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Magazin des Deutschen Alpenvereins

Ausgabe 6/2012

Allgäu

Skitouren in den Allgäuer Voralpen

Skitour-am-Breitenberg

Von Manfred Scheuermann

Die schneereichen Allgäuer Voralpen liegen wie Zuckerhüte vor dem Hauptkamm. Vor allem im Hochwinter bieten sie Skitourengehern eine abwechslungsreiche Spielwiese. Skifahren hat hier lange Tradition, für die Natur ist es in dieser intensiv genutzten Region allerdings eng geworden.

 

Wer einmal einen langen Hüttenabend im Kreis echter „Allgäuer Urgesteine“ verbracht hat, versteht, was mancher Allgäuer empfinden mag, wenn reines Hochdeutsch gesprochen wird: „Mir händ kaum was verstonde“, frei übesetzt: „Manches klingt schwer verständlich“. Doch die natürliche Allgäuer Herzlichkeit hilft rasch und unkompliziert über diese Sprachbarriere hinweg. „Kommet roi, hocket no, esset & trinket und sind gern do!“ liest man am Tiroler Stadl bei Pfronten im Ostallgäuer Dialekt, was etwa heißt: „Kommt herein und fühlt euch wie zu Hause“. Sitzt man dann in gemütlicher Runde bei Allgäuer Kässpatzen, einem Glas frischer Milch oder einem „Woiza“, versteht man sich so oder so. Aus der Ferne wirken die Allgäuer Alpen wie eine undurchdringliche Mauer, am Horizont die Zacken der Tannheimer und der mächtige Hauptkamm, gekrönt von Hochvogel, Mädelegabel und Trettachspitze.
 
 
Breitenberg-Skitour
Auf dem Weg zum Breitenberg, Foto: Manfred Scheuermann
Nähert man sich, fallen die vorgelagerten Zuckerhüte der Allgäuer Voralpen auf, die Skitourengehern ungleich mehr zu bieten haben als alle anderen bayerischen Berggebiete. Sie sind zweigeteilt, was Dieter Seibert im Rother Skiführer „Allgäuer Alpen“ von 1986 treffend beschreibt: Hier die „… auffallend sanften, von Alpweiden überzogenen Voralpenberge aus Flysch, (…) die offensichtlich der Herrgott extra für die Skitourenneulinge geschaffen hat.“ Dort die eigenwilligen Nagelfluhberge, die „… fast alle mit äußerst steilen, von Felsstreifen durchsetzten Hängen abfallen. Hier gäbe es für Skifahrer wenig zu holen, wäre das Gebiet nicht stark gegliedert. Immer wieder trifft man auf schräg zu den Hängen verlaufende Rippen; so entstehen Steilmulden, hier gerne als ‚Schläuche‘ bezeichnet, die rassige Abfahrten erlauben.“ Nüchtern dagegen die geografische Beschreibung: Sie gliedert die Allgäuer Voralpen in das Gebiet östlich der Iller, zwischen Pfronten, Rettenberg und Bad Hindelang, und den größeren Teil westlich der Iller mit der Hörnergruppe und der Nagelfluhkette, etwa zwischen den Orten Balderschwang, Immenstadt und Oberstaufen. Teil zwei entspricht dem 2008 gegründeten grenzüberschreitenden Naturpark Nagelfluhkette. Schnee satt ist trotz Klimawandel noch normal in den Allgäuer Alpen, weil sie östlich des Bodensees weit nach Norden vorgeschoben sind und besonders viel Niederschlag abfangen. Der schneereiche letzte Winter ließ selbst altgediente Lawinenexperten staunen: „Das ganze Obertal gleicht zwischen Engeratsgund und Wengen einem Gletscherbruch“, konstatierte der Allgäuer Führerautor Kristian Rath.
 
