2012-01-20 12:01:00
Die Projekte des DAV im Jahr 2012
Eine große Herausforderung. Die Energiepolitik in den Alpen
Am 19. Januar hat der DAV auf seiner Jahrespressekonferenz eine überaus positive Bilanz gezogen: Im zurückliegenden Jahr ist die Mitgliederzahl so stark gestiegen wie noch nie zuvor. Für das Jahr 2012 sieht der DAV große Herausforderungen. "Die Alpen sind sehr stark vom Klimawandel betroffen, und gleichzeitig kommen neue Trends und Interessenlagen auf die Alpen zu", sagte DAV-Präsident Josef Klenner. "Ein besonders wichtiger Punkt ist hier die Energiepolitik. Wie bewältigen wir den schmalen Grat zwischen gelingender Energiewende einerseits und dem Schutz unerschlossener Gebiete andererseits?"
Energiepolitik in den Alpen
Die Grundlage für eine neue Energiepolitik im DAV ist auf seiner Hauptversammlung 2011 mit dem "Grundsatzpapier des DAV zur umwelt- und sozialverträglichen Entwicklung und zum Schutz des Alpenraumes" verabschiedet worden. Demnach setzt sich der DAV für einen raschen Umstieg zu einer weitgehend erneuerbaren Energieversorgung ein. Dazu ist eine Gesamtkonzeption zur Energieversorgung in den Alpen notwendig – eine Art "Masterplan", der in die Landesplanung und in die regionale Raumordnung sowie in den europäischen Kontext integriert ist. Wichtigste Punkte eines solchen Masterplans müssen das Energiesparen und eine höhere Energieeffizienz in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen sein. Darüber hinaus wird es nötig sein, neue regenerative Energiequellen zu erschließen. Dies muss mit Bedacht geschehen, Pauschallösungen gibt es nicht. In den Alpen sind beispielsweise viele neue Wasserkraftwerke geplant – etwa Pumpspeicher im Kühtai oder im Kaunertal. Einerseits ist Energie aus Wasserkraft wünschenswert, und Pumpspeicher sind die derzeit effektivste Möglichkeit, um in großem Maßstab Stromenergie zu speichern. Andererseits geht der Neubau von Wasserkraftwerken mit einem enormen Landschaftsverbrauch (vor allem bei Speicherseen) und Eingriffen in die Gewässerökologie einher. Ähnliches gilt für die Windkraft. Denn eines muss man sich vor Augen führen: Hinter dem abstrakten Begriff "Landschaftsverbrauch" stehen oft einzigartige Naturräume, die dann für immer verloren sind. Zusammengefasst sind die wichtigsten Positionen der neuen Energiepolitik des DAV:
- Ein Masterplan zur Energieversorgung ist notwendig.
- Transparente und offene Planungsprozesse sind notwendig.
- Die Energieversorgung sollte aus regenerativen, möglichst regionalen Energiequellen gewährleistet sein.
- Energieeffizienz und Energiesparen müssen an erster Stelle stehen.
- Die einzigartige Naturlandschaft in den Alpen muss gesichert werden. Beim weiteren Ausbau muss der Vorrang auf bereits infrastrukturell vorgeprägten Bereichen liegen.
Erfolgsmodell "Skibergsteigen umweltfreundlich"
Neu ist das Skitourengehen nicht – aber der Boom dieses Sports. Umso wichtiger sind Lenkungsmaßnahmen für die immer zahlreicheren Schneesportler. Hier hat sich das Projekt "Skibergsteigen umweltfreundlich" als sehr erfolgreiches Instrument etabliert. Nach fast
17 Jahren ist es jetzt an einem wesentlichen Punkt angekommen: Alle Gebiete in den bayerischen Alpen sind bearbeitet und für alle Gebiete gibt es jetzt entsprechende Nutz- und Schutz-Konzepte. Das heißt, dass man sich an allen beliebten Skitourenbergen auf Schongebiete und naturverträgliche Routen für Schneesportler geeinigt hat. Insgesamt sind rund 500 Skirouten erfasst. 17 von 22 DAV-Karten für den bayerischen Alpenraum, auf dem diese Routen und die Schongebiete eingetragen sind, sind bereits erschienen. Die restlichen fünf erscheinen bis Ende 2013.
In Zukunft gilt es, das Projekt flächendeckend umzusetzen, es an alle Schneesportler zu kommunizieren und die Betreuung der Gebiete langfristig zu sichern. Hier hofft der DAV, dass die bayerische Staatsregierung das Projekt weiterhin unterstützt – über die 17 Jahre hinaus, die sie das bereits getan hat. Denn der DAV ist davon überzeugt, dass durch Projekte wie "Skibergsteigen umweltfreundlich" wesentliche Impulse für die Entwicklung des bayerischen Alpenraumes gegeben werden.
