen alles andere als sicher, was der Sprint für ihn bringen würde. „Am Morgen war ich überhaupt nicht motiviert. Das Rennen vom Freitag steckte mir immer noch in den Knochen. Dann habe ich mit Seppi und Bernhard gesprochen und bin dann einfach mal an den Start gegangen. Ich war überhaupt nicht nervös und hatte null Ambitionen. Als ich im Viertelfinale dann Robert (Antonioli) um 10 Sekunden abgehängt habe und auch das Halbfinale gegen Iwan (Arnold) gewonnen habe, war mir klar, dass es fürs Stockerl reichen kann. Im Finale war aber dann Iwan mit Abstand der Beste. Ich gönne es ihm auch , weil er sein ganzes Training auf diese Disziplin umgestellt hat. Im Ziel war ich total happy über die Medaille“, fasste Toni seinen Tag zusammen.

 

Mehr als beachtlich war der Auftritt von Philipp Schädler. Mit seinem 18.Platz zeigte er, dass er in seiner Spezialdisziplin dem Sprint zu den besten 20 der Welt gehört. „Philipp kann mehr als zufrieden sein mit dem Ergebnis. Das tut ihm gut, aber auch der Mannschaft. Wir wissen, dass wir uns auch im Staffelrennen auf ihn verlassen können, sagte Betreuer Bernhard Bliemsrieder.

 

Die eigentliche Überraschung des Tages lieferte aber der „Stier aus Rosenheim“, Seppi Rottmoser. Der „Altstar“ der Skibergsteiger-Szene löste nach Aussage von Toni Palzer alleine durch seine Anwesenheit Furcht und Schrecken bei den anderen Nationen aus. „Denen haben die Knie gezittert, als der Seppi am Start stand. Das hat ihm doch keiner zugetraut, dass der in der Quali die zweitbeste Zeit läuft“, beschrieb Toni die Situation am Start.

 

Augenzeugen vor Ort berichten, dass es – zumindest in den ersten beiden Läufen – keinen Unterschied zu seinen Leistungen von vor zwei Jahren gab. Dynamisch und kraftvoll wie eh und je pflügte sich Seppi seinen Weg ins Halbfinale, wo ihn ein technischer Fehler in der Tragepassage ausbremste. Anderenfalls wäre er mit Sicherheit ein heißer Kandidat für das Finale gewesen. 

 

 

 

 

Vertical

Die Überraschung des Tages schaffte Stefan Knopf mit der Silbermedaille bei den Junioren. „Stefan hat bei dieser WM den Sprung in die absolute Weltspitze geschafft. Die Abstände zu den Besten hat er in allen Disziplinen deutlich verkürzt. Es freut mich unglaublich für ihn, dass es endlich mal mit einem Podestplatz geklappt hat“, fasst Bernhard Bliemsrieder die Leistung des jungen Berchtesgadneers zusammen.

Toni Palzer lief sich erneut die Seele aus dem Leib und kam mit wenigen Sekunden Rückstand auf einen herausragenden vierten Platz beim Vertical der Herren. Tessa Wötzel sammelte erneut wertvolle Erfahrungen und erkämpfte sich den 13. Platz bei den Juniorinnen. Seppi Rottmoser und Philipp Schädler schonten sich für die Satffel.

 

Staffel

Beim abschließenden Staffelrennen bleiben die vier deutschen Skibergsteiger Rottmoser, Schädler, Knopf und Palzer hinter den eigenen Erwartungen zurück. Insgeheim hatten sie schon auf eine Top-5-Platzierung gehofft. Dass es am Ende „nur“ der sechste Platz wurde, war aber bereits wenige Stunden nach dem Rennen vergessen.

 

„Heute mussten alle vier so richtig kämpfen. Seppi ist gut gestartet, aber für die Renndauer in der Staffel fehlt im einfach die Grundlage. Aber woher soll es auch – fast ohne Training – kommen. Da mache ich ihm überhaupt keinen Vorwurf. Ganz im Gegenteil: Wir sind richtig froh, dass er dabei war“, resümiert der Betreuer der deutschen Nationalmannschaft, Bernhard Bliemsrieder, die Leistung von Rottmoser.

 

„Gestern Abend dachte ich schon noch, dass in der Staffel einiges gehen könnte. Aber für einen Platz auf dem Stockerl hätte wirklich alles passen müssen. Aber auch so war das ein guter Abschluss für uns hier. Zumindest hat sich keiner verletzt im Vergleich zur WM vor 2 Jahren, als sich Toni schwer verletzt hatte“, sagte Bernhard am Abend – kurz bevor es zur Abschlussparty ging.

 

Gewonnen hat das Schweizer Team vor den Franzosen und den Spaniern auf Platz drei. Unter dem Streich zeigte sich deutlich, dass andere Nationen deutlich mehr Athleten am Start haben und somit auch in der Breite des Kaders besser aufgestellt sind, als das kleine, aber feine deutsche Team.

„Das war eine extrem anstrengende, aber sehr erfolgreiche WM aus meiner Sicht. Jetzt müssen wir uns alle erstmal kurz erholen, bevor es dann weiter geht mit der Pierra Menta für Toni und mit den letzten beiden Weltcups der Saison für das gesamte Team. Ich hoffe, dass Toni Lautenbacher, der ja aus gesundheitlichen Gründen leider nicht dabei sein konnte, nochmal zurückkommt“, blickte Bernhard Bliemsrieder nach 6 erfolgreichen Tagen in Italien in die Zukunft.

 

Hier gibt’s die Ergebnisse:

http://ismf-ski.org/www/content/races-result&page=ListRacesAction&id_parent=169

 

Fotos: Willi Seebacher

Text: Johannes Schmid

 

 

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