Dalmatien
Durch Winnetous bleiche Küstenberge

Alte Mythen entdecken, in mediterraner Kultur schwelgen und traumhafte Insel-Abstecher erleben. Georg Hohenester berichtet von einer Erkundungsreise.
Tiefschwarz und zum Greifen nah senkt sich die massive Wolkenwand vor uns über den Horizont. Fast zögern wir, weiterzufahren, doch von hinten bläst der Sturm den Wagen Richtung Zadar. Wir suchen Schutz hinter den dicken Altstadtmauern und schaffen gerade noch den Sprung in ein Café am Narodni trg, bevor peitschender Regen den Hauptplatz leer fegt. Eine Stunde später flaut das Gewitter ab. Vorsichtig bewegen wir uns über das glatt polierte, triefendnasse Marmorpflaster zur Uferpromenade mit der bekannten Meeresorgel.
Velebit & Winnetou
In den nächsten drei Tagen gilt es Boreas, dem Gott der Nordwinde und Namensgeber der Bora (kroatisch Bura) zu widerstehen, die der abziehenden Gewitterfront folgt. Dieser kalte Fallwind aus Nordosten fällt mehrmals im Jahr über die Küsten der östlichen Adria her und nimmt alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist.
Wir wollen hinauf ins Gebirge, möglichst bis zum Hauptkamm, um einen guten Eindruck von der Region zu bekommen, und über die berühmte Große Paklenica-Schlucht absteigen. Das Weglein, das sich durch die wildromantische kleine Paklenica-Schlucht schlängelt, haben wir heute Nachmittag schon erkundet, noch vor dem Regen. Am nächsten Vormittag schaukelt uns unser Guide Marin in einem seiner Landrover auf die Hochfläche Malolibinje. Als wir zwischendurch für einen Fotostopp aussteigen, blasen uns harte Windstöße entgegen, so dass wir uns gern festhalten, um auf den scharfkantigen Karstfelsen sicher zu stehen. Unter diesen Umständen wird es nichts mit dem Aufstieg auf den Sveto Brdo (1753 m), dem zweithöchsten Gipfel der Gebirgskette.
Mit 145 Kilometer Länge und zehn bis dreißig Kilometer Breite ist der Velebit das längste Massiv des Dinarischen Gebirges, das von Slowenien bis nach Albanien reicht. Auf der Küstenseite spärlich bewachsen, auf der Ostseite dicht bewaldet, steht dieses wilde, kaum erschlossene Karstgebirge in zwei Nationalparks und einem Naturpark unter Schutz, bietet einer intakten Fauna inklusive Braunbären, Wölfen und Luchsen Lebensraum in freier Wildbahn und ist seit 1978 UNESCO-Biosphärenreservat.
Für die Kroaten hat der Velebit ähnliche Bedeutung wie der Olymp für die Griechen oder der Triglav für die Slowenen. Zahlreiche Mythen und Sagen ranken sich um das Massiv, und unser Wunschgipfel Sveto Brdo ist der „heilige Berg“. Tausend Höhenmeter fehlen bis dorthin – ein andermal! Wir bescheiden uns mit einigen Fotos der wild auf dem Plateau lebenden Pferde und setzen unsere Safari durch den südlichen Velebit fort, um einem anderen Mythos nachzuspüren: Winnetou.
Den kompletten Artikel lesen Sie in der Panorama-Ausgabe 1/2012









