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Nach Bonn statt in die Berge – für den Klimaschutz

09.09.2015, 11:41 Uhr

Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen tagt im Dezember 2015 in Paris. Bei den Vorverhandlungen in Bonn wurde ein Entwurf für das neue Klimaschutzabkommen vorbereitet.


Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen findet vom 30.11. bis 11.12.2015 in Paris statt. Ein neues Abkommen mit verbindlichen Klimazielen für alle 194 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention soll hier vereinbart werden - als Nachfolgevertrag des Kyoto-Protokolls. In der ersten Septemberwoche fanden in Bonn die Vorverhandlungen statt, bei der ein Entwurf für das „Paris-Protokoll“ vorbereitet werden sollte.

 

Gastbeitrag von Andreas Sieber

Ich stopfe weiße Hemden, Laptop und Notizblöcke in meinen Rucksack. Denn es geht nicht wie geplant in die Alpen, sondern nach Bonn. Hier finden die Vorverhandlungen zur Klimakonferenz in Paris statt. Was dort beschlossen wird, entscheidet auch über die Zukunft der Alpen. Die globale Erwärmung trifft die Bergregionen besonders hart: Der Klimawandel schreitet hier mit doppelter Geschwindigkeit voran. Während weltweit bisher die Temperaturen um etwa 1 Grad anstiegen, wurde es in den Alpen um 2 Grad wärmer (Siehe dazu den Beitrag „How will the Alps Respond to Climate Change?“ von Lučka Kajfež Bogataj)

 

Lebensräume für Tiere und Pflanzen verschwinden

Jedes Grad Erwärmung bewegt die Schneegrenze um etwa 150 Höhenmeter nach oben. Der Klimawandel schreitet in den Alpen nicht nur schneller voran, Tiere und Pflanzen reagieren dort auch besonders empfindlich auf Veränderungen. Das Murmeltier kann beispielsweise nicht einfach in größere Höhen ausweichen, weil dort die Humusschicht zu dünn ist, um sich Höhlen zu bauen.

 

Die Gletscher schmelzen, Tiere werden aus ihren bisherigen Lebensräumen verdrängt und Überschwemmungen nehmen zu. Oft wurden die Alpen in der Vergangenheit als „Frühwarnsystem“ bezeichnet (Siehe dazu die Studie „Klimawandel in den Alpen“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit). Davon kann heute keine Rede mehr sein, der Klimawandel ist bereits in vollem Gang.

Selbst wenn die Erderwärmung auf 2 Grad begrenzt wird, steigen die Temperaturen in den Alpen um bis zu 4 Grad. Das bedeutet nur noch halb so viel Schnee auf 2000 Metern Höhe. Auf einer Höhe von 1000 Metern gäbe es nur 5% so viel Schnee wie heute. Aber nicht nur die Natur, auch der Tourismus leidet darunter. Viele andere Länder sind bereits viel schlimmer betroffen als Deutschland.

 

Im letzten Jahrhundert sind beispielsweise in Tadschikistan ein Drittel aller Gletscher verschwunden. Nahezu die gesamte Wasserversorgung hängt dort von den Gletschern ab. Wenn die Gletscher schmelzen, sind die Folgen für die Menschen noch weitaus verheerender als in den Alpen.

 

Inselstaaten sind besonders betroffen

Bei den Klimaverhandlungen in Bonn treffe ich junge Menschen aus der ganzen Welt. Häufig drehen sich unsere Gespräche darum, was der Klimawandel für ihre Länder bedeutet.

Am ersten Tag der Verhandlungen in Bonn meldet sich der Delegierte des Inselstaates Dominica zu Wort: Sein Land wurde gerade von einem Tropensturm verwüstet. 35 Menschen starben. Nahezu alle Inselstaaten werden besonders hart vom Klimawandel getroffen. Eine Kollegin von mir ist von den Philippinen nach Bonn gekommen. Dort werden Farmer und Fischer arbeitslos, weil der Boden austrocknet und das Wasser zu warm wird für die dort lebenden Fische. Kaum ein Land wird so oft von Superstürmen heimgesucht wie die Philippinen.

 

Ein effektives Klimaabkommen in Paris ist für die Menschen auf den Philippinen eine Überlebensfrage. Es bleiben nur noch fünf offizielle Verhandlungstage vor der entscheidenden Konferenz in Paris. Viele Beobachter erwarten, dass Deutschland eine Schlüsselrolle spielen wird. Ein effektiver Klimadeal würde sowohl ein langfristige wie kurzfristige Klimaschutzziele beinhalten. Deutschland sollte sich aktiv dafür einsetzen. Ich will, dass auch noch meine Kinder auf Gletschern in den Alpen wandern können.

 

Andreas Sieber ist Mitglied in der DAV-Sektion Regensburg und schreibt als freier Journalist vor allem zu Umwelt- und Klimaschutzthemen. Er hat für verschiedene NGOs gearbeitet und ist im Rahmen des Climate-Tracker-Programms als Beobachter vor Ort bei den Verhandlungen in Bonn.