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Tirol genehmigt Erschließung des Piz Val Gronda

28.09.2012, 10:51 Uhr

Der bislang unerschlossene 2812 Meter hohe Piz Val Gronda bei Ischgl (Tirol) darf laut einer Entscheidung des Landes Tirol mit einer Seilbahn und einer neuen Pistentrasse erschlossen werden. Damit wird der Berg und die ihn umgebende einmalige Hochgebirgslandschaft für minimale zusätzliche Pistenfläche geopfert. Mehrere Jahrzehnte lang hatten die Alpenvereine in Deutschland und Österreich gemeinsam mit anderen Naturschutzverbänden gegen die Planungen der Silvretta Bergbahnen gekämpft. Die jetzt genehmigte Erschließung hat die Zerstörung eines sensiblen Lebensraumes seltener und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten und den Verlust eines hochalpinen Erlebnisraumes für Wanderer und Skitourengeher zur Folge.

 

„Für den Deutschen Alpenverein ist es unverständlich, dass dieses Projekt realisiert werden kann. Durch die Erschließung des Piz Val Gronda verliert die Natur hier eine Geländekammer, die bislang dem sanften Tourismus vorbehalten war“, erklärt Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter Hütten, Naturschutz, Raumordnung beim DAV. Statt einer touristischen Entwicklung nach dem Prinzip „nachhaltig und mit Augenmaß“ setze das Land Tirol auf das Motto „höher, schneller, weiter“ und ermögliche damit weitere Erschließungen von einzigartigen Naturlandschaften. „Damit hat die Natur einmal mehr das Nachsehen vor dem Expansionsdrang der Skigebiete“, sagt Hanspeter Mair. „Wer vor den Naturschutzargumenten am Piz Val Gronda die Augen verschließt, der wird vermutlich auch bei weiteren Erschließungsplanungen in Tiroler Skigebieten in dieser Hinsicht blind bleiben.“

 

Umfeld der Heidelberger Hütte massiv betroffen

Doch nicht nur für die Natur und die Landschaft bedeutet die Erschließung des Piz Val Gronda eine unumkehrbare Veränderung. Für jene Touristen, die zu allen Jahreszeiten in der Nähe eines hoch erschlossenen Gebietes Ruhe und Erholung suchen, geht ein wichtiger Rückzugsraum verloren. Damit sind auch Skitourengeher betroffen. Vom Ausgangspunkt der Heidelberger Hütte werden sie in Zukunft am Piz Val Gronda kein hochalpines Erlebnis mehr finden, sondern einen erschlossenen Teil der „Silvretta-Arena“.

 

Das Projekt und die Folgen

Die Seilbahn soll über zwei Stützen von etwa 2300 auf 2812 Meter Höhe führen; laut Planung werden die Skifahrer in zwei Kabinen mit einem Fassungsvermögen von 150 Menschen zur Bergstation befördert. Eine etwa einen Kilometer lange Skiabfahrt soll den Gipfel mit dem bestehenden Skigebiet von Ischgl verbinden, das bereits jetzt mit 238 Kilometern Piste wirbt. Ergänzend dazu sind temporäre Lawinenverbauungen vorgesehen. Dass die Pläne gegenüber früheren Varianten verändert wurden und das Projekt nach Ansicht des Landes Tirol „wesentlich umweltschonender“ umgesetzt wird, ändert nichts an der strikten Ablehnung durch den DAV. Hanspeter Mair: „Der Bau von Seilbahn und Pistentrasse zerstört eine einzigartige Naturlandschaft für immer. Und das wird auch von mehreren Gutachten belegt.“ Denn auch aus geologischer Sicht ist der Piz Val Gronda ein echtes Kleinod. Das haben zahlreiche Untersuchungen ergeben. Darin wird auch deutlich, dass insbesondere der Gipfelbereich aus lockeren Gesteinen zusammengesetzt ist. Inwieweit große Erdbewegungen, wie sie für den Bau einer Bergstation nötig sind, mit dieser Tatsache vereinbar sind, ist aus Sicht des DAV noch nicht ausreichend untersucht.

Abschließend erklärt Hanspeter Mair: „Wir sind der Meinung, dass sich das Land Tirol mit dieser Entscheidung keinen Gefallen getan hat und wir sind der Überzeugung, dass die Alpenvereinsmitglieder bei der Wahl ihrer Urlaubsdestinationen besonderen Wert auf Naturschutz und sanften Tourismus legen.“