 
Die Verhältnisse waren heikel, denn einerseits galt der Schneedeckenaufbau als stabil, andererseits hatte sich an den Allgäuer Grashängen die gesamte meterdicke „festplastisch- kompakte“ Schneedecke als Gleitschnee in Bewegung gesetzt. Bedrohlich öffneten sich tiefe Spalten und Risse, riesige Wellen türmten sich auf. Scheinbar unabhängig von der Temperatur gingen teils gewaltige Lawinen ab. Viel Neuschnee in kurzer Zeit abwechselnd mit milder Luft und intensivem Regen bis in höhere Lagen hatten in weiten Teilen der Nordalpen zu dieser ungewöhnlichen Situation geführt, auch in den eher harmlosen Allgäuer Vorbergen.
 


Weinkeller in Panorama-Lage

Der Markanteste unter den Allgäuer Skibergen ist der freistehende Grünten. Dort „… stand im Dezember 1891 eine Hand voll Bauern vor einem Rätsel. Durch den Tiefschnee schlängelte sich eine sonderbare Doppelspur ins Tal. Klar war: Weder ein Tier noch ein Schlitten konnte dafür verantwortlich sein. Doch niemand im Dorf wusste die merkwürdigen Spuren zu deuten, bis sich herausstellte: Der Hilfslehrer Adalbert Ebner aus Petersthal hatte neumodische ‚nordische Gleithölzer‘ ausprobiert“ – und damit die erste Tourenabfahrt absolviert (Broschüre „Hörnerdörfer“, Feb. 2012). Später kamen die Lifte, und bis heute leben Pisten- und Tourenskifahrer am Grünten vor, dass ein harmonisches Miteinander Normalität sein kann. Konflikte sind hier selten, nicht erst seit Tourengeher am Kammeregg eine eigene Aufstiegsspur haben. Die meisten begnügen sich mit der Grüntenhütte als Tourenziel. Wer alpines Gelände beherrscht, darf sich den ausgesetzten Grüntengipfel, das Übelhorn, zutrauen. Gar nicht übel ist dort an klaren Tagen die Aussicht: Die ganzen Allgäuer Alpen bekommt man präsentiert. Zum „Huigarte“ (auch „Hoigarte“ oder „Huigarta“ = „Wie daheim im Garten“), so heißt im Allgäu eine nette Unterhaltung, treffen sich Tourengeher an Mittwochabenden entweder in der Grüntenhütte oder der „Sportheim Böck Mountain Lodge“ an der Nesselwanger Alpspitze.
 
 
Riedberger-Horn-Skitour
Am Nordhang des Riedberger Horns
Das Hüttenziel mit dem auffälligen Namen war einmal einfaches Berggasthaus und bietet heute Luxusappartements mit Sauna samt Weinkeller in Panoramalage. Die gemütliche Gaststube zieht aber auch dutzende Tourenskifahrer an. Dienstags winkt der Tiroler Stadl bei Pfronten; damit sind drei Allgäuer Vorzeigebeispiele genannt, wo es gelungen ist, mit ausgefeilten Angeboten vom trendigen Pistentourengehen zu profitieren. Sogar die Wildtiere profitieren, denn sie bleiben in großen Teilen der Bergwelt ungestört, wenn sich abendliche Tourengeher auf bestimmte Pisten und Zeiten konzentrieren. Für schwäbische Skibergsteiger ist das Wertacher Hörnle Inbegriff einer typischen Voralpentour. Entsprechend geht es dort auch zu, wenn an eisigen Wintertagen frisch gefallene Schneekristalle funkeln: Wer auf den südseitigen Alpwiesen Tiefschnee will, muss früh oder schnell sein. Gegenüber recken sich die wuchtige Doppelkuppe des Spiesers und der schroffe Iseler, die Hintertür zu den Bergen des Tannheimer Tales, in den stahlblauen Himmel. Dort ist es ruhiger, die Touren sind aber deutlich steiler. Dazwischen versteckt sich der unscheinbare Ornach mit einer kurzen Skitour, die in Oberjoch beginnt.


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