2012-02-16 14:45:00
Skitouren auf Pisten
DAV steht zum Kompromiss mit der Bayerischen Zugspitzbahn
Der DAV-Hauptverein, die DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen, der Markt Garmisch-Partenkirchen und die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG haben im Dezember 2011 einen Kompromiss für Skitouren auf Pisten im Skigebiet Garmisch-Classic gefunden. Demnach ist es zusätzlich zur bereits bestehenden Aufstiegsspur am Hausberg möglich, im Skigebiet mit Tourenski aufzusteigen – allerdings nur außerhalb der Zeiten des Skibetriebs und nur dort, wo nicht präpariert wird. An der Olympiaabfahrt ist außerhalb der Ferienzeiten das Aufsteigen am Vormittag bis zehn Uhr möglich.
Christian Neureuther begrüßt den Kompromiss
"Wir stehen zu diesem Kompromiss", sagt Manfred Scheuermann vom DAV, "weil er unter breiter Mitwirkung zustande kam und im Vergleich mit einigen anderen bayerischen Skigebieten weitreichend und differenziert ist." Ob sich die Regelungen in der Praxis bewähren, sei natürlich noch nicht abzusehen. "Nach dieser Wintersaison werden wir genau hinschauen, unsere Schlüsse ziehen und gegebenenfalls auch Nachbesserungen einfordern. Aber jetzt müssen die neuen Regeln erst einmal greifen." Auch Christian Neureuther steht dem Kompromiss positiv gegenüber: "Wenn viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen auf engem Raum zusammentreffen, sind Konflikte zu erwarten. Und wie löst man die? Indem man miteinander redet und Kompromisse findet." Genau das sei in diesem Fall passiert. "Lasst uns mit gesundem Menschenverstand diese konstruktive Lösung jetzt ausprobieren!" fordert der ehemalige Skirennläufer.
Der Verein "Skitourensportler" plant für den kommenden Sonntag, 12. Februar, um 13 Uhr eine Demonstration. An der Olympiaabfahrt im Skigebiet Garmisch-Classic soll ein Zeichen gegen die "eigenmächtige Sperrung (…) der freien Natur im Classic Ski-gebiet für Tourengeher durch die Zugspitzbahn" gesetzt werden. In letzter Konsequenz stellt die Veranstaltung auch den Kompromiss zwischen DAV und Bayerischer Zugspitzbahn in Frage.
Der Kompromiss im Detail
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Zeitlich unbefristet gibt es eine Aufstiegsspur ab der Talstation der Hausberg-bahn über den Hausberg und das Kreuzeck bis zur Hochalm. Dieser Aufstieg ist beschildert, teilweise beschneit und wird laufend präpariert. Auf ihm sind alle höher gelegenen Skitourenziele im Bereich der Alpspitze erreichbar.
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Während des Skibetriebs für Tourengeher gesperrt sind alle Pisten, auf denen ein Aufstieg wegen der Nutzungsintensität durch Alpinskifahrer und/oder wegen Engstellen zu gefährlich ist. Eine Liste der entsprechenden Pisten wird vor Ort und über die Medien bekannt gemacht.
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Über den Skibetrieb hinaus sind die einzelnen Pisten dann gesperrt, wenn sie präpariert werden. Entsprechende Hinweisschilder, Absperrungen und Licht-signale werden vom Skigebietsbetreiber jeweils angebracht bzw. eingeschaltet.
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Die Hornabfahrt am Hausberg ist an den Tourenabenden dienstags und donnerstags jeweils von 17 Uhr bis 22 Uhr freigegeben.
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Bei der Olympia-Abfahrt gibt es außerhalb der Ferienzeiten (Winter, Fasching, Ostern) eine Sonderregelung: Sie ist immer vormittags bis zehn Uhr für den Aufstieg geöffnet; um diese Uhrzeit müssen Tourengeher also oben angekommen sein bzw. die offizielle Aufstiegsspur erreicht haben. Anschließend ist die Piste bis zum Ende des Skibetriebs und bei Präparierung gesperrt. Beim Aufstieg während des Skibetriebs vor zehn Uhr ist es sehr wichtig, die DAV-Regeln für Skitouren auf Pisten (siehe www.alpenverein.de) zu beachten; insbesondere gilt es, am äußersten Pistenrand hintereinander zu gehen.
Warum der Kompromiss zu begrüßen ist
Der DAV-Hauptverein und die DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen können die Be-denken der Pistenbetreiber nachvollziehen: In Folge des „Skitourenbooms“ haben die Probleme besonders im stark frequentieren Pistenbereich zweifelsohne zugenommen. Garmisch-Partenkirchen ist davon nicht zuletzt wegen der Nähe zu München besonders betroffen. Tragfähige Lösungen, die die Interessen von Skitourengehern, Alpinskifahrern und Pistenbetreibern berücksichtigen, müssen also gefunden werden. Für den DAV ist es in diesem Zusammenhang wichtig, dass es keine pauschalen Sperrungen und Verbote gibt. In diese Richtung gehen die neuen Regelungen: "Mit der Hausbergroute gibt es eine zeitlich unbefristete Aufstiegsroute. Die Sperrungen sind klar definiert, nachvollziehbar und belassen den Tourengehern sämtliche vertretbaren Aufstiegsmöglichkeiten", sagt Manfred Scheuermann. "Wir apellieren an alle Tourengeher, diesen Vorschlag zu akzeptieren. Nur im Dialog mit den Skigebietsbetreibern und den Gemeinden vor Ort wird es in Zukunft weitere gute Lösungen für Skitouren auf Pisten geben."
DAV-Aktion "Skitouren auf Pisten"
Mit dem Aushandeln von Kompromissen für Bergsportler hat der DAV viel Erfahrung. Seit 2003 bringt er sich im Rahmen der Aktion „Skitouren auf Pisten“ als Vermittler ein, um Nutzungskonflikte zu lösen und Unfallgefahren vorzubeugen. Dazu hat der DAV zusammen mit dem Verband Deutscher Seilbahnen, dem Deutschen Skiverband, dem Bayerischen Innenministerium, dem Bayerischen Umweltministerium, der Bergwacht und dem Lawinenwarndienst die zehn „DAV-Regeln für Skitouren auf Pisten" herausgegeben. Außerdem hat der DAV örtliche Gesprächsrunden initiiert, um maßgeschneiderte Lösungen herbeizuführen. Die entsprechenden Regelungen werden jährlich aktualisiert und vor Ort bekannt gegeben. Der Kompromiss in Garmisch-Partenkirchen könnte ein Beispiel für eine tragfähige Lösung in anderen, stark frequentierten Gebieten sein.



