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Erschließungsspirale stoppen

Klimawandel, Abnahme der Schneesicherheit, stagnierende Skifahrerzahlen: Skigebiete befinden sich alpenweit in einem Verdrängungswettbewerb. Immer höher und größer darf nicht die Lösung sein!


Der Massentourismus in den Alpen ist an umfangreiche Infrastruktureinrichtungen gebunden. Vor allem mit dem Skitourismus gehen starke Veränderungen der alpinen Landschaften ein­her.

 

Der Skitourismus - Ausbaugrenzen erreicht?

Das Skifahren und der Skitourismus ist aus den Alpen nicht wegzudenken und war bzw. ist ein elementarer Teil der wirtschaftlichen Entwicklung des Alpenraumes. 1954 gab es im Alpenraum ca. 105 Skigebiete, die im Durchschnitt 5 Pistenkilometer aufwiesen. In der Zwischenzeit hat sich natürlich sehr viel getan: heute sind es rund 600 Skigebiete mit im Schnitt 55 Pistenkilometer.

 

Vom Familienskigebiet zum Großskigebiet

Heute haben sich viele der ehemalig kleinen Skigebiete zu tälerübergreifenden Skischaukeln zusammengeschlossen, die Größten haben mehr als 600 Pistenkilometer (z.B. Les Trois Vallées).

Und auch aktuell hält der Trend zum Verbund von mehreren Skigebieten an, obwohl die Alpen heute deutlich stärker erschlossen sind als früher.

 

Klimawandel verschärft Verdrängungswettbewerb

Der Klimawandel verschärft den Verdrängungswettbewerb und forciert weitere Erschließungen bzw. Zusammenschlüsse.

Die Beschneiungsstudie des DAV (Prof. Dr. Steiger) prognostiziert, dass in den Bayerischen Alpen bei einer Erwärmung von +2°C trotz künstlicher Beschneiung nur noch 40% der Skigebiete schneesicher sein werden (grüne Dreiecke, Graphik rechts). 60% können aufgrund der Erwärmung keinen ausreichend langen Skibetrieb mehr gewährleisten (rote Dreiecke, Graphik rechts)

Skigebiete versuchen daher durch Neuerschließung in höhere Bereiche zu gelangen oder die Schneesicherheit durch noch schlagkräftigere Beschneiungsanlagen zu gewährleisten. Den kleineren und finanzschwächeren Skigebieten bleibt oft nur der Anschluss zu einem benachbarten Skigebiet als "lebensrettender" Weg übrig.

Bei dieser flächenhaften Ausbreitung der Skigebietsflächen, kommen selbstverständlich noch technisch unerschlossene und naturbelassene Täler/Regionen unter die Räder.

 

Festlegung und Einhaltung von Erschließungsgrenzen

Der DAV lehnt den weiteren Ausbau der Tourismusinfrastruktur im Alpenraum außerhalb bereits erschlossener Gebiete ab.

Durch die verbindliche Festlegung klarer Ausbaugrenzen für technische Anlagen muss eine Erschließung neuer Geländekammern alpenweit verhindert werden.

In Bayern stellt der Alpenplan diesbezüglich ein bewährtes Instrument der Raum­ordnung dar, das langfristig erhalten werden muss.

 

Unberührte Natur als Kapital für nachhaltigen Tourismus

Übergeordnetes Ziel ist es den besonderen Wert der Alpenregion und die noch unerschlossenen Räume zu erhalten:

  • Neuerschließungen aus den bestehenden Erschließungsgrenzen sind abzulehnen
  • Schutzgebiete sind Tabuzonen für technische Erschließungen
  • Neue touristische Baumaßnahmen in bereits erschlossenen Gebieten sollen vorrangig der Qualitätssteigerung dienen. Damit soll eine Reduzierung der Belastungen von Boden, Wasser und Luft erreicht werden.
  • Gletschergebiete mit ihren Vorfeldern sind einzigartige ökologische Räume, die für wei­tere Erschließungen generell tabu bleiben müssen.
  • Erarbeitung neuer Konzepte für die Anpassung des Wintertourismus an den Klimawandel, insbesondere in den zukünftig weniger schneesicheren Gebieten.
 

Zusammenschluss Grasgehren und Balderschwang

Das Riedberger Horn und die Zone C

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In direkter Nähe zum beliebten Skitourenziel Riedberger Horn soll die Verbindungsbahn zwischen Grasgehren und Balderschwang verlaufen. Das wäre die erste Verletzung der Zone C des bayerischen Alpenplans überhaupt! Das Riedberger Horn im Oberallgäu ist eines der beliebtesten und bekanntesten Skitourenziele der bayerischen Alpen. Obwohl die beiden Skigebiete Grasgehren und Balderschwang auf beiden Seiten des Berges liegen, konnte der Berg als noch technisch unerschlossenes Gebiet für Skitourngeher und Bergwanderer erhalten bleiben. 

Zusammenschluss von St. Anton und Kappl

Ein Großraumskigebiet in der Entstehung

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Der geplante Zusammenschluss der Skigebiete Rendl (St. Anton) und Dias Alpe (Kappl) ist die zum jetzigen Zeitpunkt wohl umfangreichste Skierschließungsmaßnahme in Tirol mit Aussicht auf baldigen Baubeginn. Auch hier wurden naturschutzrechtliche Widersprüchlichkeiten nicht ausgelassen...

Erhalt unerschlossener Räume

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Intakte Natur und unverbaute alpine Landschaft bilden die Basis für eine nachhaltige Tourismusentwicklung im Alpenraum.

Erschließung der Kalkkögel

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Das Ziel: Zusammenschluss von „Axamer Lizum“ und „Schlick 2000“ im Stubaital über die Kalkkögel hinweg. Eine Realisierung blieb zum Glück aus: das Projekt wurde als verfassungswidrig eingestuft!  

Sanfter Tourismus

Alpentourismus nachhaltig gestalten

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Die Alpen sind eines der beliebtesten Reiseziele weltweit. Rund 100 Mio. Touristinnen und Touristen besuchen jährlich den Alpenbogen. Klar ist, dass Nutzungskonflikte und negative Auswirkungen auf Natur und Landschaft nicht ausbleiben. Verschärft duch den Klimawandel müssen für bestimmte Tourismusbranchen Alternativen gefunden werden, um die Alpen als Naturjuwel auch für die nächsten Generationen zu erhalten.