Bergsport-Offensive
Bergsport boomt. Das ist sicherlich eine erfreuliche Situation – aber auch ein Sicherheitsproblem. Denn immer mehr Bergsportler sind zwar gut ausgerüstet, aber schlecht ausgebildet. In Sachen Sicherheit und Ausbildung ist der DAV traditionell sehr aktiv. In diesem Jahr legt er eine zweigleisige Bergsport-Offensive auf: Er bringt ein großes Tourenportal ins Internet und er entwickelt sein Ausbildungssystem weiter.
Das Online-Tourenportal "alpenverein-aktiv.com" ist eine Kooperation des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins sowie des Alpenvereins Südtirol. Unter alpenverein-aktiv.com wird man alle wichtigen Informationen zur Tourenplanung finden – Tourenbeschreibungen, Karten, Hütten, Bedingungen und das Wetter vor Ort. Als Autoren sollen möglichst viele der rund 12.000 Trainer, Fachübungsleiter und Gruppenleiter der Alpenvereine fungieren. Der Onlinegang des Portals ist für Ende 2012 geplant.
Bei der Ausbildung wird ein Konzept zur Qualitätssicherung entwickelt. Für die 8.200 Trainer, Fachübungsleiter und Gruppenleiter soll es ein verbindliches und flächendeckendes System zur Qualifizierung, zur Vor- und Nachbereitung der Kurse, zur Informationsweiterleitung und zur Vereinheitlichung der Prüfungen geben. Außerdem sollen neue Module in die Ausbildung integriert werden. In der Lawinenausbildung gibt es erstmals eine deutschlandweit gültige einheitliche Lehrmeinung – über alle einschlägigen Verbände hinweg. Für Kinderkletterkurse in der Halle gibt es das neue Modul "Kinder sichern Kinder". Und für das Sportklettern draußen soll ein Kletterschein Outdoor entwickelt werden.
Internationale Kletterwettkämpfe
Als für den Klettersport in Deutschland zuständiger Spitzenverband richtet der DAV im Jahr 2012 drei Veranstaltungen aus: Das Finale des Boulder-Worldcups in München und den Speed- sowie den Lead-Worldcup in Dresden.
Der Boulder-Worldcup geht in diesem Jahr bereits in die dritte Auflage und findet am 17. und 18. August im Münchner Olympiastadion statt. Ebenfalls bereits Weltcup-Erfahrung hat Dresden: 2006 fand dort bereits ein Lead-Worldcup statt. Wie damals wird auch die Veranstaltung in diesem Jahr draußen stattfinden – allerdings nicht mehr am Elbufer, sondern mitten in der Stadt am Altmarkt. Termin ist der 6. und 7. Juli.
Neues Kinderschutzgesetz: Prävention sexueller Gewalt
Durch das ab 1. Januar 2012 wirksame Kinderschutzgesetz sind alle Verbände gefordert, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Sie sollen ein wirksames Präventionskonzept gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen etablieren. Für den DAV ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt ein wichtiges Anliegen. Deshalb ist es ganz selbstverständlich, dass der DAV frühzeitig aktiv wird – und zwar mit den folgenden Maßnahmen:
- In qualifizierenden Kursen sollen Jugendleiterinnen und Jugendleiter dafür sensibilisiert werden, sexuelle Gewalt zu erkennen. Außerdem sollen sie lernen, wie man sich in Verdachtsfällen verhält.
- Es wird Informationsmaterial für alle Fachübungsleiter, Gruppenleiter und Trainer geben, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
- Der DAV schult regionale Ansprechpartner/innen für Verdachts- und Krisenfälle. Er berät Sektionen zum Aufbau präventiver Strukturen und in Verdachtsfällen. Und er etabliert ein entsprechendes Seminar für Sektionsvorstände.
Förderung des Ehrenamts bei der JDAV
Die Anforderungen an Mandatsträgerinnen und Mandatsträger bei der JDAV sind deutlich gestiegen. Gleichzeitig haben viele von ihnen aber weniger Zeit, weil das Gymnasium von neun auf acht Jahre verkürzt und die Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt worden sind. Für die Sektionen und Landesverbände wird es daher immer schwieriger, junge Ehrenamtliche zu finden. Deshalb hat die JDAV ein Nachwuchsförderungs- und Qualifizierungskonzept erarbeitet und plant diese Maßnahmen:
- Ehrenamtliche, die ein Amt übernehmen wollen oder neu übernommen haben, können spezielle Kurse besuchen, in denen sie auf ihre Aufgaben vorbereitet werden.
- Das Seminarangebot zu Persönlichkeitsbildung, Konfliktmanagement und zur Leitung von Gruppen wird ausgebaut.
- Landesverbände können sich von der Bundesgeschäftsstelle zu Fragen der Teamfindung, Aufgabenverteilung, Arbeitsinhalten und Nachwuchsfindung beraten lassen.
- Beim Wechsel der Ehrenamtlichen auf Landesverbandsebene werden betroffene Landesverbände auf Wunsch aktiv von der Bundesgeschäftsstelle begleitet – zum Beispiel, was die Qualifizierung der neuen Ehrenamtlichen angeht.
- 0119 Themenuebersicht 2012.pdf , 34 kb




